Marcel Nickler - Über Ultrasport, Durchhaltevermögen und ein WERTvolles Leben
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Marcel Nickler ist ein vielseitiger Mensch, mit vielen spannenden Facetten, einer großen Menge innere Ruhe und Empathie und Durchhaltevermögen. Als Extremläufer hat er, neben vielen anderen Läufen, den Sahara Marathon des Sables, einen Etappen-Ultramarathon, gemeistert.
Marcel hat mehrere nicht-geschäftsführende Verwaltungsratsmandate inne und ist Partner in der Management & Technologieberatung. Er befasst sich vornehmlich mit Themen zu Innovation und Digitale Transformation, insbesondere auch mit den diesbezüglichen umwälzenden Dimensionen und Elementen. Als strategischer Berater hat Marcel zahlreiche Projekte für multinationale Organisationen und Unternehmen, insbesondere im Finanzdienstleistungssektor, verantwortet und hat Erfahrungen aus einer Vielzahl von Beratungsprojekten bei führenden Versicherern in Europa und weltweit gesammelt. Marcel glaubt fest an die Kraft von Werten, die aus seiner Sicht das Verhalten von Menschen nachhaltig prägen.
In dieser Folge erfährst du:
- was der Marathon des Sables ist und was er mit den Menschen macht [08:11]
- wie und wieso Marcel die Entscheidung getroffen hat diesen Etappen-Ultramarathon zu machen [15:00]
- wie der Marathon des Sables abläuft [25:21]
- wie man es schafft diese ganze Woche des Ultramarathons zu überleben und wie dieses Event das Leben verändert [32:02]
- wieso es wichtig ist, zu erkennen, wie wenig wir zum Leben brauchen und um glücklich zu sein [39:09]
- wie man sich auf so ein spektakuläres Event, wie den Marathon des Sables vorbereitet, sowohl physisch, im Bereich des Equipments als auch Ernährung [43:32]
- ob Erfolg planbar ist und wenn ja, wie [49:52]
- wie man auch schwierige Phasen durchhalten kann [55:23]
- wie sich Marcels Leben nach dem Etappen-Ultramarathon verändert hat [58:13]
- welche Erkenntnisse Marcel aus dem Schreibprozess seines Buches mitgenommen hat [1:02:32]
- wie der Ultrasport Marcels Sichtweise auf Menschen, Teams und Familie verändert hat [1:07:39]
- warum der Glaube an Erfolg und die intrinsische Motivation ein Erfolgsgarant ist [1:15:01]
- wie sich die Sinnhaftigkeit und Purpose im Laufe der Zeit verändert hat [1:17:16]
- warum das Vorleben von Werten für unsere Gesellschaft wichtig ist [1:22:11]
- wie Corona Marcels Leben, familiär und geschäftlich, verändert hat [1:24:22]
Hier findest du Marcel:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/mnickler/
Website: runningthesahara.net
Buch „Running the Sahara": https://amzn.to/3vvKIpT
Viel Spaß bei dieser Folge.
Das Transkript zum Nachlesen
Maschinell erstellt und nicht redigiert — Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Sprecher automatisch getrennt; Gäste sind nicht namentlich zugeordnet. 13.047 Wörter, 92 Minuten Gespräch. Als Textdatei laden.
Torsten J. KoertingHallo und herzlich willkommen zu dieser neuen Folge des Umsetzungsgiganten-Podcasts und heute, ja, ich darf fast sagen, mit einem Gleichgesinnten, nämlich jemanden, der das Trailrunnen und das Ausdauersportlaufgehen in sich trägt. Und jemand, auf den ich aufmerksam geworden bin, weil er ein ganz wunderbares und auch tiefgründiges Buch geschrieben hat mit dem Titel Running the Sahara. Und was hinter diesem Buch steht, ist das Erlebnis als auch die Vorbereitung auf einen der härtesten Selbstversorger-Ultraläufe dieser Welt und möglicherweise auch der bekannteste. Und die Rede ist vom Marathon des Sables, eine, ja, 240, 250 mal auch 260 Kilometer lange, ja, Durchquerung kann man fast schon sagen, der marokkanischen Wüste. Und diese Reise, die derjenige dort beschreibt, ist fast schon eine Reise zu sich selbst. Sieben Tage lang dauert dieser Ultralauf. Sieben Tage schleppst du alles mit, was du brauchst. Du bist in Beduinenzelten untergebracht, aber alles andere darfst du mitbringen, außer natürlich das Wasser, was es in einer ganz rationierten Form zur Verfügung gestellt wird von den Organisationen. Circa 1000 Menschen nehmen an diesem Lauf teil, der streng reglementiert ist. Und überhaupt sich der marokkanischen Wüste und der Hitze bei Tag ungeschützt, als auch der Kälte bei Nacht geschützt durch einen Schlafsack auszusetzen, bedarf nicht nur Mut, sondern auch Wille, sich dieser Herausforderung zu stellen. Und dann bedarf es natürlich auch diverser anderer Muster, die es dir überhaupt ermöglichen, durch diese Vorbereitungsphase zu gehen, als auch dann diesen Lauf zu bestreiten. Und derjenige ist nicht nur Läufer, sondern er ist auch Partner einer der größten Beratungsunternehmen dieser Welt, ist in mehreren Aufsichtsräten vertreten. Und da fragt man sich schon, wie ist man in der Lage, dass neben dem Beruf eine Ausdauer aufgebaut wird und vieles andere mehr, was notwendig ist, um einen solchen Lauf 250 Kilometer in der Wüste mit allem dabei haben, was es braucht, um in Anführungszeichen zu überleben. Und auch da werden wir natürlich dahinter schauen. Was ist der Antrieb gewesen? Was waren die Wendepunkte im Leben, die überhaupt diese Läufer in Anführungszeichen Karriere neben dem Beruf ermöglicht hat? Was sind die Antriebe, die solch jemanden dazu treibt, wirklich zwischen 10, 15, teilweise 20 Stunden pro Woche Ausdauer, Sport und Training zu betreiben, sodass man in der Lage ist, einen solchen Lauf unter diesen Rahmenbedingungen zu bestreiten. Wir schauen natürlich auch, was notwendig ist, um solch ein Projekt, um solch einen Erfolg, nämlich nach sieben Tagen die Ziellinie zu überqueren, was dafür notwendig ist, wie du durchdrücken darfst, wie du mit schlechten Momenten umgehst und wie er auch natürlich mit diesen Momenten umgegangen ist, was für ein Gen in ihm steckt, was dazu führt, immer wieder Neues in diesem Kontext auszuprobieren. Und da schauen wir jetzt rein. Ich freue mich riesig auf den heutigen Interviewgast, der noch ganz andere Läufe bestritten hat, auf die wir natürlich auch nochmal schauen werden. Also für all diejenigen, die wissen wollen, was es braucht, sowas zu tun und was die Erfolge an der Stelle gewesen sind, aber auch Misserfolge und durch was man da alles durchgehen darf und was wir daraus lernen können. Das wird er uns nun beschreiben und freut euch auf Marcel Nickler.
Torsten J. KoertingUmsetzungsgegangen.
GastUnd in that Perseverance, I found new levels of strength.
Torsten J. KoertingUnd dann habe ich angefangen, das zu machen.
GastWehigkeit weitergeben zu dürfen. Aber es hat was mit Geduldigsein zu tun.
Torsten J. KoertingAlso zu erfahren, was denn die jungen Menschen bewegt. Marcel, wunderbar, dass du heute im Umsetzungsgiganten-Podcast dabei bist. Herzlich willkommen, Marcel Nickler.
GastVielen Dank, Torsten.
Torsten J. KoertingMarcel, du bist mir aufgefallen vor einigen Wochen, fast schon Monaten, als dein Buch, was im Dezember 2019 publiziert wurde, und wir werden gleich darauf eingehen, das Licht der Welt erblickt hat und diese Analogien mich total inspiriert haben. Und damit die Zuhörerinnen und Zuhörer so einen kurzen Eindruck kriegen, ich fange immer gern mit einer Frage an. Stell dir vor, wir treffen uns in den Alpen auf einer Berghütte. Du bist vielleicht hochgerannt, wir sind hochgewandert oder ich bin hochgewandert und wir übernachten dort beide und sitzen uns zufällig abends am Tisch bei einem leckeren Abendessen und vielleicht noch einem Rotwein danach gegenüber. Und irgendwann kommt die Frage, du, Marcel, was machst du sonst so, außer auf Berghütten hochzulaufen oder hochzuwandern? Marcel, was wäre deine Antwort?
GastJa, ich würde mich als sehr vielseitige Person bezeichnen. Also ich habe eine ganz tolle Familie mit zwei erwachsenden Töchtern. Eine Frau, wir sind schon über 34 Jahre mittlerweile verheiratet. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit ihnen. Die Töchter, die wohnen nicht mehr zu Hause seit einigen Jahren. Und ich arbeite nach wie vor nicht mehr ganz so viel wie vor einigen Jahren noch, aber ich arbeite immer noch einen rechten Teil meiner Zeit jeden Tag. Treibe viel Sport, habe diverse andere Leidenschaften, lese sehr gern sehr viel, im Schnitt zwei, drei Bücher pro Monat. Ich habe sehr viel Freude an Jazzmusik. Die Dinge, die halt das Leben lebenswert machen am Ende. Ich freue mich eigentlich immer auf den nächsten Tag. Ich kann mich schwer erinnern an Tage, wo ich jetzt wirklich nicht mit einem Gutgefühl aufgestanden bin und mich nicht gefreut habe auf die Dinge, die dann passieren werden.
Torsten J. KoertingUnd ich glaube, das ist so auch die Empathie und auch die Leidenschaft und auch Ruhe, die du sicherlich an solch einem Abend auf einer Berghütte ausstrahlen würdest. Du bist Partner einer großen Beratungsorganisation, die weltweit tätig ist und gleichzeitig Ultraläufer. Und ich glaube, in dieses Paradox oder in diesen, ich will gar nicht sagen Gegensatz, aber in diese spannende Kombination würde ich gleich direkt mit dir mal einsteigen, Marcel. Du hast vor einigen Jahren eines der härtesten Mehrtages-Selbstversorgungs-Ultraläufe gefinisht, den Marathon des Sables. Und daraus ist ein Buch entstanden, auf das wir gleich noch eingehen werden. Aber für diejenigen, die solch ein Event oder auf Basis dieses kleinen Satzes, den ich eben sagte, das gar nicht zuordnen können, nimm uns mal mit, was ist der Marathon des Sables und was macht ihn so spannend, herausfordernd und so besonders, Marcel?
GastAlso der Marathon des Sables ist der Meeretappenlauf in der marokkanischen Sahara. Es ist am ersten Mal stattgefunden im Jahre 1986. Der wurde gegründet von einem Franzosen, Patrick Bauer. Der ist ein paar Jahre zuvor alleine, völlig selbstversorgend. Da hat er wirklich alles dabei, inklusive Wasser, durch die Wüste gewandert und hat das so inspirierend, so toll gefunden, dass er gesagt hat, es kann ja nicht sein, dass ich der Einzige war, der das erleben durfte. Und so ist dieser Marathon des Sables entstanden. Mit 23 Teilnehmern bei der Erstausführung. Und hat sich dann weiterentwickelt über all die Jahre. Ja, mittlerweile über 30 Mal stattgefunden. Immer rund jetzt um die 1200 Teilnehmer pro Jahr. Meeretappenlauf findet in einem sehr gebirgigen Teil der Sahara statt. Oder trotzdem 75 Prozent auf Sand. Und du bist halt vom Moment, wo du in der Wüste ankommst, bis du rausgehst, bist du wirklich großmehrheitlich auf dich selbst angewiesen. Du hast alles mit dabei. Und ich denke, das ist ein Großteil der Faszination. War auch ein Großteil der Sorge für mich, bevor ich eben gestartet bin. Du hast alle Kleider mit dabei. Du hast alles zum Essen mit dabei. Das Einzige, was du bekommst, ist ein Zeltdach über dem Kopf in der Nacht.
