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Cover des Podcasts „Deep Dive mit Torsten Koerting“

Folge 050 · 25. Dezember 2020

Teil 1: Break your limits und tue etwas Gutes- Interview mit Norman Bücher

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Norman Bücher, Diplom-Betriebswirt, Abenteurer und Extremsportler läuft nicht nur die härtesten Ultramarathons der Welt. Er versteht es auch, diesen einzigartigen Erfahrungsschatz mit Leidenschaft, Kompetenz und rhetorischem Geschick zu vermitteln, damit jeder davon profitieren kann.

Der Extremläufer ist ein preisgekrönter und mehrfach ausgezeichneter Redner. So hat er u.a. den „Best Performer Award" (2013), den „Best Brand Award" (2017) und den „Best Media Award" (2019) sowie den begehrten „Special Award" (2010) der 5 Sterne Redner erhalten.

Norman Büchers Philosophie „break your limits" bedeutet seine persönlichen Grenzen zu erkennen, diese zu verschieben und neu zu definieren. Nicht nur im Extremsport. Auch im Berufsleben und sozialen Engagement kommt es auf Eigenschaften wie Mut, Begeisterung, Ausdauer und Leistungsfähigkeit an.

 

In dieser Folge erfährst du:

  • wieso du dir unangenehme Fragen stellen darfst, um zu wachsen,
  • wie du anderen, dir selbst und der Natur zuhören lernst und was das mit dem „7 Continents"-Projekt zu tun hat,
  • wieso du dem Leben vertrauen kannst und feste Strukturen nicht immer und für jeden passend sind,
  • wieso du groß genug bist, um etwas in der Welt zu bewirken.

 

Hier findest du Norman:

Website:

https://www.norman-buecher.de/

https://www.7-continents.com/de/

Normans Bücher:

https://www.norman-buecher.de/buecher/7-continents-box.html

https://www.norman-buecher.de/buecher/weitere-buecher.html

Instagram:

https://www.instagram.com/normanbuecher/

https://www.instagram.com/7.continents_/

Facebook:

https://www.facebook.com/extremsportredner

Viel Spaß bei dieser Folge.

Das Transkript zum Nachlesen

Maschinell erstellt und nicht redigiert — Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Sprecher automatisch getrennt; Gäste sind nicht namentlich zugeordnet. 6.448 Wörter, 47 Minuten Gespräch. Als Textdatei laden.

Torsten J. KoertingHallo und ein herzliches Willkommen zum Game Changer Podcast, der Podcast für deinen Erfolg. Mit wirksamen Impulsen, spannenden Inspirationen, erkenntnisreichen Interviews und persönlichen Game Changer, die dich in die Umsetzung bringen. Und das Ganze von und mit Torsten Koerting. Hallo und ein herzliches Willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer zu dieser neuen Podcast-Folge. Und auch heute darf ich wieder einen ganz besonderen Interviewgast begrüßen, der sich seit vielen Jahren in meinem, in unserem Kontext befindet. Er ist jemand, der sicherlich zu den bekanntesten Speakern in Deutschland, darf man fast sagen, gehörte und immer noch gehört. Er ist jemand, der als Berater angefangen hat, in einer der großen Beratungsunternehmen, Unternehmen zu beraten, wie sie den nächsten Schritt gehen, wie sie die Strategie entwickeln und gegebenenfalls auch umsetzen und dann sich transformiert hat in einen Extremsportler. Und in dieser Phase des Extremsports ganz ungewöhnliche Expeditionen und Erfahrungen gemacht hat. Er ist durch die Wüste Atacama gerannt, er ist zum Ayers Rock gejoggt, er ist vom Himalaya Everest Base Camp wieder zurückgelaufen und er ist jemand, der so das ein oder andere wilde Abenteuer gemacht hat und einer der härtesten Ultra-Trails in Deutschland, in Europa und auch in der Welt bestritten hat. Und auch aus dieser Phase hat er sich selbst wieder hinaus transformiert und wurde dann zu einem Speaker und hat sich selbst in Deutschland in den unterschiedlichsten Formen und Farben bekannt gemacht und war jemand, der sicherlich nicht nur bei Unternehmen und Institutionen auf der Bühne stand, sondern auf den ganz großen Bühnen in Deutschland. Und auch diese Phase ist für ihn wieder abgeschlossen und vor drei Jahren hat er in Ettlingen in einer ganz besonderen Lokation sein neues Lebensprojekt vorgestellt. Und dieses Lebensprojekt der Seven Continents wird ihn auf sieben Kontinente in 70 Ländern in mindestens 700 Veranstaltungen bringen, um eine Million Stimmen von Jugendlichen und Kindern einzusammeln, die auf seine sieben Fragen hoffentlich eine Antwort bereithalten, die er dann gesammelt und gebündelt 2024 im Rahmen der UN Vollversammlung vorstellen wird. Und diese Lebensvision, die sicherlich größer ist als er selbst, die ihm einiges schon an Herausforderungen abverlangt hat, die ihn an seine Grenzen hat gehen lassen in diesem Jahr 2020, was sicherlich im Zeichen der weltweiten Pandemie steht, durch ganz neue Herausforderungen gebracht hat. Und wir werden genau diese Lebensphasen analysieren. Wir werden dahinter schauen, was ihn von der einen zur neuen Lebensphase gebracht hat und was ihn immer wieder in die Umsetzung bringt, was ihn immer wieder dazu bringt, durchzuhalten, wenn es hart wird, wenn es intensiv wird, wenn der Wind von vorne bläst, von links und rechts uns vom Weg abbringen möchte, um dann in Zeiten wie diesen dieses Projekt erst mal zu pausieren, weil um eines der nächsten Etappen in Asien zu vollziehen und zu beleben, es notwendig ist, dorthin zu reisen und unter den aktuellen Einschränkungen, das so gut wie nicht möglich ist, er sich die Zeit genommen hat, wenn die Dinge passieren für uns, seine Erlebnisse und Erkenntnisse aus den ersten beiden Etappen, nämlich der Etappe 0, der Pilotetappe von Straßburg nach Berlin und der Kick-Off-Etappe, der Etappe 1 von Berlin nach Istanbul in sage und schreibe zwei gleichzeitig geschriebenen Büchern zu reflektieren, ein Band, der die Stimmen der Kinder und Jugendlichen, die er treffen konnte, auf dem Weg aufnimmt, reflektiert und in einen ganz besonderen Kontext packt und ein Sachbuch, was mehr oder weniger auch seine Erkenntnisse und seine Hintergründe und Tiefsinnigkeiten aus diesem gesamten Prozess reflektiert und im Rahmen eines Unboxing-Events vor knapp einer Woche hat er das Geheimnis gelüftet und die Bücher sind nun erwerbbar und all das werden wir in dem nun folgenden Interview reflektieren und betrachten und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, freut euch bitte gemeinsam mit mir auf den grandiosen und wie immer wunderbaren Norman Bücher.

Torsten J. KoertingSchön, dass du wieder da bist und ich begrüße dich recht herzlich zum Game Changer Podcast.

GastDanke dir Torsten, es ist immer eine Ehre bei dir und in deiner Show sein zu dürfen.

Torsten J. KoertingAch, es ist großartig Norman, dich, ja wie du schon sagst, immer wieder da zu haben. Das Ganze fing an, vor ein paar Jahren, als wir dich angesprochen haben für ein ganz besonderes Event, was wir veranstaltet haben, damals die PM Power Days und sich dem Ganzen einiges auch noch vorgelagert hat, dass wir hier gar nicht alles eingehen können und müssen. Und jedes Mal die Gespräche mit dir, dich zu erleben, dir die Fragen zu stellen, die in der aktuellen Phase, sowohl in der du dich befindest, in der sich die Welt befindet, oben aufliegen und dann deine reflektierten und ganz besonderen Antworten zu erhalten, ist jedes Mal wieder ein Highlight in den Zeiträumen, wo wir die Möglichkeit dazu haben. Deswegen nochmal danke und schön, dass du da bist, Norman. Für diejenigen, die dich noch nicht kennen, ich habe ein bisschen was in der Anmoderation ja schon verlauten lassen, stell dir vor, und ich glaube, solch eine Begegnung wäre nicht ungewöhnlich, wir treffen uns irgendwo in der Natur, stell dir vor, die Hütte im Schwarzwald, wo du wieder Zeit verbracht hast, oder eine andere Hütte, wo du dich auch mal inspiriert fühlst, einfach mal die Nacht zu verbringen und rauszuschauen. Und ich komme da als Wanderer, als Trailrunner oder was auch immer dort vorbei. Wir kommen ins Gespräch und tauschen so natürlich den ein oder anderen Impuls des Tages als solches aus. Und dann wendet sich das Blatt. Und ich stelle dir die Frage, was machst du eigentlich, wenn du hier nicht gerade im Schwarzwald in irgendeiner Hütte rumliegst? Lieber Norman, was wäre denn deine Antwort?

GastWie viel Zeit haben wir denn? Also von dem Ganzen, du hast schon viele Dinge angesprochen, Horsten, von dem Thema Laufen, Natur, Outdoor-Enthusiast, Vorträge geben, Menschen inspirieren, junge Menschen bewegen. Ich denke, auf einen Nenner gebracht, ohne mich dazu sehr auf eine Rolle, Lebensrolle einschinsen zu wollen, ist wirklich Menschen bewegen. Menschen bewegen, ob jetzt durch so ein Hütten ein bisschen Schwarzwald in einer Eins-zu-eins-Situation zugegebenermaßen echt, echt cool. Und ich habe da so eine spezielle Hütte, die Tragerhütte, die ich immer da gerne bin, wirklich so vor Augen. Und da wirklich auch so ein Eins-zu-eins-Kontext, Face-to-Face, ob es eine Frage ist, wie du kennst es, Torsten, ein Impuls ist, aber wirklich da Menschen, Menschen, deren Leben zu verändern und auch, ich sage immer, das Gesicht der großen Wälder draußen zumindest so ein kleines bisschen zu verändern, das treibt mich ein.

Torsten J. KoertingIch glaube, Menschen zu bewegen, das trifft es so wunderbar. Wenn man jemanden wie dich positionieren dürfte oder müsste, wäre das, glaube ich, so das Gold Nugget, was man in der Schatulle von Norman Bücher finden darf, um es dann wirklich in zwei Wörtern zu dem werden zu lassen, wie du es gerade beschrieben hast, Menschen zu bewegen. Du bewegst ja Menschen oder hast Menschen bewegt. Bevor deine große Vision, ob die wir sicherlich auch gleich noch zu sprechen kommen, ganz besonders, warst du ganz früher mal Berater und dann, als wir dich kennenlernen durften, warst du Speaker. Einer, sicherlich einer der bekanntesten Speaker auch in Deutschland und auch jemand, der ohne sich jetzt an die großen Speaker-Organisationen in Deutschland zu hängen, jemand, der aus einer eigenen und auch intrinsischen Motivation und mit einem ganz besonderen Wertesystem ausgestattet ist, die Bühnen belebt hat. Und zwar so, wie wir dich kennenlernen durften, mit sehr inspirierenden Geschichten aus deiner Outdoor- und läuferischen Vergangenheit und die zu verknüpfen mit ganz besonderen Lebensweisheiten und Botschaften, die nicht irgendwo in einem Buch abgeschrieben sind, sondern bei dir aus dem Herzen sprechen. Nimm uns doch mal mit in diese Zeit, die mittlerweile ja auch drei, vier Jahre zurückliegt, weil danach hat sich einiges getan. Nimm uns doch noch mal mit in die Zeit des früheren Normen, des alten Normen, was der so gemacht hat und was dich damals schon umgetrieben hat durch das, was du getan hast und wie du es getan hast, Menschen zu bewegen.