GastUnd das Wasser. Und der Rest ist einfach dir überlassen. Und das ist hochspannend. Es ist in der Vorbereitung. Mach dich nicht sorgenfrei, sage ich jetzt mal. Aber es ist am Ende so die... Ja, war für mich eine Reise zu mir selbst eigentlich. Ich habe auch mit vielen Teilnehmern gesprochen, die das auch schon gefinisht haben, das Teil. Und die bestätigen eigentlich auch alle, oder so diese Reduktion auf das absolute Minimum mit einer zum Teil sehr, sehr grenzwertigen Umgebung von der Temperatur her, vom Klima her, verbunden mit einem sportlichen, ja, mit einer sportlichen Herausforderung. Ich denke, das macht zum Ende aus. Dass es in der Wüste ist, macht es natürlich um so schönerweise. Es ist unglaublich. Ja, die Wüste strahlt so eine Ruhe aus. Ja, das merkt man, wenn man dort ist. Du bist wirklich... Man ist bei sich, oder? Das Leben, so die ersten zwei Tage, ging so das ganze Leben nochmal an mir vorbei, oder? Und ja, du kommst einfach raus in dem Zustand nach diesen acht Tagen insgesamt in der Wüste, oder? Ich habe mich ein bisschen als veränderter Mensch gefühlt, wirklich im positiven Sinne rund um, rund um. Ja, sehr viel mitgenommen.
Torsten J. KoertingJa, und auf den Prozess gehen wir gleich nochmal ein. Nur nochmal für alle hier kurz zusammengefasst, ja. Über 250 Kilometer, ich glaube 270, 280 sind es.
GastJa, 250 knapp sind es immer, plus, minus. Aber das weiß man erst, wenn man ankommt, oder?
Torsten J. KoertingWenn man da ist, ne? Weil sich jedes Jahr, glaube ich, auch die Strecke verändert. Es ist nicht immer die gleiche Strecke, sondern verändert sich jedes Jahr. Du kriegst ein Dach über den Kopf, so ein Beduinenzelt, liegst du mit acht Leuten drin. Nachts bläst da der Wind durch oder tagsüber. Wüste, 30 Grad, 35 Grad, tagsüber wahrscheinlich die gefühlte Temperatur deutlich mehr. Nachts wahrscheinlich bis ran an die Null, beziehungsweise kurz drüber, also richtig kalt. Und du darfst alles dabei haben. Also von deinem Schlafsack über einen S-Bit-Kocher oder Gas-Kocher, je nachdem, was der ein oder andere sich dazu wählt. Das gesamte Essen nimmst du mit für die sieben Tage. Du hast deine ganzen Klamotten dabei. Und damit wahrscheinlich ein Pack so zwischen sechs und wahrscheinlich die schwersten so 15 Kilo inklusive Wasser.
GastJa, es ist reglementiert. Es gibt eine Bandbreite, Minimum 6,5 Kilo bis Maximum 15 Kilo. Und normalerweise bist du eher schwerer unterwegs, wenn du so ein quasi erstmaliger Teilnehmer bist. Ich war da eigentlich, habe mich wirklich da sehr viel drum gekümmert. Ich war mit 7,3 Kilogramm insgesamt sicher. Ich hatte an der unteren Grenze für einen erstmaligen Finisher. Habe aber auch verzichtet so auf die letzten 100, 150 Gramm. Also es ist dann wirklich die überzähligen Riemen wegschneiden am Rucksack und so. Also da geht es dann wirklich in den Extrembereich. Und es gibt übrigens eine sehr lange Liste von Pflichtmaterial, oder? Also Schlafsack ist nicht einfach optional, sondern das ist ein Muss. Und das wird auch kontrolliert, ja. Da gibt es Eingangskontrolle, es gibt Stichproben und es gibt sehr hohe Penalties bis Disqualifikationen, wenn man da also im Prinzip das nicht befolgt, weil es einfach auch ein Sicherheitsaspekt ist. Und auch beim Essen, 2000 Kalorien im Schnitt pro Tag, aber du kannst nicht am ersten Tag 10.000 verfuttern und dann hast du einen leichten Rucksack, sondern du musst immer die Restmenge noch ausweisen können für die verbleibenden Tage, ja.
GastUnd so, das sind halt die Dinge, oder? Und man fühlt sich durch das auch relativ sicher, weil das haben ja tausende Leute vor mir, haben das schon zu Ende geführt oder quasi in diesem Framework, wenn man so will. Also das ist erprobt, wenn man so will, ja.
Torsten J. KoertingWir gucken gleich nochmal ein bisschen mehr auch auf die Erlebnisse dieses magischen Events in der marokkanischen Wüste. Jetzt ist es ja etwas, was man nicht einfach mal so macht. Du entscheidest dich ja nicht, heute Morgen gehe ich mal fünf Kilometer wandern, sondern das ist ja eine Entscheidung, die eine lange Vorbereitungszeit braucht. Du bist jetzt schon seit zwei Jahrzehnten auch etwas darüber hinaus in der Läuferszene umtriebig. Du hast den Ultratrail de Mont Blanc, einmal um den Mont Blanc, ich glaube innerhalb von 44 Stunden ist das Zeitlimit rumlaufend und andere Ultraläufe gemacht. Aber dieser Marathon des Sables ja auch nochmal was ganz Besonderes ist. Du beschreibst in deinem Buch, in deinem Vorwort, diesen magischen Moment, der diesen Auslöser geschaffen hat bei dir. Nimm uns da mal mit, wie ist es dazu entschieden? Wann hast du die Entscheidung getroffen? Der kommt jetzt auf meine Löffelliste. Dafür entscheide ich mich und dann bereite ich mich dafür vor.
GastJa, das war ein sehr, sehr spannender Prozess. Ich habe schon seit vielen Jahren immer wieder, wenn ich so Bilder gesehen habe von Marathon des Sables oder manchmal am Fernsehen oder einem kurzen Clip in YouTube. Ich habe immer nur den Kopf geschüttelt. Ich habe mir schlichtweg, ich habe mir nicht vorstellen können, dass ich das mal tun werde. Echt nicht, ja. Obwohl ich läuferisch mir einiges zugetraut habe. Ich finde, auch im Kopf kann ich sehr stark sein, wenn es sein muss. Aber trotzdem war das im Prinzip, ja, auf Englisch sagt man so schön, beyond imagination. Und ich habe dann, ich schreibe das auch in meinem Buch am Anfang, an einer Veranstaltung in meiner Firma, habe ich Reinhold Feinze kennengelernt. Der hat eine Keynote gehalten. Ist ja so, man sagt, der letzte lebende Eroberer auf der Welt. Der hat dann so erzählt, auch von seinen Wüsten-Trips und so. Der hat diesen Marathon des Sables auch schon mal gemacht. Da habe ich dann einfach erzählt. Ich habe das zur Kenntnis genommen. Das war ein weiteres Pösslstein oder wo ich irgendwie, ich habe das einfach in mir rumgetragen. Ich habe es aber weder am Familientisch noch sonst irgendwo ausgesprochen, weil ich mich auch nicht unter Druck setzen wollte. Und dann ist Folgendes passiert. Dann war ich in den Bergen.
GastUnd das war, glaube ich, eine Woche nach dem Eiger-Ultra-Trail in Grindelwald. Und ich habe zu meiner Frau gesagt, du, jetzt irgendwie, oder ich werde nicht jünger, ich werde jetzt, ja, in drei Jahren 60, was heute kein Alter ist. Also, das war ich jetzt letztes Jahr, aber dann zumal. Und ich überlege mir so lange Distanzen, wie lange ich das auch machen soll, kann, will. Aber irgendwie stelle ich mir vor, das noch abzuschliessen mit etwas ganz Spezielles, und was einfach so eine Art emotionale Krone aufsetzen würde mit dem Ganzen, was ich so getan habe. Da hat es wirklich, wie aus der Pistole geschossen, hat sie gesagt, Marathon, die Sagen. Ich habe gesagt, bist du wahnsinnig? Und ich habe gesagt, nein, bin ich nicht. Ich habe gesagt, wie kommst du drauf? Und ich habe gesagt, schau mal, oder seit Jahrzehnten, oder hast du jedes Mal glänzende Augen, oder wenn du was liest, was siehst über diesen Lauf, wenn ich dich da veranspreche. Ich habe einfach das Gefühl, das Gesamtpaket, sportliche Fitness und mentale Stärke, das habe ich noch nie so komplett wahrgenommen. Und ich mache das, oder?
GastUnd einen Tag später war ich angemeldet, ja. Das habe ich, oder weil ich habe eigentlich, der grösste Respekt, den ich hatte, ist auch, come on, also wenn ich jetzt das auch noch tue, oder, man hört ja sonst als Ultraleu-Firma so einiges, geht das, warum macht man das? Ja, und ist das nötig? Und bist du sonst nicht ausgelastet? Das sind ja ganz andere Themen, die einen bewegen, sowas zu tun. Und da kommst du mit dem Arm und dem Samen. Und ich habe gespürt, wenn die Familie dahinter steht, ja. Und der Prozess war so, dass die Töchter eigentlich auch relativ bald dann ihren Bein gegeben haben, quasi, die ältere Tochter ist der Ärztin, oder? Die hatten das auch nochmal ein bisschen begutachtet. Ja, von dieser Seite hat er auch gefunden, du, wir haben ein frohes Vertrauen, dass du das seriös machst, vorbereitet, mach das, Papa. Also wenn das dein Traum ist. Ja, und dann vom Moment der Anmeldung, das war quasi das Kick-Off, oder, zu einem Großprojekt, oder, ist das losgegangen. Aber es war wirklich im Moment, bin überzeugt, wenn meine Frau das nicht gesagt hatte, das war der crucial Moment, oder? Ich glaube nicht, dass ich von mir aus das einfach getan hätte, ja.
Torsten J. KoertingUnd diese Unterstützung, die du da gespürt hast, war bestimmt dann auch die Grundlage oder das Fundament für das, was dann gekommen ist, auch auf die Vorbereitung hin zum Marathon des Sables. Was war für dich dieser, auch während der Keynote, oder was so im Vorfeld schon in dir gewesen ist, wie gesagt, du hast ja auch schon andere Läufe hinter dir, was war so der Auslöser und dieser eine Trigger, der dich, ich sag mal, in diese Richtung des Marathon des Sables und auch nochmal eine ganz andere Erfahrung zu machen, als die, der Läufe, die du schon hinter dir hattest?
GastIch habe immer wieder gehört, gelesen, von Leuten erfahren, die den Marathon des Sables gefinisht haben, dass das wirklich eine lebenserweiternde, veränderte vielleicht sogar Komponente mit sich bringt. Also du siehst viele Dinge anders danach. Also das macht was mit dir, oder? Es ist sehr viel mehr wie laufen. Diese Woche einfach mal zusammen mit Gleichgesinnten einfach in einer ganz anderen Umgebung oder ganz mit sich alleine zu sein, das hat mich wirklich gereizt und ich wollte das erfahren. Ich habe das Gefühl gehabt, oder trotzdem, dass das alles ein bisschen verrückt klingen mag. Man tut das in einer bestmöglich beschützten Umgebung, oder? Da ist viel Erfahrung auch vorhanden. Da gibt es natürlich sehr wohl eine Risikobeurteilung, oder wenn man so in die Wüste geht, einfach eine Woche. Aber dass in einer doch bestmöglich beschützten Umgebung oder mit gewissen Restrisiken, das zu tun, im Wissen, man kommt zurück, oder mit sehr viel mehr als 250 Kilometer oder 237 waren es genau in meinem Jahr in den Beinen, sondern mit einer Sicht aufs Leben, was wichtig ist im Leben, was vielleicht, man gemeint hat, ist wichtig, aber letztlich völlig irrelevant ist, oder? Das hat mich gereizt. Ich war noch nie in der Wüste, oder, zu diesem Zeitpunkt, das muss man sagen, oder? Von dem her war das noch ein zusätzlicher Aspekt, oder?
Torsten J. KoertingUnd du hast genau beschrieben, auch im Vorgespräch der UTMB, Ultratrail de Mont Blanc, 170 Kilometer ungefähr, innerhalb von 44 Stunden das Zeitlimit einmal um den Mont Blanc rum. Wir haben das letztes Jahr mit unserer Nature Leadership Experience gemacht. Sind das in sieben Tagen, also 168 Stunden hatten wir die Zeit dazu. Auch nochmal dieses Erlebnis herausgestellt. Ultratrail de Mont Blanc, läufst du durch 15, 20 Ortschaften, da ist richtig Halligalli, ob tagsüber in der Nacht. Und Marathon des Sables ist ja da eine ganz andere, hat eine ganz andere Note. Vielleicht nochmal eine Frage zu Ranul Finesse, der die Keynote bei euch gesprochen hat, einer der letzten Eroberer dieser Zeit, der ja auch am Nordpol und Südpol gewesen ist, hat den auf dem Landweg erreicht, was nur ganz wenige geschafft haben. Und was war, wir haben auch einige Speaker und auch Berater und Coaches hier als Zuhörerinnen und Zuhörer dieses Podcasts. Wie hat er dich in seinen Bann genommen? Und was war vielleicht die eine Frage oder diese eine Trigger, der dich dann inspiriert hat, nochmal in diese MDS, in die Marathon des Sables Schiene reinzuschauen? Kannst du dich daran noch erinnern?
GastJa, ja, also er hat natürlich, oder all die Geschichten, die er erzählt, er war ja nicht nur in der Wüste, also er war auch in der Wüste als Eroberer auf gewissen Teilen der Welt, aber er war an vielen Orten auf dieser Welt. Und so dieses, diese Neuartigkeit, an einen Ort zu gehen, wo man noch nie war, also es war ein bisschen so, vielleicht gibt es irgendwie den kleinen Möchtegern Eroberer in meinem Inneren, oder? Und ich wollte einfach auch mal so diese Sehnsucht nach etwas ganz Neuem, was ich noch nie gesehen habe, in einer neuen Umgebung, wo ich mich einfach mal fühlen, oder ich habe ja an einer Stelle im Buch auch geschrieben, es schien mir so, wie wenn da irgend aus der Düne irgend so eine historische Persönlichkeit plötzlich, die Lawrence hochkommt, oder? Und ich glaube, dass das war diese Sehnsucht einfach nach etwas ganz Neuem, oder? Also das fängt bei den Gerüchen an, das fängt sehr beim Klima an, und das bringt er halt in seinen Erzählungen extrem rüber, wo immer er war, ob das jetzt im Dschungel war, ob das in der Wüste, ob das am Südpol war, und das hat nicht so, ja, und dann hat er eben gesagt, und da gibt es doch diesen Lauf, wenn du mal wirklich die Wüste erleben willst, oder er sagt, das kommt, ja, das kommt dann doch in vielen Punkten, ja, da kriegst du ein bisschen ein Gefühl, was das bedeutet, wenn du so, du bist ja nicht ganz alleine unterwegs, wenn du in einer solchen Umgebung unterwegs bist, ja.
Torsten J. KoertingWenn wir jetzt mal in den Marathon des Sables reinschauen, ja, und du hast von den ersten beiden Tagen schon erzählt, wo du so bei dir auch gewesen bist, wo dein Leben nochmal an dir nahezu vorbeigezogen ist, und das nicht eine Nahtoderfahrung war, sondern einfach auch natürlich dieser intensiven, also der Umgebung, in die man da so intensiv eintaucht, nimm uns mal mit in so einen Tag, wie läuft sowas ab, für Menschen, die sowas noch nie erlebt haben, in einem Biduinenzelt zu schlafen, sich morgens fit zu machen, zu frühstücken, alles für sich selbst verantwortlich zu sein, dann mit 1200 an der Startlinie für die nächste Etappe zu stehen, um dann vier Stunden, sechs Stunden, acht Stunden, manche sicherlich noch länger vor dem Kamel herzulaufen, hinter das du nicht, glaube ich, zurückfallen darfst, so zumindest die Legende. Nimm uns da mal mit in so einen Tag, Marcel.
GastJa, genau, der Besenwagen ist nicht mehr eigentlich, genau. Ja, das ist, oder man muss sich den Tag so vorstellen, also es gibt einen sportlichen Teil, und dann gibt es, ja, du bist immer ein wenig so an dich verpflegen, am Essen, du schläfst immer wieder, so, du lohnest ein bisschen im Biwak rum, du kannst vielleicht wieder andere Läufer empfangen, die dann später ins Ziel kommen, aber mal, wenn wir mal am Morgen beginnen, oder, es wird relativ früh gestartet immer, ein bisschen unterschiedlich von der Etappenlänge, so zwischen sieben und neun Uhr morgens, und ist natürlich auch ein Temperaturaspekt, weil es wird relativ schnell warm, du hast es gesagt, eingangs, oder Temperaturen null Grad, ein bisschen unter dem Gefrierpunkt ist sogar möglich. Das geht dann so ab neun, zehn Uhr, wenn die Sonne stärker wird, rapide hoch, oder, du kannst da schon, zwei, drei Tage über 40 Grad, hat es das hochgezogen, oder, also, du startest relativ früh, und ich habe mir ja in der Vorbereitung, oder, wenn ich mich mal so zurückbesinne, was für dämliche Fragen ich zum Teil den Leuten gestellt habe, oder die, die mich ein bisschen so auch mitgecoacht haben, von, ja, ich brauche doch einen Wecker, oder, wie geht denn das, ich erwarte doch nicht am Morgen, das ist völlig, völlig Blödsinn, oder, du hast, du hast, das wird einfach heller am Morgen, oder, und dann wachen alle auf, oder, und dann bist du wach, und das ist in der Regel so, irgendwann zwischen fünfe und halb sechs passiert das, oder, und irgendwann, so gegen sechs, kommen dann, kommt so die Ägypte der Helfer, oder, es ist so eine Berber-Ägypte, die ziehen dann dir das Dach über dem Kopf weg, sprichwörtlich, nehmen dann das Zeltdach weg, oder, bist du noch auf dem Untergrund, da liegt so ein Berber-Teppich, und auf diesem Teppich verpflegst du dich dann, oder machst dir das Frühstück, ja, je nachdem warm oder kalt, was immer du hast, oder machst du das Race-Pack fertig, also, dann packst du den Rucksack, das habe ich immer als erstes gemacht, bis auch in der Angst, irgendwas finde ich dann nicht mehr, oder, wenn es dann irgendwie, oder, ja, wenn dann alles durcheinander liegt, und, ja, und dann sitzt du ein bisschen, oder saugst die ersten Sonnenstahl rein, da bleibt meistens so eine Stunde noch bis zum Start, oder, und dann gehst du dann langsam in den Startkorridor, oder, und, ja, und dann eigentlich jeden Morgen zur Musik über die Lautsprecher, Highway to Hell, oder, sehr, sehr sinnbildlich von ACDC, oder bist du dann auf die Piste geschickt, oder, und dann bist du ein paar Stunden unterwegs, das war halt für die Verbindungsetappen, also die kurzen, wie man sie nennt, oder zwischen 30 und 40 Kilometer, oder bist du halt vier bis sechs Stunden unterwegs,
Gastund kommst, du kann man ausrechnen, wenn du um acht Uhr der Start bist, um ein Uhr, zwei Uhr, vielleicht drei Uhr bist du zurück, also, oder war ich zurück, oder, und dann hast du eigentlich Zeit, bis am nächsten Morgen wieder, oder, bis du wieder wach wirst, oder dir die Zeit einzuteilen, und ich glaube, das muss schon ein wenig auch mental geplant sein, oder, ich habe mir dann eine sogenannte Golden Hour immer gegönnt, also als erstes, wenn ich ins Biwak kam, oder habe ich quasi die Ausrüstung retabliert, oder habe mich umgezogen, würde man sagen, ich hatte zu dem Satz Kleider, die ich am Körper hatte, hatte ich genau noch ein paar weitere Shorts und ein T-Shirt mit dabei, bei Ersatzsocken, einfach als Notfallreserve, da habe ich mich umgezogen, und habe wirklich eine Stunde dann für mich, oder, ich habe die Füße gepflegt, habe geschaut, ob irgendwo ein Sandkorn vielleicht irgendwo reingekommen ist, und habe dann ein Powernap gemacht, oder habe das Privileg, dass ich das irgendwann offenbar gelernt habe, dass das gut funktioniert, oder, so eine halbe Stunde weggetaucht, oder, so eine Stunde für mich einfach nichts anderes gemacht. Und dann habe ich etwas gegessen danach, und bin eben, da kamen so die weiteren Zeltkumpels, oder kamen dann auch zurück, und, ja, da hat man halt zusammengesprochen, ist vielleicht mal ein bisschen im Biwak zirkuliert, und, ja, am Ende haben wir auch alle unsere Lebensgeschichten einander erzählt gehabt, ja, also, das geht dann sehr tief, wir sind eine ganze Woche zusammen, und am Abend kochst du dann auch, oder machst du alles selbst, oder gewisse, sammeln dann Holz, ich habe das mit Brennstofftabletten, habe ich das angeferiert, oder, und dann kochst du dir was, und irgendwann, so um 8, halb, 9 ist dann der Tag zu Ende, oder, dann beginnt die Nacht, also, es wird ja Blitz, also, es ist eigentlich, wie wenn der Lichtschalter rausgeht, es wird relativ schnell dunkel, dann, oder, und dann habe ich auch immer relativ schnell den Schlaf gefunden, oder, und das ist jetzt nicht ein Tiefschlaf über 8 Stunden, sondern es ist sehr intermittierend dann, aber ich habe jetzt nie das Gefühl gehabt, die Müdigkeit ist das Problem, ja, zu keinem Moment, der ganzen Woche.
Torsten J. KoertingAlso, du hast, danke, dass du uns so diese Einblicke gibst, wie dort ein Tag abläuft, und ich glaube, das kann man sich, das ist für Menschen, die hier aus der zivilisierten Welt kommen, ja, die noch nicht eingetaucht sind, in solch eine Umgebung, schwer vorstellbar, ich glaube, da darf man den Impuls geben, einfach mal Marathon des Sables, wir schreiben das auch in die Shownotes, wie sich das schreibt, einfach mal ins Internet zu gehen, da gibt es ja Tausende von Bildern von Menschen wie dir, die in der Lage waren, dort an diesem Event teilzunehmen in den letzten 30 Jahren. Wie läuft, wie war diese Woche für dich? Das ist ja nicht nur ein Tag, Menschen, Menschen sagen, Mensch, du, einen Marathon zu laufen, da taut mich schon um, wie soll ich dann am nächsten Tag nochmal einlaufen und nochmal, und da gibt es ja noch die Langetappe, die ja auch zwischen 70 und 80 Kilometer hat, die dann in die Nacht auch reingeht. Wie ist diese Woche für dich verlaufen, diese sieben Tage, was waren da Höhen, was waren Tiefen und wie hast du auch deine Selbstwahrnehmung in dieser Zeit gespürt? Du hast über die ersten zwei Tage gesprochen, wo das Leben nochmal so ein bisschen an dir vorbeigezogen ist und da gab es ja noch fünf weitere Tage, was ist da passiert?