GastIch denke, das können noch viele deiner Zuhörer nachvollziehen. Das ist ein Prozess, den du da durchläufst, den ich durchlaufen bin und wenn ich da zurückblicke auf nicht nur drei, vier Jahre, ich sage sogar zehn, zwölf Jahre, als ich den Schritt auch damals gemacht habe, 2008 ist der schon, unglaublich wie die Zeit rast, 2008 den Schritt zu sagen, aus der Unternehmensberater-Festanstellung, in der ich ja war, ich kündige meinen Job und mache mich jetzt als Extremsportler, ja als Vortragsredner, das stand wirklich auf meiner ersten Gesinnkarte, da Extremläufer und Vortragsredner, mache ich mich selbstständig und ohne wirkliches fundiertes Geschäftsmodell, ohne einen konkreten Plan oder auch einen Businessplan, ausgearbeitet, einen Businessplan, einfach zu sagen, ich folge meiner Passion, ich folge meiner Leidenschaft und ich habe gewusst und erkannt und vor allem gefühlt, diese Leidenschaft, die hatte ich nicht als Unternehmensberater. Das war ein Job, ja, 9 to 5, ich habe da von Wochenende zu Wochenende gelegt und ich habe gemerkt, mir hat etwas gefehlt und gleichzeitig Menschen, damals schon Menschen, ob es ein Reinhold Messner war, die es geschafft haben, mit ihrer Passion auch ein Geschäftsmodell zu machen, mit Vorträgen, mit Büchern und ja, das wollte ich auch machen, anfangs ohne wirklichen Plan, aber ich habe so die ersten Meter, bin ich gegangen, 28, 29, 2010, mehr schlecht den Recht, sehr holprig anfangs der Weg und wurde dann besser auch mit, auch auf unternehmerischer Seite, bis ich dann so mir vor allem dieses Standbein, Speaker, Firmenvorträge, Keynotes mir aufgezogen habe, aufgebaut habe und das auch gesagt, das mache ich auch heute noch, dieses nicht verbiegen, nicht, wie es durchaus der eine oder andere Kollege macht, Dinge, die vielleicht gerade Mainstream, die angesagt sind, zu wiederholen und auch Geschichten zu kopieren und sagen, nee, ich habe meine eigene Geschichten und die erzähle ich und das kommt bei den meisten zumindest gut an, dieses Authentische, dieses Ehrliche, dieses Nichtverstellen und das mache ich jetzt seit über zwölf Jahren auf der Bühne, aber auch, wie es auch gesagt war, auch in meinen Büchern.

Torsten J. KoertingUnd ich glaube, da bist du jemand, der alles ist außergewöhnlich, wenn du dich nicht in diesen Mainstream hast einbiegen lassen, also auch damals schon, wo das mit der Speaker-Szene in Deutschland ja auch, ich will mal sagen, gestartet ist oder auch begonnen hat, dich nicht auf dieses Schema einzulassen, sondern immer deinen eigenen Weg zu gehen und jemand bist, der etwas zu sagen hat auf der Bühne. Ja, deine Geschichten, die kann man ja nicht kopieren, sondern die darfst du selbst erleben und ohne, dass du sie selbst erlebt hast, kannst du nicht die Geschichte erzählen, wie es ist, durch die Wüste Atacama zu laufen oder zum Ayers Rock nach Australien, was es heißt, am Himalaya vom Basecamp zurückzulaufen, ja, und dann im Ziel festzustellen, ich glaube, das war der Moment, im Ziel festzustellen, irgendwie so besonders hat sich das jetzt gerade nicht angefühlt, sondern man darf den Weg dorthin würdigen. Und der Weg ist das Ziel dieser Botschaft, hast du nochmal eine ganz andere Geschichte zugrunde gelegt.

Torsten J. KoertingFür Menschen, die auch so einen authentischen Weg, gar nicht mal in der Speaker-Szene, sondern als Selbstständiger, als Angestellter wieder zu sich selbst finden möchten, was war so die Schlüsselerkenntnisse aus der damaligen Zeit, auch an diesem Weg, den du eingeschlagen hast, festzuhalten, überhaupt mal diesen Weg zu finden und dich nicht von dem, was von außen alles auf dich einprasselt, weil du dich informiert hast, wie vielleicht die fünf Schritte zum Fünf-Sterne-Redner oder so. Was waren so deine Erkenntnisse, die du Menschen mitgeben möchtest, die auch sich auf einen authentischen und dem Wertesystem konkurrenten Weg zu begeben?

GastIn einem Satz, follow your heart. Und der ist zugegebenermaßen etwas abgedroschen oder auch sehr, sehr inflationär und ist sicherlich auch nur die eine Seite der Medaille, dieses Folge deinem Herzen, alles wird gut. Ja, gleichzeitig bedarf es mehr. Aber zunächst mal anzufangen, oder nicht nur anzufangen, sondern in sich hinein zu hören, was auch eine gewisse Reflektiertheit erfordert, auch das Inhalten, auch sich einfach mal rauszunehmen aus einem Alltagsgeschäft oder aus einem grundsätzlichen Alltagsleben und sich einfach mal mit sich selbst zu beschäftigen, also ganz banal. Ich mache nicht, ich bin nicht beschäftigt, sondern ich nehme mich zurück, ich nehme mich raus, setze mich nochmal, ist mit der Berghütte im Schwarzwald zu gebrauchen, ich setze mich mal in so eine Hütte rein für einen Tag oder auch für ein paar Tage und schaue mal, was da in mir passiert, was da hochkommt oder nicht hochkommt, wie sich das anfühlt. Und das habe ich ganz oft gemacht, ganz lange gemacht und es war nicht immer einfach, sich auch da unangenehme Fragen zu stellen, die da aufgepoppt sind, weil ich gemerkt habe damals, ich bin auf einem für mich nicht stimmigen, runden Weg, aber grundsätzlich zu sagen, ich öffne dadurch mich oder meiner Intuition den Weg, öffne mein Herz und schaue mal, was sich für mich einfach mal gut anfühlt.

GastAlso so ein klassischer Motivationsredner würde jetzt sagen, ja, mach mal die Grabrede, oder stell dir mal vor, du hast jetzt da eine Million Euro und unendlich Zeit, was da passiert. Ist für mich eine sehr, sehr, ich würde sagen, fast schon abgedroschen, aber sich dieses rausnehmen, innerhalb, reflektieren, nachdenken, sich in Ruhe, in Stille zu begeben, ist wirklich ein und ist wirklich ein Weg, um da mal auf seinen Kern zu kommen, was man machen möchte. So war das zumindest bei mir. Und dann sich zu sagen, okay, dann kommt wieder die andere Seite, nicht nur das Herz, sondern auch der Verstand, die Vernunft. Wie schaffe ich es jetzt auch rational und gehen, so für eine Herzenssache, was mich emotional antreibt, auch die notwendigen Schritte zu fixieren und anzugeben?

Torsten J. KoertingAlso dieses Zuhören, ich weiß nicht, warum das gerade so der Fall ist, aber das pfeift so seit ein paar Wochen immer wieder an den unterschiedlichen Timelines. Und dazu gehört auch meine Gedankenwelt immer wieder vorbei. Jetzt gerade vor kurzem durfte ich Jörg Hovest interviewen. Das ist ja jemand, der auch auf Missionen und Visionen unterwegs ist, die größer als der Mensch. Und damit meine ich den Jörg, als er auch anderen Menschen natürlich größer ist als sie selber. Und er den Dalai Lama treffen durfte, dem Dalai Lama ein Versprechen gegeben hat und durch die gesamte Erfahrung, die er danach durchgegangen ist, eins seiner Kern, ich will nicht sagen Prinzipien, aber Denkanstöße ist, nicht nur anderen Menschen zuzuhören. Listen to understand and not to reply ist ja so ein ganz, auch immer wieder viel genutztes Zitat, sondern sich selbst zuzuhören und der Natur zuzuhören. Und da bist du ja Vorbild, Sinnbild, wie kaum ein anderer da draußen. Du dir wirklich die Zeit nimmst. Zeit ist ja eine Priorität und nicht nur eine Ressource. Du dir die Zeit nimmst für diese persönliche Reflexion, für das Erleben der Natur. Und ich glaube, du bist ja auch jemand, der das in auch besonderen Kontexten macht. Ich kann mich erinnern, du gehst das eine oder andere Mal in so einen Dunkel-Retreat.

Torsten J. KoertingDrei Tage dunkel und ja, dann fängst du, glaube ich, automatisch an, über dich und die Welt nachzudenken. Ist das so?

GastNicht über die Welt, also über dich. Also ich habe das zweimal machen dürfen. Ich werde es auch nächstes Jahr noch ein kurzes Mal, auch ein bisschen länger machen als die drei Tage, weil du, ich war ja auch schon in den Wüsten. Und du kennst es auch, Torsten, wenn du in der Natur bist. Du hast, der Sehsinn ist weiter aktiviert. Und der Sehsinn ist der Sinn, der uns die meisten Informationen aufnehmen lässt. Und wenn der Sehsinn auf einmal abgeknipst ist, wie in so einem dunklen Retreat. Das ist immer noch mal eine sehr, sehr besondere Erfahrung. Du sitzt da und du kannst nichts machen. Du kannst dich mal lesen. Du sitzt da, ja. Alles dunkel. Und du willst oder nicht. Und du willst auch nicht, früher oder später, kommen Dinge in dir hoch, vom Unterbewusstsein hoch. Also ganz, ich will ja gar nicht sagen ausholen. Doch, mach, bitte. Der Melatonin-Spiegel im Gehirn, also die Gehirnchemie verändert sich, weil das Melatonin, was ja für diesen Dämmer-Nacht-Modus vor allem zuständig ist, der erhöht sich natürlich, je länger du in der Dunkelheit bist. Und das ist echt wahnsinnig intensiv für mich gewesen, was da hochkommt, wie du träumst, wie es dich da Tag und Nacht verschwimmen und was da einfach hochkommt.

GastUnd der Arnold, bei dem ich das mache, in Taunus, ist das, der sagt immer das so, die Überholspur der Persönlichkeitsentwicklung, kann ich nur bestätigen, also, weil es einfach sehr, sehr viel mit dir macht, in relativ kurzer Zeit. Und der Arnold hat es teilweise, ich glaube, der war mal fast 50 Tage am Stück, war der in der Dunkelheit. Ich habe es mal gerade drei Tage geschafft. Aber es ist eine sehr, sehr, ich habe es schon gesagt, besondere Erfahrung, um einfach sich zuzuhören und da sehr, sehr genau in sich hineinzuhören. Was da hochkommt.

Torsten J. KoertingJetzt bist du damals ja nicht in einen Dunkelretreat gegangen, um diese Entwicklungsstufe vom Berater hin zum Speaker zu erleben oder auch zum Extremsportler, sondern du hast dich selbst erst mal reflektiert. Wie war so der Anbeginn dieser neuen Karriere und wie hast du dich dann in dem Umfeld, also weg von, fühlt sich nicht gut an, hin zu, da passiert irgendwie mehr, als ich mir hätte vorstellen können. Wie ist dir dieser Übergang gelungen und wie wurdest du dann ja auch wirklich nachhaltig erfolgreich? Weil wir dich, glaube ich, dann auch, ich will nicht sagen, auf dem Zenit, aber zumindest ist in einer sehr ausgeprägten Intensität zu dieser damaligen Zeit vor vier, fünf Jahren auch kennenlernen durften. Das ist eine gute Frage, Torsten.