GastAlso man, grundsätzlich oder, ich habe das gesagt, man hat sehr, sehr viel Zeit für sich alleine, oder, und es gibt, es gibt Momente, es kommen halt Dinge hoch und vielleicht sind es zum Teil auch Dinge gewesen, wo man, ja, gemeint hat, die hat man irgendwie weggedrückt mal, oder, aber die sind nicht wirklich verarbeitet worden, ja, Schicksalserlebens, Nässe während des Lebens, aber auch vielleicht positive Dinge, oder, die dann bildlich eben, ja, so, so, so wie vorbeigehen, oder, und, und das hat sich wirklich bis, da waren zum Teil Dinge aus meiner Schulzeit, ja, aus meiner Zeit als Pfadfinder, die plötzlich hochgekommen sind, oder plötzlich, plötzlich, und ich habe auch die Monate, oder die, die ein, zwei Jahre danach, ich habe plötzlich wieder mal Leute treffen wollen, die dich ein bisschen aus den Augen verloren haben, weil ich irgendwie plötzlich dort gespürt habe, du, das war doch so, oder, das waren ganz wichtige Personen in meinem Leben, und es kann ja nicht sein, oder, dass man dann einfach 20 Jahre lang, oder, einen ehemaligen engen Schulfreund nie mehr sieht, oder plötzlich habe ich wieder den Kontakt gehabt, und der Anlass war tatsächlich, oder, also, ja, so eine Reflexion, oder, über etwas, was stattgefunden hat, oder, immer dann hochgekommen ist, das ist ein Beispiel, und von denen gab es, gab es eben mehrere, oder, und, was auch ganz interessant war, ich habe einfach nochmal meinen Lebensweg auch so nachgezeichnet gehabt, danach, und man fragt sich ja immer, habe ich jetzt alles richtig gemacht, oder, oder werde ich wirklich am Ende, nach die Welt, als eine bessere, verlassen durch meine Beiträge, kleine Beiträge, kleine Beiträge, oder, die vielleicht am einen oder anderen Ort, für hoffentlich andere Personen nützlich waren, oder, und, ja, ich bin an vielen Punkten zum Schluss gekommen, ich würde eigentlich, ich würde eigentlich das meiste wieder genau gleich machen, vielleicht würde ich ein bisschen früher mit Ultratrailing beginnen, oder, da könnte ich mehrere solche Dinge tun, ich habe ja im Alter von 40 erst meinen ersten Marathon gelaufen, aber, aber, aber,
aber,
Gastaber alles sonst, oder, glaube ich, das hat mich in eine unheimlich befriedigende Situation dann geführt, und da auch in diese zurückgelassen, einfach so, ich habe das versucht, da in meinem Buch ein bisschen wieder zu geben, oder, also, was gibt es Schöneres am Ende, als wenn man sagen kann, das Leben, das ich bis jetzt habe leben dürfen, sag ich, ist immer auch, ist ein Privileg, wenn das so ist, oder, das, das war wirklich eine sehr, sehr schöne Geschichte, und ich würde das wieder genauso wollen, ja.
Torsten J. KoertingJetzt ist der Marathon des Sables ein Sieben-Tages-Event, auf das man sich sehr lange vorbereitet, und dann, wenn du die Ziellinie überschreitest, könnte man sagen, ist zumindest diese Reise zu einem Ende gekommen. Wie war der Moment, als du nach den sieben Tagen am Horizont die Flaggen gesehen hast, vielleicht auch die Geräusche waren, von der Stimmung, die vielleicht im Ziel schon da gewesen ist, von denen, die vorher schon durchgelaufen sind, wie war, wie nimmst du diesen Moment heute noch wahr?
GastAlso da waren auch Tränen, by the way, oder, das ist so, das ist ein sehr emotionaler Moment, und, es ist ja immer so eine Mischung, oder, wenn man irgendetwas erreicht, nämlich ob das Schulabschluss, ob das irgendwie, ob das sonst etwas Großartiges, Geburt einer unserer Töchter, die heiraten, oder, du, du fieberst quasi auf diesen Moment hin, und dann, weißt du ja nicht genau, was macht das mit dir, oder, und ist immer, bei mir war es immer so eine Mischung zwischen enormer Zufriedenheit, die sich auch dann über längere Zeit hält, aber auch eine gewisse Lehre, oder, man fragt sich dann, oder, ja, ist das überhaupt noch steigerbar, oder, ich habe es eingangs gesagt, oder, es ist für mich absolut das, das, tollste, was ich je habe machen dürfen, oder, und, ja, ich habe gehofft, dass dieses Gefühl, oder, möglichst lange anhält, ja, und, aber es war schon ein sehr emotionaler Moment, aber einfach eine absolute Ruhe und Zufriedenheit, ja, einfach, ich war, ja, ich war jetzt wirklich im Lot mit mir selbst, und im Reinen, oder, und das war, und das in einer wunderschönen Umgebung, gut, das Ziel war dann in einer kleinen Stadt, in Merzogam, oder,
Gastaber, das ist schon, ist schon ein ganz, und ich sehe die Bilder jetzt im Moment, wo ich das erzähle, oder, ich kann die Bilder abrufen, ja, also die sind verankert, ja, und diese Bilder, die kann ich auch abrufen, irgend, ja, wenn ich irgendeine, in einer Situation mich befinde, habe das auch immer wieder gemacht, die letzten Jahre, ja, die sind derart, derart, ja, quasi wie eingeprennt in mir, ja, das ist, also, ich denke schon etwas fürs Leben, Jörg, nicht nur der Zieleinlauf, aber der Zieleinlauf, oder, war der spezielle Moment, ja, dann war es halt eben der Finish.
Torsten J. KoertingHat dieser Moment des Zieleinlaufs, als auch der Weg dorthin, auf den wir gleich auch noch mal schauen, hat der dein Leben in einer gewissen Form verändert, hat er dich zu einem anderen Menschen werden lassen?
GastMan muss vielleicht noch Folgendes schnell sagen, zur letzten Etappe, das ist ja eine kurze Etappe, die ist jeweils acht Kilometer circa, wird, ist eine sogenannte Solidaritäts-Etappe, und dass die Rangliste wird eigentlich erzeugt am Ende der Etappe zuvor, wo du noch in der Liste drin bist, ja, und du musst die letzte aber finischen, oder sonst bist du aus dem Klassement genommen, und die Tradition sagt es aber, dass man da eigentlich innerhalb der Gruppe, mit der man im Zelt zusammen war, entweder leichter joggend oder laufend, da über die Dünen dann läuft, das war mit diesen Dünen von Elbcebi, wunderschöne Gegend, ich weiß nicht, was es viel Schöneres geben kann auf der Welt, und das gibt dir aber auch die Möglichkeit, wirklich das nochmal ganz, ganz bewusst wahrzunehmen, oder, du gehst auch durch viele Dünen während des Laufes, aber bist natürlich zum Teil auch am Limit, ja, vom körperlichen, einfach vom ganzen Fokus, und dort, oder, also für mich, für mich war wirklich,
Gastwas ich am meisten mitgenommen habe, wie wenig braucht man, unglücklich zu sein im Leben, wie wenig braucht man, oder, und was macht eigentlich die Konsumgesellschaft mit uns, oder, weil, weil du hast, du bist dort unterwegs mit dem absoluten Minimum, oder du merkst, du merkst, oder, was Wasser bedeutet, ja, und, das ist schon das, was einem noch, ja, wenn ich auch die Gespräche nochmal, mich zurückbesinne, die wir untereinander hatten, oder, was war, wie hast du das erlebt, oder, dann ist so, das Thema Wasser ist omnipräsent, weil das begleitet dich, du musst sehr sorgsam damit umgehen, oder, und das Zweite ist wirklich, dass man vieles reduzieren kann, auf weniger, und vielleicht ist es sogar mehr, am einen oder anderen Ort,
Torsten J. Koertingund diese Botschaft, die du gerade auch formuliert hast, also, wie wenig braucht man, um glücklich zu sein, wie hat das dich im Kontext deiner Familie, eurer Lebensweise verändert, berührt, was hat es mit euch gemacht?
GastJa, ich habe natürlich durch meine Erzählungen versucht, dann meine Familie ein bisschen auch mitzunehmen, auf diese emotionalen Dinge, oder, aber ich glaube gerade zum Thema Wasser, oder, Umgang mit Wasser, ich habe dann irgendwer gesagt, es kann ja nicht sein, oder, das Wasser derart Mangelware ist, an vielen Orten, oder, und ich dusche am Morgen zu Hause, oder, und verbrauche das Zehnfache, oder, was eigentlich nötig ist, und, und, ja, es sind so kleine Dinge, oder, ich mache das wirklich jetzt konsequent, oder, ich, ich, ich stelle die Dusche gut an, stelle sie wieder ab, oder, dann, dann nehme ich die Seife, und dann stelle sie wieder an, und das ist ein, das ist ein Mikrobeitrag, weißt du, aber es, es geht ja da auch nicht um andere, sondern es geht um mich, oder, und, und ich, ich glaube, das Bewusstsein, dass eben vieles nicht selbstverständlich ist, überall, oder, das ist etwas, was ich, was ich immer wieder versuche, ja, auch im Gespräch, oder, das ergibt sich halt, ich habe jetzt nicht gerade ein konkretes Beispiel, oder, also, es kann im Geschäft sein, im Businessbereich, das kann am Familientisch sein, das kann im, sonst im sozialen, sozialen Umfeld, in einem Verein sein, oder, ob man einfach mal, ja, auch eine portierte, äh, Sicht einnehmen kann, oder, das sehe ich anders, oder, ja, ja, ja.
Torsten J. KoertingWir kommen gleich nochmal, Marcel, darauf zu sprechen, was, ähm, diese Erfahrung, nicht nur durch den Marathon des Sables, sondern auch durch, durch deine anderen, sehr herausfordernden, Ultraläufe, welchen Einfluss das hat, auf deine beratenden, Tätigkeiten im Rahmen der Teamentwicklung, bevor wir da hinkommen, wir haben es eben schon kurz angedeutet, so ein Marathon des Sables, oder ein UTMB, oder was auch immer, den, den läufst du nicht morgen, du entscheidest dich nicht heute, ähm, sowas, äh, zu machen, und bist morgen in der Lage, das umzusetzen, dazu gehört, ähm, das ganze Training, dazu gehört, ähm, fast schon eine Ernährungswissenschaft, ja, um dir das in den sieben Tagen, dem Körper zuzuführen, was er braucht, um, ähm, sich zum einen zu regenerieren, aber auch zum anderen, um wieder die Kraft zu finden, dann am nächsten Tag, äh, weiterzumachen, ähm, als auch das ganze Thema der Ausrüstung, ja, die ja auch keine unwesentliche Rolle spielt, du hast, ähm, von den, ähm, 7, äppes Kilo gesprochen, die du dann, ähm, schlussendlich bei dir auf dem Rücken hattest, und sicherlich zu einem derjenigen gehört hast, ähm, die da schon sehr, sehr viel optimiert haben, um überhaupt dahin zu kommen, wie war für dich, wie war für dich, ähm, dieser Vorbereitungsprozess, nach deinem Entscheid, ähm, in diese Richtung zu gehen, und, ähm, welche, welche Analogien, beziehungsweise, ähm, welche Erkenntnisse haben sich daraus entwickelt, beziehungsweise vielleicht nochmal viel stärker manifestiert?