GastIch sage mal, er war, der Weg an sich holprig, das Vokabel, in dem Vokabel schon genannt, holprig, steinig. Nicht immer einfach, weil sich dann natürlich immer wieder auch Türen öffnen, je länger ich auch diesen Weg gegangen bin mit Redner, Agenturen, mit den ersten Vorträgen, auch im Corporate-Umfeld, die natürlich ganz anders sind, wenn du es irgendwann mal in einem Sportverein oder eher in einem kleineren Umfeld nicht auf einer Bühne bewegst, sondern wenn du sagst, du gehst mal vor 1.000 oder 1.200, 1.500 Menschen in einer wirklich großen Bühne, das ist was anderes, geht auch mit Erwartungshaltungen einher, die da nicht immer so konkurrent zu meinen waren und auch die Frage, auch eine berechtigte Frage, die ich glaube, jeder Speaker, Redner stellen darf, inwieweit möchte ich mich auch den Erwartungen von Kunden anpassen, inwieweit möchte ich meine eigene Botschaft, die mich wirklich berät, im Herzen bewegt, nach außen tragen und inwieweit stehe ich da auf der Bühne und ich sage mal ganz überspitzt, ich sage das, was die Leute, was der Kunde hören möchte. Das war ein Prozess, der mich gerade in den letzten drei, vier Jahren ungemein umgetrieben hat und kräftigt hat.

Torsten J. KoertingHat dich das, ich will mal sagen, irgendwie abgehärtet? Damit meine ich also die Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen, denen dich wirklich zu widersetzen, weil du sagst, mein eigenes Wertesystem, mein eigener intrinsischer Anstoß und auch die Botschaft, die ich in die Welt bringen möchte, ist mir wichtiger als, ich will mal sagen, das Ansinnen oder das vermeintliche Ansinnen eines Kunden, weil häufig ist es ja nur das, was der Kunde will oder glaubt zu brauchen. Und nach ein paar Minuten auch mit dir gemeinsam spürt man ja schon, dass das nur die Seerose war und es eigentlich viel tiefer gehen darf. Ja, ja.

GastNur mal ein Beispiel, es war, weil es einfach so, ich sage mal aktuell ist, es war einer meiner letzten und ich glaube der aktuellste Firmenvortrag, den ich im September halten durfte, einer der ganz wenigen Vorträge im letzten halben Jahr. Und es war eine Keynote über einen halben Tag, eine Session von zweimal 90 Minuten, das hatte ich bisher ganz, ganz selten, du weißt Torsten, was das bedeutet. Zweimal 90 Minuten, 100, 120 Teilnehmer mit Bühne, auch jetzt nicht so nah, das war so eine relativ größere Räumlichkeit. Und ich kürze jetzt ab, am Ende der Veranstaltung kam der Ansprechpartner, der Geschäftsführer zu mir und hat gemerkt, boah, Herr Bücher, sie haben mich, sie haben meine Mitarbeiter nachdenklich gemacht. Ich habe den Vortrag ganz anders erwartet von ihnen, aber sie haben uns nachdenklich gemacht, das haben wir so gar nicht erwartet. Und da habe ich lange drüber nachgedacht und bin für mich zu der Erkenntnis gekommen, auch von früheren Veranstaltungen, das ist häufig so, jetzt kommt man ein Extremsportler, der macht gute Stimmung, erzählt seine Geschichten, zeigt die Bilder. Aber der heizt erst mal die Teilnehmer an. Und ich bin so für mich so in den letzten zwei, drei Jahren eher so in diese Tiefelstärke, noch in diese ruhigere Ecke, eben diese Impulse, die sich setzen lassen dürfen, die zum Nachdenken anregen. Und grundsätzlich eher die ruhigeren Töne auch an dem Dammstag in diesen zweimal 19 Minuten, der diese ruhigeren Töne angeschlagen habe. Und ja, ich habe gemerkt, ich habe mich wohl gefühlt. Und vielleicht hat sich der Kunde, in dem Fall der Geschäftsführer, hatte da eine andere Erwartungshaltung, aber ich habe so meine Botschaft nach nach außen getragen. Das hat zumindest bei vielen der Teilnehmer dort hat es, hat es, hat es resoniert.

Torsten J. KoertingAlso einfach den Weg gehen und seiner, seiner Überzeugung folgen. Wissentlich, dass es der Zielgruppe, wie unterschiedlich und divers sie auch sein mag, das gibt, was sie, was sie gerade braucht. Was hat dich damals angetrieben? Also man spricht ja heute vom Warum, also vom Zweck der Existenz. Ich glaube, John Strielecki mit Big Five for Life war ja neben Simon Sinek so der Wegbereiter dieser Bewegung. Um das mal aufzugreifen, was war dein damaliger Zweck der Existenz? Was war damals dein Warum? Kannst du dich daran noch erinnern, Norman?

GastJetzt rückblickend, jetzt rückblickend war das sehr, ich weiß nicht, ob das überhaupt das richtige Wording dafür ist. War das sehr egoistisch, also ganz banal auch. Ich wollte von meiner Leidenschaft einfach leben, davon leben. Und dafür bin ich losgelaufen, habe Vorträge gehalten, die ersten sind wieder geschrieben. Aber nicht um dieses große Ganze oder um dieses Menschenbewegen, wie ich es eingangs gesagt habe, sondern damals zumindest, vor so über zehn Jahren, war das so, ja, ich wollte von meiner Leidenschaft im Laufen einfach einfach leben. Punkt.

Torsten J. KoertingPunkt. Und das hat sich verändert.

GastDas hat sich verändert.

Torsten J. KoertingDas ist weder der Berater noch derjenige und sicherlich auch der aktuellen Zeit geschuldet, der jetzt auf den großen Bühnen, wie damals steht und Unternehmen, Organisationen, ja, die Botschaften aus dem Extremsport, die ja auch damals sehr maßgeblich einen großen Anteil hatten, mit Botschaften hineinzugeben in deine, in die Zuhörer und sie dadurch zu inspirieren. Wir haben dich ja damals kennengelernt, da ist gerade eine größere Vision gereift, die wir auch an unterschiedlichen Stellen schon reflektiert haben. Und dennoch, lieber Norman, lass uns noch mal hören, was dann passiert ist und dich zu der großen Vision, die sicherlich damals als auch heute noch und vielleicht jetzt gerade ganz besonders größer ist als du selbst.