GastAlso wir haben ja, wenn man es mal vergleicht, ich habe erwähnt, der erste Marathon des Abel hat im, 1986, 86 stattgefunden. Die Entwicklung in diesen, in diesen Jahren bis heute, in Bezug auf Ernährung, Kleidung, ich meine, ist natürlich, äh, immens, oder? Also du hast heute die Möglichkeit, also, ich meine, was ich mitgenommen habe, hat sich zum Großteil im Bereich von, von High-Tech-Food, äh, im Prinzip positioniert. also da haben andere vorgedacht, ja, als sie diese, diese Dinge entwickelt haben, ja, und, und, und trotzdem, oder, hat es natürlich, das war das Interessante, ich habe mich sehr intensiv damit befasst, ich habe plötzlich, plötzlich, oder, ich habe Tabellen, äh, erstellt, oder, wo ich geschaut habe, wie ist jetzt der Anteil Fett mit Kohlenhydraten, und was sagt man jetzt? Und, wäre es jetzt auch ohne das gegangen? Ich weiß, es ist ja am Ende, mir ist es derart gut gelaufen, dass ich manchmal fast ein schlechtes Gewissen habe, dass jemandem zu sagen, war es jetzt gerade deswegen, oder, oder hätte ich jetzt auch ein, einfach ein, ein paar getrocknete Bananen mitnehmen können, das wäre ja möglich gewesen, dass es auch gut gegangen wäre, Ich habe es nicht getan, weil ich gesagt habe,
ich, ich,
Gastüberall, wo ich, wo ich den Erfolg, die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen kann, tue ich das ja, die Ernährung war ein ganz wichtiger Punkt, und, ich habe mich aber in der Vorbereitung, oder, ich habe, ich ein paar Wochen vorher, habe ich wirklich diese, diese Dinge auch ausprobiert, ja, ich habe dann halt, oder, das, ja, ich bin noch ein, wirklich ein sehr, sehr, leidenschaftlicher Hobbykoch, oder, das hat mir manchmal fast das Herz gebrochen, ich kann mich auch schneiden, und einfach den Brei im Wasser rühre, genau, aber das Tricks schmeckt tatsächlich, das schmeckt,
Torsten J. Koertingleidenschaftlicher Koch,
Gastja, das schmeckt übrigens, wirklich auch hervorragend, oder, ich habe mir halt auch gesagt, der Magen muss sich auch darum gewöhnen, und so habe ich halt wirklich auch, zum Beispiel dieses Porridge mit Blueberries, oder, was ich als Frühstück auserkoren hatte, oder, habe ich dann, habe ich dann auch zu mir genommen, in der Schweiz, und habe dann halt ein langes Training, vier, fünf Stunden gemacht, weil ich sicher sein wollte, dass der Körper unter, oder vielleicht möglichst ähnlicher Belastung, oder, das verträgt, oder, und, es ist vielleicht noch, da gibt es eine Anekdote, oder, es gibt, kommen zu wenige Dinge, die ich, die ich ändern würde, oder, aber, aber das wäre, wäre ein Punkt, ich würde, ich habe nach dem vierten Tag, glaube ich, war es etwa, ich habe diese süße, süße Note, oder, von diesem Frühstück, die habe ich nicht mehr, die habe ich praktisch nicht mehr, getragen können, ich habe es dann runtergewürgt, ich würde irgendwie dann auf salzig umstellen, oder, und, und wenn du das, das habe ich jetzt, das war jetzt etwas, was ich nicht erahmt habe, weil ich nicht trainieren konnte, ja,
Gastund, und so lernt man halt auch sehr viel, oder, was vielleicht bei einem nächsten Mal einem wieder, wieder helfen könnte, ja, aber, ich habe sehr viel über, über gesunde Ernährung tatsächlich gelernt, habe auch sehr viel darüber gelesen, habe mich versucht, die letzten paar Wochen zuvor, wirklich nicht aufs Glatteis zu begeben, ja, und bei den Kleidern ist es ja ähnlich, da hast, das war noch ganz interessant übrigens, da habe ich am Anfang, meine erste Longlist quasi, oder, was ich so mitnehmen will, und was ich final gemacht habe, ist Folgendes passiert, ich habe irgendwann gesagt, weißt du was, oder jetzt, ich nehme jetzt diese Shorts mit, mit denen ich mich am wohlsten fühle, oder die ich immer habe, auch wenn sie 50 Gramm schwerer sind, habe ich dann gemacht, ja, und, das Gleiche habe ich auch, ich habe meine Sportuhr mitgenommen, obwohl es nicht nötig gewesen wäre, viele haben gesagt, du, diese 80 Gramm, oder wie viel, die spare ich mir, ich habe gesagt, das ist für mich irgendetwas, was ich am Arm habe, es gibt mir auch eine, ja, eine gewisse, einen gewissen Anker und Stabilität, ich weiß, mit dieser Ruhr, oder wenn ich sie anschaue, habe ich schon viele tolle Dinge erlebt, und erfolgreich abschließen können, ja, und bei gewissen Dingen, habe ich aber keine Kompromisse gemacht, bei den Kleidern,
oder,
Gastich meine, wäre, wäre ich jetzt drauf gekommen, zum Zeitpunkt der Anmeldung, dass ich zwei Paar Socken übereinander lege, das untere Paar zwingend, so quasi Zehensocken, oder, wo jetzt jeder Zeh umschlossen ist, ein zweites Paar Socken drüber, um wirklich sicher zu sein, dass da kein Sand reinkommt, aber auch, damit du einen Socken ausziehen kannst, falls der Fuß anschwirt, ist mir jetzt auch nicht passiert, und, ja, und die Schuhe, oder, die waren, ich schreibe das auch, habe ich zwei Nomengrössungen genommen, oder, wie nötig, das musst du auch trainieren, beim Laufen ist etwas ein anderes Laufen dann, oder, ja, du stoßt am einen oder anderen Stein an, wo du vielleicht, ja, weil du einfach, oder man ist ja eingeübt, oder, auf die Größe, die man trägt, normalerweise, ja, das sind halt die Dinge, da habe ich auch vertraut, auf Radschläge, und Leute, die mir das gesagt haben, ich bin ja nie mit zwei Socken früher ein Ultra gelaufen, ja, und, und,
Gastaber da lernt man auch wie sich eine Faser direkt auf der Haut fühlt, oder nachdem du wirklich, oder, sieben Tage lang das gleiche Shirt an hast, das ist ja, das ist ja, nicht jedes Funktionsshirt reagiert da gleich, ja, und ich habe da auch am Schluss mich auf etwas verlassen, was ich, wo ich einfach mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aussehe, gehen könnte, dass es auch bei mir klappen wird, ja.
Torsten J. KoertingJetzt klingt das so, dass du dich sehr akribisch vorbereitet hast, ja, du kommst aus der Beratung, Projektmanagement ist sicherlich ein wesentlicher Teil deiner Substanz, würdest du so einen Satz unterschreiben, Erfolg ist planbar?
Gastwo man so sagen, oder vielleicht, was man sagen kann, eine minutiöse Planung maximiert die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs, würde ich sagen, und du kannst ihn planen bis zu einem gewissen Grad, aber weisst du, wir haben ja, wir hatten sehr gebirgige Teile an gewissen Tagen durchschritten. Da gibt es auch Leute, die gestürzt sind, es gab Armbrüche, es gab auch Fußbrüche, Leute, die aussteigen mussten. Ich meine, vor dem bist du nicht gefährdet, jetzt kann ich sagen, okay, ich bin auch sehr trainiert im Gebirge und gewohnt im Gebirge zu laufen, die Wahrscheinlichkeit ist bei mir vielleicht nochmals kleiner, aber du kannst nicht ausschließen, es ist nicht null, ja, es ist nicht null. Und, aber ich habe einfach, ich sage alles, was ich geplant habe, was ich ausprobiert habe, da habe ich eine gewisse Sicherheit, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es klappen wird und ich kann meinen Fokus eher auf die Dinge richten, wo ich vielleicht aufpassen muss, dass das nicht eintritt,
Gastwo ich sage, wenn es eintritt, oder mit kleiner Wahrscheinlichkeit ist das Schadensausmaß groß oder kann sogar seine Aufgabe dich zwingen, ja.
Torsten J. KoertingGab es jetzt bei dir, du hast gesagt, also bis zu einem gewissen Maß kann man das kontrollieren, gab es bei dir auf dem Weg selber hin zur ersten Etappe Rückschläge, beziehungsweise auch während der sieben Tage Momente, wo du denkst, du hast eben gesagt, du bist am Limit auf einigen Etappen, wo du gesagt hast, ich weiß nicht, ob ich daran teilnehmen kann, beziehungsweise ich weiß nicht, ob ich es schaffe, mental durchzudrücken oder auch aus anderen Aspekten heraus.
GastAlso ich habe mir nach der Anmeldung, ich habe eigentlich noch nie eine Sportverletzung aus einem Lauf rausgehabt, oder aus einer Laufveranstaltung, aber ich bin ausgerutscht auf der Treppe zu Hause auf einer Zeitschrift und habe mir eine Sehne angerissen hinten am Oberschenkel, das war aber zum Glück über zehn Monate vor dem Start, aber ich habe dann auch im ersten Moment gedacht, oder was heißt jetzt das, oder das kann ja langwierig sein, war aber letztlich kein Problem, zumal ich ja im Training auch nicht, du machst ja eigentlich, also Intervalltrainings sind ja nicht die Kerndisziplinen, um sich auf sowas vorzubereiten, sondern du bist eher langsam und lang unterwegs, ja. Das war ein Moment, wo ich einfach auch ein bisschen gehofft und gebetet fast habe, oder dass das möglichst gut kommt. Im Lauf selbst, oder ich habe einen unglaublichen Respekt vor dieser langen Etappe gehabt, die war 86,5 Kilometer bei uns, da bist du eigentlich im Prinzip den ganzen Tag und eine Nacht, zwei Drittel danach bei mir unterwegs, war sehr heiß zu teilen. Das war der einzige Tag, wo ich wirklich in der heißesten Zeit, ja, durch die gesamte heißeste Phase des Tages unterwegs war. Und ich habe dann tatsächlich nach etwa, ja, sechs, sieben Stunden, habe ich wirklich, ich glaube, jetzt wird es wirklich heiß, oder, und dann habe ich mich entschieden, bin dann wirklich zwei bis fast drei Stunden, und dann bin ich einfach schnell marschiert. Das macht nicht mal so viel aus, ist erstaunlich auf die Endzeit, aber ich habe dort ganz bewusst Risiko rausgenommen. Und ich wollte ja ein Overpacing vermeiden, oder, weil die meisten Ausfälle gab es in der Tat in diesem Tag. Oder dann kriegst du eine Infusion, wenn irgendwas ist, oder? Ich meine, das ganze System kann relativ schnell kippen, oder?