GastIch fange mal relativ am Anfang an, wie das Ganze begonnen hat, um auch jetzt die Zuhörer, die mich noch nicht kennen oder das Projekt noch nicht kennen, einfach auch da mitzunehmen. Ja, das hat ganz harmlos, sage ich immer, angefangen bei uns in der Küche, in unserer Wohnung in Waldbronn. Saßen wir da beisammen, meine Tochter, damals fünf Jahre, heute ist sie schon zehn und es war ziemlich genau vor fünf Jahren, eben auch Anfang, Anfang Dezember und Sonntagmorgen und wir hatten uns, oder sie hat sich vor allem auch auf Schnee gefreut, auf Schlittenfahren gefreut und es war bei uns heute Morgen zu missieren, Waldbronn so ein bisschen Schneematsch und damals vor fünf Jahren war das ganz anders, da war es eben zehn, zwölf Grad, fast frühlingshaft warm und meine Tochter hat sich aber so auf Schlittenfahren gefreut und ich kürze es ein bisschen ab und da hat sie mich gefragt und die Frage ging mir ganz, ganz lange durch den Kopf, sie hat mich gefragt, Papa, warum tut ihr Erwachsenen nicht?

GastWegen euch blöden Erwachsenen kann ich kein Schlittenfahren. Und da habe ich angefangen zum ersten Mal überhaupt nachzudenken, ja, was sie meint und auch auf mich reflektiert, was ich mache, was tue denn ich? Meine Antwort war zumindest damals, erst mal nicht so viel oder bewusst so viel und das war so für mich der erste oder wesentliche Anstoß, der wesentliche Impuls zu sagen, ja, du bist gelaufen, sehr stark für dich, auch im Ego basierend, durch Wüsten, Kalahari-Wüste, Gobi-Wüste, Atacama-Wüste, durch den brasilianischen Regenwald, um Bergmassive, Mont Blanc, das kennst du ja auch, Torsten, aber es ging sehr, sehr stark erst mal um mich, um das eigene Ego, um höher, schneller, weiter. Und auch in dem Zeitraum, so vor fünf, sechs Jahren hat es angefangen, ich habe gemerkt, ich kam von der Tour, von der Expedition zurück und ich habe gemerkt, wow, mir hat was gefehlt. Ich war eben nicht innerlich leer, aber innerlich hat mir was gefehlt. Also diese Euphorie, die ich vor zehn Jahren noch hatte, wow, diese Welle, die mich da noch immer begleitet hat, die ist immer kürzer geworden und mir hat das gefehlt oder mir hat was gefehlt. Und dann diese Frage meiner Tochter auch einen Wunsch, zumindest einen Beitrag zu leisten für die nachfolgenden Generationen und was, ich sage mal, wirklich Sinnvolles zu tun und das zu verbinden mit dem, was ich kann, mit Laufen, mit Reden, mit Menschen bewegen. Und so hat es Gestalt angenommen, das ganze Projekt Zepten Kontinents, aus vielen Facetten eben, da ist das Sportliche, das Laufen, da sind die Vorträge, das Reden, Inspirationen, Menschen bewegen, für eine lebenswerte Zukunft einen Beitrag zu leisten. So hat es angefangen, sind da viele Dinge zusammengekommen und es ist zu dem geworden, wie das jetzt vor über zwei Jahren angefangen hat, da bin ich dann wirklich vierte Oktober 2018 in Straßburg losgelaufen im Parlament, weil du warst dann auch dabei, hast es ganz stark begleitet, auch letztes Jahr dann von Berlin nach Istanbul und es ist entstanden, wie es wäre, auf jedem Kontinent nicht nur für mich zu laufen, sondern einfach möglichst viele Menschen zu erreichen, zu bewegen und ja, ich habe sieben Fragen, die ich jungen Menschen auf der ganzen Welt stelle.

GastUnd dieses Wort, ja, zuhören ist ganz oft schon, ich bin jetzt eine Floskel, aber es ist so mit der Kern des Projekts, ich höre einfach den Menschen zu. Ohne Bewertung, ohne zu beurteilen, sondern ich laufe los, laufe durch die Welt und höre zu, habe so ein Mikrofon, das ist so mein, ich sage immer, mein Fackelstab. Und ja, erstmal möglichst, was mir nicht immer gelingt, aber möglichst neutral, bewertungsfrei laufe ich da durch die Gefinde jetzt Anfang des Jahres noch in Bangladesch, in Indien, in Nepal und suche den Kontakt, suche die Begegnung und höre den jungen Menschen zu.

Torsten J. KoertingAlso man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Ja, ich bringe jetzt mal für die blauen Menschen hier in der Zuhörerschaft, ja, die so Zahlen, Daten, Fakten. Also du, dein Ziel ist ja, innerhalb von sieben Jahren, das wird sich jetzt 2024, vielleicht auch in 2025 dann erst realisiert haben, diese sieben Jahre. Wir sind ja aktuell in einer Zeit, wo es eben nicht da dir ermöglicht ist, nach Asien zu reisen und dort deine nächste Etappe zu machen. In sieben Jahren alle sieben Kontinente zu bereisen, Schrägstrich, ich will nicht sagen zu durchlaufen, aber zu belaufen, dabei 70 Länder zu berühren mit deinen Füßen und mit 700 Vorträgen, mit 700 Schulbesuchen und Veranstaltungen in der Lage zu sein, eine Million Jugendliche und Kinder diese Fragen zu stellen, diese sieben. Und die Erkenntnis daraus, beziehungsweise die Antworten dann der UN-Vollversammlung im Jahr 2024 vorzustellen und zu überreichen. Das darf man sich jetzt erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Wenn jemand sagt, ich möchte die Seven Summits besteigen, dann ist das alles klar. Dann weiß man, dazu gehört irgendwo der Denali in Alaska, dazu gehört der Mount Everest, dazu gehört irgend so ein 2000 Meter Hügel in Australien. Und das haben schon irgendwie 400 Leute vor einem gemacht und da weiß man ungefähr, woran man sich orientieren darf. Das, was du dort artikulierst und was du dir vorgenommen hast, das hat sich noch nie jemand in der Menschheitsgeschichte vorgenommen. Und mal abgesehen von dieser intrinsischen Motivation Menschen und gerade den Jugendlichen, also der Generation, die dort aufräumen darf, was wir hier gerade alles verbocken, dieser Generation Fragen zu stellen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, sicherlich das eine, das andere. Das ist so ein hoher Berg, in Anführungszeichen, den noch niemand bestiegen hat. Was hat diesen Berg überhaupt kreieren lassen und was bringt dich dazu, Schritt für Schritt für Schritt diesen Berg zu besteigen? Oder wie manch anderer sagen würde, da steht jetzt ein Elefant von dir. Wie isst du den am besten? Ja, Stück für Stück für Stück.

GastAuch das ist ein Prozess gewesen. Und ich habe immer gemerkt, auch jetzt, dieses Jahr 2020, die so ganz anders verlaufen ist, wie fast alle sich das Anfang des Jahres vorgestellt haben. Und wenn ich das nochmal reflektiere. Und es ist einfach der tiefe, tiefe Wunsch, was zu bewegen, was zu verändern, was anzustoßen. Und das Stimmen einsammeln ist das eine, die Fragen, die Erkenntnisse, die Antworten der jungen Menschen. Und ich hatte letztes Jahr, fast vor einem Jahr sogar, ein TED-Talk in Freiburg. Und da wurde auch die Frage gestellt, ja, Herr Bücher, es laufen da sieben Jahre und da ganz viele Stimmen. Was soll das denn bringen? Was ist denn der Impact, den man so schön sagt? Und da habe ich gesagt, ja, das ist richtig. Ich weiß a nicht, was es bringt, denn wenn ich es wüsste, bräuchte ich es gar nicht loszulaufen. Doch am Ende dieses Zielbild, du hast es skizziert, Horsten, 2024 möchte ich bei der UN sein. Ich gebe die Stimme oder auch die Quintessenz der Erkenntnisse, der Stimmen. Und dann die Frage, und es ist berechtigt die Frage, was bringt das Ganze dann?

GastDann sage ich, okay, kommt ein Video, kommt ein Vortrag, der darüber berichtet. Und dann ist die Wahrscheinlichkeit nicht allzu gering, dass dann irgendwann wieder Alltag, Normalität einkehrt und das Projekt dann auch abgeschlossen ist. Ich bin dann auch am Zielpunkt des Projekts abgeschlossen. Und genau deshalb haben wir Anfang des Jahres die Seven Cronings Academy ins Leben gerufen, die noch viel weiter geht, die nicht nur die Antworten der jungen Menschen zusammenfasst, sondern ich möchte die jungen Menschen ermutigen, selbst was, eigene Projekte. Ich frage immer, was sind deine Sieben Croningen, was ist denn dein Projekt? Das sind dann schlussendlich gar nicht die Stimmen, sondern es sind die jungen Menschen, die selbst loslaufen, die sagen, ja geil, da war der Norm, da gibt es viele andere, das nennen auch gar nicht nur ich, sondern da gibt es viele, die haben so einen Anstoß bekommen, da ist so ein Stein ins Rollen gekommen und sagen, boah, ja geil, ich laufe selbstlos, ich bin vielleicht kein Läufer, aber ich tue bei mir in der Community ein Verein gründen oder ich helfe alten Menschen oder ich möchte Plastik in einem sinnvollen Produkt verarbeiten, aber ich habe diesen Anstoß bekommen. Wir wollen jungen Menschen mit der Seven Cronings Academy ermutigen und auch die Werkzeuge mitgeben, so ein Toolkit mitgeben, wie sie in ihrer Community, in ihrer eigenen Welt was verändern, was bewegen können. Und das ist was, gerade auch wenn ich darüber rede, es gibt mir noch viel, viel mehr, als zu sagen, ich laufe jetzt nur, nur in Anführungszeichen, stelle Fragen, sammle Antworten, reflektiere die, gebe die weiter, sondern es sollen, so stelle ich mir das vor, auf meinem Vision Board ganz, ganz viele Projekte auf der ganzen Welt entstehen, von jungen Menschen, die gesagt haben, boah, ja, meine sieben Kontinente sehen anders aus, mein eigenes Changemaker-Projekt sieht anders aus, bin aber losgelaufen und bin da, habe mit meinen Möglichkeiten, mit meinen Mitteln was bewegt.

Torsten J. KoertingAlso dort auch ein Projekt, oder bleiben wir nochmal in dieser Bergmetapher, wo sich der Gipfel verschiebt, beziehungsweise der Weg zum Gipfel sich, während du den Weg gehst, auch noch verändert.

GastJa, und das ist wieder eine Erkenntnis, die ich schon oft gewonnen habe oder gewinnen durfte, dass du sagst, das ist so dein Ziel, das habe ich mir gesteckt und jetzt fange ich an, so die ersten Schritte zu gehen, ich gehe weiter, wie es vorhin gesagt hat, mit dem Elefantenbild und gehe Schritt für Schritt für Schritt und merke, wow, da verändert sich ja was, mein Why verändert sich, der Zielpunkt verändert sich sogar ein bisschen und ich tue meine Strategien, tue diesen Weg so ein bisschen anpassen und es fühlt sich erstmal stimmig oder sogar noch stimmiger an. Also es geht nicht darum, das Ziel per se zu verwerfen, sondern Anpassungen vorzunehmen. Und die Erkenntnisse, die habe ich schon häufiger gewonnen, die habe ich jetzt auch gerade im Kontext und sehr im Kontext gewonnen.