GastUnd da musst du auf den Körper hören, und das habe ich getan. Ich habe mir das Gefühl gehabt, jetzt spüre ich die Hitze, habe da ein Risiko rausgenommen, was Tempo war in meiner Situation, oder? Und dann habe ich so das gut über die Runden gebracht. Und ansonsten hatte ich eigentlich jetzt nie, das war nicht ein kritischer Moment, ich habe einfach, einfach, das habe ich auch so geplant, dass ich das so tun werde, oder? Und das Tümmste ist, wenn du bei der langen Etappe rausfällst, oder weil du unvorsichtig bist, weil danach ist eigentlich der letzte Tag, ist ein Marathon noch, da ist Zugabe, und die Solidaritätsetappe ist jetzt nicht ein sportlicher Challenge, oder? Also, warum riskiert man so etwas, oder wegen ein paar Minuten oder einer Stunde Gesamtzeit am Ende, oder? Das mag ein Siegläufer anders sehen, oder der Ambition hat aufs Podest, oder auf den Gesamtsieg, oder? Das ist dann aber eine andere Situation, ja. Aber das war eigentlich der einzige Moment, aber das war nicht kritisch, das war einfach ein Moment, wo ich reagieren musste, oder?
Torsten J. KoertingUnd damit auch eine gewisse Achtsamkeit auf dich, auf die Umgebung gelegt hast, um dann zu überprüfen, was für eine Entscheidung darf ich daraus ableiten, um das Risiko, du hast gesagt, das über Patients zu minimieren. Gab es in dem ganzen Vorbereitungs- und in dem eigentlichen Lauf für dich einen Moment, wo du gesagt hast, ich höre auf?
GastNein.
Torsten J. KoertingWas hat dich motiviert durchzudrücken, durchzuhalten bis zur Ziellinie und natürlich auch bis zum heutigen Tag?
GastJa, weißt du, das war eigentlich, eigentlich war das, also das Beste Résistance ist diese lange Etappe und die anderen Tage sind eigentlich überschaubar. Ja, es ist mehr der Punkt, am nächsten Tag wieder auf den Beinen zu sein und wieder 40 Kilometer zu laufen oder wieder 35. Aber, was natürlich anders ist wie im Alltag, oder? Du machst ja sonst nicht den ganzen Tag, oder? Oder wenn ich normalerweise, oder, einen vollen Arbeitstag habe und da machst du sonst noch das eine oder andere, oder? Da bist du natürlich, da verbrauchst du auch eine, ja? Und da hast du wirklich nebst ein paar Stunden laufen, hast du Zeit für dich, also die Erholungskomponente, die ist relativ stark ausgeprägt und wenn man noch den Schlaf findet, wenn man auch noch mal zwei, dreimal ein Powernap einstreuen kann und das, ja, gewohnt ist und geübt ist, dann erholt sich der Körper sehr, sehr gut, oder? Wenn man sich nicht verletzt und das habe ich nicht, ja? Und von dem her war eigentlich jeder Morgen, das war immer ein Highlight, ja? Und ich habe auch interessanterweise so Muskelkater oder Schmerzen, das habe ich nie gehabt, oder? Das war vermutlich auch ein bisschen induziert, die Endorphine, oder das, die Glücksgefühle unterdrücken das auch, das weiß man ja, oder?
GastUnd von dem her habe ich eigentlich ans Aufgeben habe ich nie gedacht, ich glaube aber auch, die Zeltgemeinschaft oder die ganze Community funktioniert so, dass, wenn du eine Krisensituation hättest, das zieht dich mit, wenn du nicht, ich sage immer, wenn du was, wenn du einen mechanischen Defekt hast, zu irgendeinen Zähnbruch oder Fußbruch, Blutvergiftung oder irgend so was, dann entscheiden die Ärzte, ja? Aber einfach nur, weil du müde bist, oder habe ich, ja, jetzt im alten Jahr, die Maschine läuft noch nicht so, wie sie es wollte, ich glaube, das ist kein Grund, da hat man auch zu viel vorbereitet, und ich glaube, das weiß irgendwie der Kopf auch, ja? Der lässt das gar nicht zu, habe ich den Eindruck gehabt.
Torsten J. KoertingJetzt ist ja mit dem Durchlaufen der Ziellinie damals 2017 zumindest dieser Abschnitt der Reise zu Ende gegangen oder hat auch erst angefangen. Was ist in den Monaten danach passiert, was dann auch zu dem zweijährigen Prozess des Schreibens des Buches geführt hat, was ja jetzt nicht ein Ziel gewesen ist, was Teil der Reise war, sondern viel später oder einige Monate später erst passiert ist. Was ist passiert, als du dann zu Hause warst und durch die Wochen und Monate danach, Marcel?
GastJa, es war natürlich zwangsweise so, dass alle Leute, die gewusst haben, dass ich das getan habe, ich habe das übrigens gar nicht breit gestreut gehabt, weil ich mich, ich wollte mich auch nicht zu stark selbst unter Druck setzen, oder es hatten die Leute gewusst, in meinem engen Freundeskreis, die Familie natürlich, und die haben euch dann gefragt und da habe ich begonnen, diese Geschichten zu erzählen und dann habe ich den ersten Vortrag mal gehabt, dann den zweiten Vortrag und dann haben immer mehr Leute gesagt, das hast du mal überlegt, ein Buch zu schreiben, dann habe ich gesagt, dann habe ich doch auf, soll ich ein Buch schreiben, oder, und so, das ist doch, und dann irgendwann, irgendwann wurde das, auch zum Projekt, habe ich gesagt, jetzt beginne ich einfach mal, niederzuschreiben, was ich so erlebt habe, und dann habe ich mal einfach, das weiß ich noch, habe so 30, 40 Seiten, sagen wir mal, geschrieben, so verschiedene Momente dieser Woche, habe ich das einfach mal ruhen lassen, eine Zeit lang, und irgendwann habe ich den Entschluss gefasst, jetzt das will ich tun, oder, ja, ich habe, ich, ich habe dann, so die Gedanken waren, wieso soll ich jetzt ein Buch schreiben, da gibt es andere, die mehr berufen sind, ein Buch über, über solche Läufe zu schreiben, oder, ich war ja nicht mal unter den Top 5, oder, und dann, deswegen habe ich das Buch auch ganz anders aufgesetzt, ja, so ja mehr, es heißt ja auch, A Diary from the Desert and Beyond, ich wollte ganz bewusst nicht erzählen, oder wie man so ein Läufe noch schneller absolvieren kann, aber auch vielleicht den Interessierten mitgeben, dass das eben möglich ist für, für, für viele, oder, und, und, ja, dass es eben auch möglich ist, als Teil eines Lebens, oder wo man vielleicht sonst auch noch gewisse Dinge schon tut, und die Zeit nicht, nicht einfach auf Vorrat vorhanden ist, ja,
Gastund, ja, dann habe ich begonnen zu schreiben, und habe mich dann entschieden, das war auch ein Bewusstsein, dass ich das auf Englisch tun möchte, weil, ich gesagt habe, oder wenn man dann das auf Deutsch macht, dass es wird einfach, der Adressatenkreis wird halt noch kleiner, ja, und ich wollte, und ich wollte, dass trotzdem halt die Möglichkeit bietet, dieses Buch, äh, interessierten Läufen, von wo immer sie kommen, eben das zu lesen und etwas für sich selbst mitzunehmen, und dann habe ich begonnen zu schreiben, das war irgend, das, äh, Kickoff war irgendwann,
äh,
Gastirgendwann im Spätsommer 2017, oder, ja, und dann ist es wirklich von der Zeitachse, oder habe ich das am Anfang, da war ich viel so optimistisch, oder, aber ich habe einfach auch gelernt, wenn man den Qualitätsanspruch auch dort anwenden möchte, den man sonst anwendet, dann, dann musst du einfach, musst du dir einfach Zeit geben, und manchmal geht einfach ein Monat gar nichts, oder, weil einfach vielleicht du den Kopf nicht frei hast, oder, und, und, ja, da war das ein ganz, ganz spannendes Projekt, auch für mich nochmal, oder, ich habe mir dann wirklich sehr viele Dinge nochmal,
nochmal,
Gasthabe ich reflektiert, oder,
oder,
Torsten J. KoertingDu sagst, es war nochmal ein ganz spannender Prozess, meine nächste Frage würde dahin zielen, was, dieses Buch ist ja mitunter auch entstanden durch einen Trigger, du beschreibst das in dem Buch, dass deine Freunde dein Umfeld reflektiert haben, Mensch, das sind so krasse Geschichten, die du erzählst, und aus den Geschichten heraus sicherlich auch die eine oder andere Botschaft in die Welt, wenn wir das mal so sagen dürfen, was hat dieser Schreibung, Schreibprozess mit dir gemacht, welche Erkenntnisse sind noch hochgekommen, welche Botschaften, die durch das Buch natürlich auch dann an die Leser vermittelt werden, aber auch speziell durch den Schreibprozess bei dir nochmal so ein paar Verbindungen haben hochkommen lassen, nimm uns da mal, gib uns mal zwei, drei so dieser Schlüsselerkenntnisse, die dadurch noch zusätzlich entstanden sind.
GastVielleicht zwei, zwei ganz wesentliche Punkte, der eine, dass es einfach nicht selbstverständlich ist, dass man überhaupt so etwas tun kann und darf, oder, ja, und dass man es noch erfolgreich tun darf, am Ende, ja, ich sage, das ist ein ganz großes Privileg, und das ist für mich, ich war da auch wirklich von einer Dankbarkeit erfüllt, ist einfach nicht selbstverständlich, ist ein Riesengeschenk gewesen für mich, oder? und das Zweite, einfach diese Zeitreise nochmal von der Idee, ich meine, ich kann mir vorstellen, als ich mich angemeldet habe, oder, ich habe mir eine Frau angeschaut und habe gesagt, was hast du mir da eingebrockt, du hast die Idee gehabt, ich habe dann so als, ja, das war so ein Bonmot, oder, in meinen Vorträgen, also meine Frau hat mich quasi in die Wüste geschickt, aber ich habe mir am Anfang wirklich, ich habe mir das, ich habe nicht gesehen, wie das funktionieren kann und soll, und, und, als ich geschrieben habe, oder, habe ich genau das nochmal durchlebt, oder, also der Moment, ich habe mich ja zurückversetzt, oder, und wie man durch Planung auch die Grenzen verschieben kann, wie der Kopf beginnt auch, auch das einzuverleiben, ja, einzuverleiben, ja, also das am Ende gewinnst du eine Sicherheit, dass es möglich ist, die nimmt immer mehr zu, oder, habe ich dann einen Coach ja genommen, erstmals in meiner, in meiner ganzen Läuferkarriere, weil ich einfach auch da gesagt habe, ich will das tun, wir waren auch von dem Bissen, war auch ein bisschen, ja, ein höheres Commitment kam damit, oder, du möchtest dich auch nicht blamieren von deinem Coach und einfach mal eine Woche nichts tun, oder, also, mir hat das einfach nochmal geholfen, die sportliche Seite und diese ganze Reise nochmal nachzuzeichnen, wie die sich Sicherheit zugenommen hat,
Gastbis hin zur Anreise ein paar Tage früher in Wassersatt, um das Klima mal einzusaugen und mal zu spüren auf zwei Trainingsläufen, was das bedeutet, ja, und, und, und dann wirklich mit dem guten, mit dem Gefühl und die Startlinie eigentlich nur, dass, dass, ja, irgendein Zufall kam ich noch jetzt, jetzt irgendwie daran hin, um das zu finishen oder irgendwas, was passiert, was halt, was halt dann passieren muss, weil es vorgezeichnet ist, vielleicht sogar, also diese, das war nochmal, der, für mich sehr eindrücklich, ja.
Torsten J. Koertingund für alle, die da mal eintauchen wollen, wir werden das verlinken auf Amazon, sowohl als Kindle als auch als gedrucktes Buch Running the Sahara von Marcel Nickler mit übrigens ganz wunderbaren Scribbles. Wie sind die entstanden in dem Buch, Marcel?