Torsten J. KoertingJa, und ich glaube, es gibt so ein paar Beispiele, aufgrund oder während der Etappen, dass man auch von außen, glaube ich, sehr gut feststellen kann durch deine Erzählungen, was sich verändert hat auch bei dir beziehungsweise im Prozess. Es sind ja zwei, also sieben Etappen sind es, teilweise auch zwei halbe, die dann zu einer zusammengeformt werden und plus eine Etappe Null. Die Etappe Null von Straßburg nach Berlin, so eine zweiwöchige Testetappe. Viele würden sagen, ja, zwei Wochen und dann, wie viele Kilometer sind das? 700, 800, so? 750 waren es von Straßburg nach Berlin. 750, ja, mal in zwei Wochen. Das laufen andere nicht in ihrem ganzen Leben oder in einem Jahr. Du machst das halt in zwei Wochen und zwar für dich... Nein, in 17 Tagen, 17 Tage waren es. Es war für dich ein Test, um zu gucken, wie läuft man rein. Es ist natürlich vom europäischen Hauptquartier neben Brüssel in Richtung Berlin, der deutschen Hauptstadt und dann von Berlin ein paar Monate später nach Istanbul. Und ich glaube, der Ansatz, wie du ins Gespräch mit deiner Zielgruppe, in dem Fall mit den Jugendlichen, mit den Kindern gekommen bist, hat sich mindestens, zumindest aus meiner Wahrnehmung zweimal verändert. Einmal der sehr planerische Ansatz, dann der eher intuitive, aber reaktive Ansatz und dann wirklich sicherlich, ich glaube, Theo hieß er, kann das sein? Ja, durch Theo inspiriert. Einer, der dich einen Monat lang begleitet hat als Fotograf. Nochmal, der ja deine Zielgruppe auch verkörpert, nochmal eine ganz andere Wendung bekommen hat. Nimm uns mal ganz kurz mit auf diese Erkenntnisse, wie dein Zugang zu den Jugendlichen und dein Ansatz von der Test-Etappe dann zu den 2000 Kilometern der Etappe 1 Berlin-Istanbul sich verändert hat.

GastAlso als wir wieder losgelaufen sind, also mit meinem Team, wir waren zu viert auf der Kick-Off-Etappe Straßburg Berlin. Da war das so für uns, wir hatten fast jeden Abend geplante Veranstaltungen in Schulen, mit Lions Clubs, auch mit Unternehmen. Und du kennst dich von deiner Erfahrung, durch öffentliche Abendveranstaltungen, diese öffentliche Abendveranstaltungen wollten wir junge Menschen haben und gewinnen. Nur, wir haben festgestellt, da saßen oft, nicht immer, aber oft auch viele Erwachsene, eher wenige Kinder und Jugendliche. Auch dieses geplante Setting, ja, diese Fragen, hat sich sehr, sehr steif angefühlt vom Rahmen, von den Begegnungen, von den Gesprächen. Wir hatten auch viele, ja, durchaus Stimmen und auch wunderschöne Veranstaltungen, aber diese Spontanität war wenig bis gar nicht da. Das hat sich so 2019 einfach erstmal weitergezogen, als wir da von Berlin losgelaufen sind, haben wir ein paar geplante Schulbesuche und Veranstaltungen gehabt. Und das waren jetzt nicht mal zehn für eine zweimonatige Tour durch acht Länder.

GastUnd dann so nach fast der Hälfte, wir waren schon in Budapest, in Ungarn, also von Deutschland über Tschechien, Österreich, Slowakei sind wir dann nach Ungarn gekommen. Und da hat sich das Team verändert, das Team gewechselt, ist da Theo dazugekommen, den du ja schon angesprochen hast. 21 Jahre und Theo kannte ich erst sechs Wochen, bevor ich losgelaufen bin, haben wir uns das erste Mal kennengelernt in Stuttgart. Und da war gleich klar, ja, das passt, der kommt dazu als Fotograf. Und da kam dann auch in Budapest dazu, hat uns für fünf Wochen begleitet. Und schon am ersten Abend ist in Budapest rausgelaufen und da hat Theo schon gemerkt, boah, das geht so gar nicht, hat sich unwohl gefühlt. Und Theo ist ein Mensch, der das auch sehr stark nach außen trägt, sehr kommunikativ ist, da die Finger in die Wunde hält und das hat auch gemacht, direkt angesprochen. Und so geht es nicht und hat gesagt, ja, er hat da eine Lösung parat. Wir gehen gleich spontan, morgen spontan in die Schulen, ohne Termin, ohne festen Zusage, einfach spazieren da auf unserem Weg, spontan in die Schulen rein. Das haben wir dann auch gemacht.

GastUnd ich weiß noch, der erste Schulbesuch da in Ungarn, in Akastro, so eine ländliche Region, so eine katholische Schule war das, hereinspaziert. Und es war so fast im Sinnbild, mich auch für die folgenden Schulbesuche. Warmer Empfang, mit Kaffee, mit Freundlichkeit, mit Gastfreundlichkeit, haben eine Klasse bekommen, durften unser Projekt vorstellen, einen Vortrag gehalten, einen Austausch. Aber alles sehr, ja, spontan, unkompliziert manchmal, auch ohne, weißt du, ich komme ja aus diesem Vortrag mit Technik, du kennst es auch, da braucht man eine Leinwand, da braucht man die Sound, da braucht man auch eine Dramaturgie und alles, die Präsentation. Und wir kamen da an, hatten eben alles da nicht, kein Laptop, keine Bilder oder kein Vortrag an sich, so wie das kannte, sondern sind da einfach so reinspaziert in die Klasse und haben unser Projekt vorgestellt. Hat zur Folge gehabt, dass wir aber einen ganz anderen Zugang zu den jungen Menschen bekommen haben, gerade auch durch Theo, der mit einer ganz anderen Wellenlänge zu den jungen Menschen lag, was dazu geführt hat, dass er da einfach das Projekt vom Verlauf, von den Begegnungen, von den Schulbesuchen da einfach eine, ich muss fast sagen, 180-Grad-Wendung genommen hat.

Torsten J. KoertingWas hat das bei dir verändert? Also von diesem strukturiert blauen, fast schon, du hast es so gesagt, so Druckmachende, ich muss abends dann in der Stadt XY bleiben, sein, weil da warten ja irgendwie Menschen auf mich und das dann deutlich zurückzunehmen. Und dann mit dieser Wendung aus dem geplanten, dann ein bisschen rein ins Unitive, völlig in die Improvisation und in das zu ermöglichen, was gerade passieren darf und dadurch eine viel größere Resonanz hervorzurufen und auch Erkenntnisse bei dir reifen zu lassen. Was hat das mit dir gemacht, der gesamte Prozess? Was hat das mit dir gemacht, der gesamte Prozess?