GastAlso, du meinst die Grafiken, die, genau, ja. Ja, ich habe einen guten, guten Freund, der ist der Grafiker, sehr unbekannter Grafiker da in der Schweiz, wo ich wohne in Basel und, und, ich war für mich auch noch ein ganz tolles Moment, als er dazu gesagt hat, dass er da mitmacht, oder, weil das gibt nochmal eine emotionale Verbindung des Buses, er hat auch das Cover gestaltet übrigens. Ja, ich, ja, habe mir da selbst eine Freude bereitet mit dem und ich glaube, ihm auch, ja, hat auch sehr große Freude daran.
Torsten J. KoertingJa, und ich glaube, was ihm ganz wunderbar gelungen ist, ist diesen Orientationen, orientalischen Stil und auch die orientalische Emotion in dieses Scribbles oder in die Zeichnungen mit zu überführen und uns damit mit auch auf diese Reise der unterschiedlichen Etappen, die du ja auch nachzeichnest in dem Buch, wiedergeben zu können. Wenn wir jetzt mal drauf schauen, wie sich das in deinen beruflichen Alltag einbettet, ja, auf deinem LinkedIn-Profil ist zu lesen, dass du viel Zeit auch in die Befähigung und Entwicklung von Menschen und Teams legt, wie hat die Erfahrung des Ultralaufens und der wirklich sehr intensiven sportlichen Herausforderungen, die du durchlebt hast, sowohl am Event selber als auch jeweils die Vorbereitung dazu. Das Einbetten in dein persönliches Leben, du hast sehr auch emotional über deine Familie gesprochen, ihr seid 34 Jahre mittlerweile verheiratet, auch, kann man schon fast sagen, auch eine Seltenheit in Zeiten wie diesen, ja, du hast deine Töchter groß wachsen sehen, die jetzt beide auch nicht mehr zu Hause sind, und das, wie sich das so einbettet in diese gesamte Gemengelage und wie es die Botschaften als auch das Wirken mit Menschen und Teams von dir beeinflusst hat.
GastAlso Ultralauf ist ja mal per se kein Teamsport, oder das ist, das ist, du bist eigentlich sehr auf dich alleine auch angewiesen am Ende, und trotzdem, trotzdem ist etwas, was ich am meisten schätze an dieser Sportart, ist diese ganze Gemeinschaft der Leute, die dort, also ich, ich habe so viele Leute kennengelernt, oder fast alle, die ich näher kenne, die haben einfach, ja, die sprechen über das Leben in einer gewissen ähnlichen Sprache, oder die machen das, die machen das, viele haben die Zeit auch gar nicht das zu tun, sie machen es trotzdem, oder, weil sie sagen, das gibt mir was zurück, es gibt Leute, die vom Leistungssport umgestiegen sind, die das machen, oder genau aus diesem Aspekt, weil sie sagen, ich habe Übers Ultra laufen zu meiner inneren Ruhe gefunden, oder, und was es mir gegeben hat, jetzt, in meiner Arbeit mit den Teams, also halt einfach, das Aufgeben war für mich nie ein Thema, also auch nicht in einer Projektsituation, ich war ja sehr lange jetzt aktiv in der Beratung tätig, am Anfang steht immer der Gewinn eines Projektes, oder, und ich habe immer gesagt, auch in meiner frühen Berufsphase, bevor die Tinte nicht trocken ist, oder, ist nichts entschieden, wir kämpfen bis zum Schluss, immer wieder, immer wieder Situationen habe ich erlebt, wo tatsächlich am Ende das noch gut gekommen ist, und ich sage, ich habe noch keinen Ultralauf ganz langen erlebt, ob das jetzt UTMB, Alkohol, Ultra Trail,
oder,
Gastwo du einfach ohne Probleme durchkommst über so lange Zeit, und es gibt immer wieder einen Weg, oder der weitergeht, oder, und man lernt immer wieder was daraus fürs nächste Mal, also dieses ja fast bedingungslose Festhalten oder Glauben der bedingungslose Glaube an ein positives Ende, ich glaube, das ist etwas, was mich auch als Person stark verkörpert, wenn ich vermutlich Leute, die mit mir zusammengearbeitet haben, fragen würde, oder, ich glaube, dass man über das auch eine Kraft entwickeln kann, oder, und auch mit Analogien arbeiten kann, oder, und ich versuche auch, habe immer wieder versucht, eben auch, gerade wenn es um Befähigung von Teams geht, eben diese, diese Mentalität drüber zu bringen, oder, es ist ein, ein Großprojekt über, über lange Zeit, das hat Höhen und Tiefen, und du kannst dir nicht alles aussuchen, und, aber es gibt immer, immer quasi einen, einen Second Gain aus einer, aus einer schwierigen Situation, also einen zweiten Gewinn, oder, den man vielleicht nicht mal so oder, und,
ja,
Gastvielleicht haben wir auch dieses, dieses, das Laufen als Ganzes auch ein Teil der Resilienz gegeben, die es eben braucht, oder, wenn du, wenn du alles unter einen Hut bringen willst, oder, aber auch das ist ja planbar, oder, ja, wieso soll ich einen Lauftermin über Mittag nicht gleich planen, wie ein Mittagessen mit einem Mitarbeiter oder einem Kunden, ja, wenn es man halt trotzdem nicht geht, dann geht es halt nicht, aber in vielen Fällen geht es eben, oder, ja.
Torsten J. KoertingDa ist so viel Gold gerade drin, was du sagst, so viele, gar nicht mal auch versteckte Botschaften, sondern offensichtliche Botschaften, wo ich in ein, zwei gerne mit dir nochmal reinschauen würde, du hast gerade gesagt, dieser bedingungslose Glaube, an das Ergebnis, wie, wie wichtig ist dieser Glaube, diese, Martin Frey würde sagen, diese Absolute Certainty im Umfeld Außergewöhnliches, ob als Team oder Einzelperson zu erreichen?
GastIch glaube, das ist, ist, ist sehr, sehr entscheidend, also ich meine, klar gibt es immer auch Handwerk, das vorhanden sein muss, du kannst ein Projekt an die Wand fahren, weil handwerkliche Fehler gemacht werden oder bis selbst dann ist ja nicht alles verloren, da gibt es eine Situation, mit der kann man umgehen, ja, und ich glaube, das ist entscheidend, nochmal, ich habe noch nie ein grösseres Projekt erlebt oder was einfach reibungslos von Zeitpunkt A zum Zeitpunkt B durchläuft und die Fähigkeit in schwierigen Situationen auch, ja, den Weg zu finden, den Weg zu definieren, wie man quasi aus dieser Situation wieder rauskommt, oder, ist eigentlich etwas, was man, ja, gerade jetzt in diesem Sport, den ich betreibe, laufen tut, oder, du triffst Situationen, das kann ein Gewitter sein, oder, oder, es kann eine leichte Verletzung sein, wenn es eine schwere ist, oder, dann musst du vielleicht wirklich das Projekt abbrechen, jetzt im Sport, oder, und, und ich glaube, ich glaube, da kann man sehr viel, ist nie 100%, ja, aber du kannst die Erfolgschancen enorm maximieren, oder, mit diesem Glauben, oder, dass das so, weil die Leute stahlen, dass sie auch aus, oder, du hast ja auch immer, immer, du bist ja Teil eines Ecosystems, wenn du ein Projekt realisierst, oder,
Gastda sind zum Teil andere Firmen mit involviert, es ist ein Kunde in der Regel involviert, oder, und das ist ja auch, das sind ja auch alles Menschen, oder, und ich glaube, dass man mit einer Einstellung, oder, mit der Überzeugung, oder, dass das eben, eben am Ende klappen wird, oder, dass es aber ein steiniger Weg sein kann, oder, dass das sehr viel bewegen kann, unterscheidet ja auch im Sport die ganz erfolgreichen Fussballtrainer zum Beispiel von den weniger erfolgreichen, ja, mit den gleichen Spielern zum Teil, ja.
Torsten J. KoertingJa, glaube ich, es ist wieder gerade spannend zu erleben in der einen oder anderen Liga, ohne jetzt im Detail darauf einzugehen, aber ich glaube, Herr Tuchel hat gerade eine Siegesserie in Chelsea und hatte die, glaube ich, auch in Paris und zeigt, genauso wie Jürgen Klopp, das ist da durchaus, genau da die Wahrheit vergraben ist, wo du sie gerade, wie du sie gerade skizzierst. Wenn wir dieser bedingungslose Glaube an den Erfolg, jetzt würde der eine oder der andere da draußen vielleicht sagen, das braucht irgendwie noch eine intrinsische Motivation, irgendetwas, John Strzelecki würde vielleicht sagen, Zweck der Existenz, Simon Sinek würde sagen, das Warum, was dahinter steht, was war dein Antrieb, der überhaupt auch diesen Einfluss hatte auf diesen bedingungslosen Glauben an den Erfolg?
GastJetzt generell gesprochen oder jetzt sportlich, also generell gesprochen. Also ich glaube schon, du hast es gerade erwähnt, also der Purpose, oder was tue ich eigentlich und warum tue ich das und was bewirkt es am Ende? Ja, das glaube ich ist entscheidend, oder und wenn man in der Beratung tätig ist, als Beispiel tut man ja Dinge und man hilft Organisationen etwas zu tun oder besser zu tun, was wieder denen ihren Purpose eigentlich füttert, aber eigentlich ist das dann auch der Purpose oder den du deinem eigenen Wirken unterlegen kannst. Das kann Schaffen von Arbeitsplätzen sein, das kann Entwicklung von neuen Produkten sein, das kann Reduktion von CO2 sein oder x was, ja, gibt ja den ganzen Blumenstrauß von möglichen Projekten, die man da umsetzen kann. ich glaube, der Purpose oder ist für mich ganz, ganz wichtig oder das war für mich Teil des intrinsischen Antriebs, übrigens auch in der Wüste, ich habe das unterlegt mit einer quasi Wohltätigkeitskomponente, also mit einer Charity-Kampagne für ein Hilfswerk, ein internationales, weil ich gesagt habe, wenn ich nur ein paar Mal daran denke in der Wüste, was ich getan habe, vielleicht auch in schwierigen Momenten, dann wird mir das helfen, eben durchzuhalten, das war auch so, ja.
GastAlso, der Purpose ist für mich, ja, und das ist nicht das Geld oder der Purpose, sondern das Geld ist das Resultat, oder?
Torsten J. KoertingGlaubst du, dass dieser Purpose, diese innere Antrieb etwas ist, was in Organisationen und auch bei den Teams, mit denen du arbeitest und gearbeitet hast, zunehmend mehr eine Rolle spielt oder ist es etwas, wo sich Leistungsantrieb aus reinen Zahlen, Daten, Fakten, Gewinn, Mitarbeiter irgendwie in Lohn und Brot, weg von der Bench und so, dass das immer noch die alten Muster sind oder siehst du da eine Entwicklung?
GastIch glaube, es gibt einen klaren Trend, dass die jungen Generationen jetzt, die Millennials vor allem auch, die legen starken Wert auf den Purpose, oder? Und zwar hier und jetzt, bezüglich der Dinge, die sie jetzt tun und die sind auch bereit zu reagieren oder ich sage immer auch, all diejenigen, die das Privileg haben, reagieren zu können, ja, zu reagieren, wenn das nicht mehr passt für sie und da hat sich einiges gewandelt oder da hat, da wird auch viel mehr hinterfragt, heute Sinnhaftigkeit und, und, und, oder? Ich finde, das aber immer sind sehr gute Diskussionen und ich investiere ja heute auch einen Teil meiner Zeit mit sehr jungen Leuten, ja, ich begleite ja auch Startups als Coach und Mentor oder wo ich das jetzt wirklich eins zu eins so spüre, oder? Also Großteil der neu gegründeten Firmen heute sogenannte Startups oder die haben einen klaren Purpose unterlegt, oder? Die werden ja auch so eingruppiert in verschiedene Kategorien,
ja.
GastEs kann Social Impact sein, oder? Das kann Nachhaltigkeit sein, das kann, ja. Das ist etwas, was ich übrigens sehr, sehr gut finde, ja. Ist aber auch so, dass wir uns das auch auf vielen Teilen dieser Welt, aber leider immer noch nicht in allen Erdteilen flächendeckend so heute leisten können, das so zu tun. Es gab Zeiten, da mussten die Leute halt einfach schauen, dass sie Geld verdienen konnten und das dreht sich um Arbeit und Kapital alles und heute zum Privileg, dass man über Purpose diskutieren darf und auch soll.
Torsten J. KoertingUnd ich glaube, da kannst du einen grandiosen Beitrag leisten, lieber Marcel, Menschen darauf zu sensibilisieren, ob die Teams, die Menschen, die Startups, die du begleitest. Reinhold Messner hat mal gesagt, er ist jetzt in der siebten Phase oder vielleicht sogar mittlerweile in der achten Phase seines Lebens. Jede Phase war von, damals hat das noch nicht so genannt, aber von einem Purpose, von einem Warum, von einer Berufung unterlegt, ob das die 14 Achttausender gewesen sind oder die Eiswüsten und die Sandwüsten, die er ja durchschritten hat oder auch Messner Mountain Museum, die sieben beziehungsweise sechs Museen an ganz außergewöhnlichen Orten in den Alpen, wo die Geschichte des Alpinismus nacherzählt wird oder jetzt im Kontext der Nachhaltigkeit, die er ja auch in seinem Schloss in Südtirol gelebt hat, am Südhang. Auf den Menschen Marcel Nickler geschaut, du hast gerade auch eingangs gesagt, dass du dich aus dem operativen Geschäft schon zurückgezogen hast, beziehungsweise weiter zurückziehst, du dich wieder für einen Lauf eingeschrieben hast dieses Jahr. Was wird die nächste Phase deines Lebens, lieber Marcel?
GastIch habe mir eigentlich fest vorgenommen, dass ich möglichst viel meiner Zeit die nächsten Jahre darauf verwenden will, mein Wissen, meine Erfahrung einzubringen an Orten, wo wirklich was bewegt werden kann, so in einer Mischung oder ich habe im Moment arbeite ich nach wie vor an verschiedenen Orten, ich lebe ja in der Schweiz oder bin ich als Verwaltungsrat tätig, ich mache aber auch einen Teil meiner Zeit widme ich pro Bono Aktivitäten, was ich ganz wichtig finde, wo man wirklich dann auch einen Impact erzeugen kann, helfen kann an Orten vielleicht auch, wo die staatlichen Institutionen nicht helfen können oder und ich investiere auch einige Zeit mit jungen Leuten zusammen oder wenn ich sage, das sind die Leute, die diese Welt prägen werden und müssen oder in Zukunft und ich glaube, es gibt wenig Spannenderes im Moment auch, um wirklich mit solchen Startups oder jungen Teams zusammen zu arbeiten oder und auch man lernt auch viel von diesen Leuten da kann man alles gut finden oder nicht alles gut finden ich höre sehr gut zu und ich lerne sehr viel auch in diesem Bereich und ich versuche auch dort eben das einzubringen was mir immer wichtig war das Vorleben von Werten oder ich glaube unsere Gesellschaft tut gut daran sich noch lange oder hoffentlich immer bewusst zu sein dass Werte im Leben eigentlich das höchste Gut sind Vertrauen und wenn du Vertrauen zerstörst oder du brauchst sehr sehr lange wenn es überhaupt möglich ist oder dass du das wiederherstellen kannst oder versuche eben das auch einzubringen von Beginn weg oder wenn solche jungen Leute ins Berufsleben einsteigen und
Torsten J. Koertingich glaube ein ganz wunderbares Ziel und Möglichkeit die du schaffst also Ziel für dich selbst als auch für alle Menschen die sich in deinem Umfeld bewegen dürfen und die du dort mit einbinden kannst als auch ganz wunderbar jetzt Menschen etwas zurückzugeben so wie du damals vielleicht auch vor 30 40 Jahren am Anbeginn deiner Karriere ob jetzt läuferisch oder auch im reinen beruflichen Kontext auf Mentoren und Coaches du hast es immer wieder erwähnt zurückgreifen zu können wo du von deren Wissen und deren Erfahrungen lernen konntest um das Ganze so ein bisschen schon abzurunden oder abzubinden Marcel was hat das letzte Jahr wir sind jetzt ein Jahr in Corona ein Jahr Lockdown ich glaube auch die Schweiz du wohnst in Basel hat da seine Höhen und Tiefen erlebt was hat das für jemand für den Menschen für den Begegnungen für die Gemeinschaft sowohl in läuferischen Events als auch in dem wie du beruflich als auch deinen familiären Kontext reflektiert was hat das letzte Jahr mit dir gemacht wie hat es dich verändert
Gastgrundsätzlich ist es ja schon so dass der soziale Kontakt nicht ersetzt wird durch Begegnungen im virtuellen Raum das ist einfach so insofern war es für alle eine schwierige Zeit wenn ich jetzt mal schaue mein Vater meine Schwiegereltern die schon älter sind oder einfach über längere Zeit halt die nicht besuchen konnten wollten es gab es gab es wäre ja zum Teil rein rechtlich möglich gewesen noch von den Richtlinien her aber man will ja sich auch schützen gegenseitig oder das ist das ist so noch das war schwierig oder ich vielleicht sogar das schwierigste Eck dass man die Familie nicht als Ganzes zusammenbringen konnte zumal jedes Jahr also mein Vater wird jetzt 89 in diesem Jahr es geht ihm nach wie vor gut sehr gut für sein Alter und ja und man weiß ja nie wie viele Geburtstage kann man noch im Gesamtfamilien im Verbund feiern oder und jetzt ist es ja eigentlich fast zweimal oder klingt das eben nicht und und das ist sicher mal schwierig geschäftlich sag ich jetzt mal das war ja beeindruckend wie schnell die Firmen dann auch gelernt haben in dieser Situation zu leben oder ich glaube das schwierigste war für für für jüngere Leute also junge Familien mit kleinen Kindern zu Hause die dann noch quasi einen Lehrplan zugeschickt bekommen haben oder die Kinder unterrichten mussten bei denen einen Job haben und und und und da kenne ich einige Beispiele von die an die Grenzen geführt wurden ja und aber im Berufsleben oder jetzt gerade in den Branchen wo ich tätig bin da hat da hat man weitergearbeitet ja ja die Restaurants Hotels Tourismus Branche die tun mir extrem leid hat auch einige Freunde die in diesem Bereich tätig sind das ist dramatisch oder und ich hoffe sehr oder dass das bald wieder alles möglich sein wird ja aber am Ende auch hier ich sage man kann klagen oder man kann versuchen das Beste zu machen auch in einer solchen Situation halt wenn man sich zu fünf treffen darf oder zu viert aber nicht mehr wie zwei Familien zusammenkommen sollten oder dann kann man das trotzdem machen und man kann weiter auseinandersetzen also man muss das nicht auf null wahren und das ja ich sage mal ich habe immer versucht auch das Positive dort rauszunehmen durfte meinen Sport zumindest als als Einzelläufer immer rausüben oder ist auch nicht in jedem Land möglich gewesen ja es gab Länder da war das nicht mehr möglich ja und von dem her insofern ja war es eine ganz spezielle Zeit ja und ich hoffe einfach dass dass das irgendwann wieder geordnete Bahn gehen wird und nicht ein stetiger Begleiter sein wird solche Pandemien über die nächsten vielen Jahre das hoffe ich ja ja
Torsten J. Koertingund das was unsere Spezies ja auszeichnet gegenüber all denen die hier schon auf diesem Planeten wohnen durften dass wir in der Lage sind uns sehr schnell anzupassen ja und wie du sagst nicht nur die Firmen die ja ohne Menschen nicht sind sondern Firmen bestehen ja aus Menschen genau diese Anpassungsfähigkeit das gut ist was wir uns immer wieder ermöglichen können und zeigen können und auch eben wie du sagst nichts ist selbstverständlich es ist ein Privileg viele Läufer Veranstaltungen wurden abgesagt viele Begegnungen haben nicht stattgefunden und es ist ein Privileg in der Welt zu wohnen in der wir sind und da auch das Beste draus zu machen und ich bin sicher du wirst nicht so wie Florian Neuschwandner oder Jan Frodeno letzterer hat ja seinen Triathlon in Spanien in seinem Haus gemacht ja in seinem Pool und auf der Rolle und auf dem Laufband Florian Neuschwandner ran
Gast100 Kilometer 100 Kilometer auf dem Laufband
Torsten J. Koertingich glaube 626 oder 623 auf dem Laufband zu Hause hat ja so ein ergonomisches orthopädisches Laufband ja so ein ganz hoch ich glaube 10.000 Euro das Stück ja der dann bei geöffneten Fenster fast aus dem Fenster rausläuft auf dem Laufband werden wir dich auch in den nächsten Monaten so wie in den letzten Monaten sicherlich auch in den Alpen sehen für diejenigen die da umtriebig sind wo du dann trainierst für die Events die dann im September stattfinden Marcel erstmal vielen Dank schon mal bis dahin vielen Dank für diese Einblicke sowohl in den Marathon de Sable in den Vorbereitungsprozess in dein Leben und die Erkenntnisse und Botschaften die du da rausgezogen hast Marcel wenn jemand mit dir in Kontakt treten möchte und sagt das hat mich inspiriert und möchte vielleicht auch mal anfühlen oder zugreifen vielleicht auf den ein oder anderen Rat ob jetzt im läuferischen Kontext im unternehmerischen oder einfach im Kontext des Lebens wo kann man mit dir in Kontakt treten und wie ist da die beste Möglichkeit Marcel
Gastich denke am besten ist über über die E-Mail Adresse die ich auch in meinem Buch dort hinterlegt habe marcel at running desahara dot net oder halt über die gängigen sozialen Medien über LinkedIn verbinden das ist auch kein Problem ja
Torsten J. Koertinggroßartig dann schreiben wir die E-Mail Adresse auch in die Shownotes dass das da rüber kanalisiert ist und verlinke vielleicht auch dein LinkedIn Profil Marcel es ist üblich dass gerade auch speziell nach so einem so wunderbaren und auch sehr emotionalen und tiefgehenden Interview gehört das letzte Wort dem Gast und zwar nicht an mich gerichtet sondern an die Menschen die diesen Podcast hören dürfen und hören können was ist deine Botschaft an die Welt was ist deine Botschaft an die Zuhörerinnen und Zuhörer des Umsetzungsgiganten Podcast lieber Marcel
Gastja die Botschaft ist bleibt positiv was immer droht als Negatives auf euch einzuwirken setzt euch Ziele im Leben auch wenn die wenn die auf den ersten Moment schwer erreichbar aussehen aber das das gibt den Antrieb das gibt kann auch ein Purpose geben für das was man tut und und lasst euch überraschen zu was der Mensch fähig ist oder und freut euch auf die Gefühle die eintreten wenn ihr solche Ziele erreicht aber setzt euch Ziele und bleibt positiv auf die Gefühle
und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv auf die Gefühle und bleibt positiv