Teil 1: Von Herausforderungen und Chancen in der Krise - Interview mit Stephan Grandy
Folge anhören
Der Ton wird erst geladen, wenn Sie auf Play drücken — vorher geht kein Request zu Libsyn raus. Näheres in der Datenschutzerklärung.
Stephan Grandy arbeitet seit 30 Jahre in der Luftfahrtbranche und ist verantwortlich für den Business und Private Jet Bereich, einen Bereich, der Kunden im Hochpreissegment befördert.
Er blickt auf viele Jahre Erfahrung zurück, setzt sich kritisch mit dem aktuellen Stand, auch im Hinblick auf die Pandemie auseinander und reflektiert die Fehler und Herausforderungen des Business und Private Jet Bereichs.
In dieser Folge erfährst du:
- welche Herausforderung die Flugbranche im Privat Jet Bereich in Zeiten der Pandemie hat,
- warum eine Krise auch eine Chance sein kann,
- welche Fehler in der Flugbranche gemacht wurden und wie sich diese auf die Zukunft auswirken,
- wie sich der Business und Private Jet Bereich noch verbessern und entwickeln darf,
- wieso die Zukunft in der Zusammenarbeit liegt.
Hier findest du Stephan:
Website:
Instagram:
https://www.instagram.com/stephan_grandy/
Viel Spaß bei dieser Folge.
Das Transkript zum Nachlesen
Maschinell erstellt und nicht redigiert — Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Sprecher automatisch getrennt; Gäste sind nicht namentlich zugeordnet. 3.581 Wörter, 26 Minuten Gespräch. Als Textdatei laden.
Torsten J. KoertingHallo und ein herzliches Willkommen zum Game Changer Podcast, der Podcast für deinen Erfolg. Mit wirksamen Impulsen, spannenden Inspirationen, erkenntnisreichen Interviews und persönlichen Game Changer, die dich in die Umsetzung bringen. Und das Ganze von und mit Torsten Koerting. Hallo und herzliches Willkommen zu dieser neuen Podcast-Folge und in dieser Podcast-Folge wieder ein Interview. Aber ein Interview, was in dieser Form überhaupt nicht geplant war. Dazu möchte ich dir eine kleine Geschichte erzählen. Wir, die Körtings, haben ein Menti-Programm und in diesem Menti-Programm begleiten wir Angestellte hinein in die Selbstständigkeit beziehungsweise Selbstständige auf das nächste Level. Und einer unserer Menti's ist der heutige Interviewpartner. Und dieser Menti kam am heutigen Tag zu mir und hat gesagt, Mensch Torsten, du hast mir so eine Aufgabe gegeben, ich soll doch mal Content im Rahmen eines Podcasts sprechen. Und ich sollte kleine Sequenzen machen, so fünf bis zehn Minuten mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen. Und Torsten, ich kriege das nicht auf die Kette. Ich fange an mit dem Podcast, ich habe mir das vorbereitet, dann bin ich eine Minute drin, dann hapert das, dann stolpert das, dann stelle ich fest, da fehlt mir irgendwie noch so ein Spiegelstrich und ich kriege einfach die Folgen nicht hin und bin irgendwie blockiert. Und ich habe ihn dann gefragt, Mensch, bist du willens und in der Lage, mit mir gemeinsam ein Experiment durchzuführen? Und er hat sich diesem Experiment gestellt, denn ich habe ihm einfach Fragen gestellt im Rahmen unseres Zoom-Calls und habe diese Fragen aufgenommen, beziehungsweise natürlich seine Antworten. Und diese Fragen gingen genau in die Richtung, die er versucht hat als Podcast, beziehungsweise als Podcast-Folge einzusprechen. Und derjenige ist jemand ganz Besonderes. Er ist nämlich jemand, der seit 30 Jahren in der Airline-Industrie unterwegs ist und davon 29 Jahre bei der Lufthansa gearbeitet hat und zum Schluss verantwortlich war für die Business- und Private-Jet-Branche, beziehungsweise für den Business- und Private-Jet-Bereich. Das ist der Bereich, der nicht die großen Flieger verantwortet, die in der Passage zusammengeführt sind, die in der 747 oder A350 oder welcher Flieger auch immer in Deutschland, in Europa als auch in der Welt fliegt. Und natürlich, wie wir alle wissen, hat dieser Bereich große Herausforderungen aktuell. Nein, es ist der Bereich, der die kleinen Business-Jets verantwortet und diese mietet, beziehungsweise als Charter anmietet, um bestimmte hochpreisige Kunden in ihre Destinationen zu fliegen. Ob jetzt die Scheichs in Dubai, die Oligarchen aus Russland oder einfach andere reiche Familien, die gemeinsam irgendwie um die Welt jetten. Und er ist jemand, der genau in dieser Branche beratend aktiv ist, bei uns sich in das Menti-Programm sozusagen eingebucht hat und wir ihn auf diesem Weg hinein in diese Selbstständigkeit begleiten. Ja, und um sich selbst Content zugänglich zu machen und diesen für sich zu reflektieren, ist ein Impuls, nicht nur einen Podcast zu starten, sondern über Podcast-Folgen überhaupt sich mal die Inhalte und die Substanz, die jeder hat, selbst zugänglich zu machen. Und da er dort diese Limitierungen hatte, und die haben wir natürlich aufgebrochen im Rahmen dessen, was ihr nun hören dürft, nämlich eine Folge, wo wir die Herausforderungen dieser Branche reflektieren, wo wir uns in die Perspektive eines CEOs, eines kleinen Providers versetzen. Wir überprüfen, welche Auswirkungen hat Corona und Covid auf die große als auch die kleinere Branche. Was sind die größten, ja, Fuck-Ups, die man als Verantwortlicher und die größten Fehler, die man als Verantwortlicher in diesen Bereichen, ja, machen, macht und machen kann. Und welche Trends aktuell auf diesen Bereiche wirken, welche Durchbrüche wir dort sehen dürfen. Und all diese Fragen habe ich einfach aus der Intuition heraus Ihnen gestellt und herausgekommen ist ein ganz fantastisches Interview mit vielen Einblicken in diese Branche, welches ich dir hier nun nach Abstimmung mit ihm zugänglich machen darf. Und nun begrüßt bitte gemeinsam mit mir den wunderbaren Stefan Grandi. Stefan, ich freue mich riesig, dass du heute bei mir im Podcast bist. Du bist ja als jemanden bekannt dafür, der 29 Jahre die Business und Private Jet Industrie, als jemand, der lange Jahre, nämlich genau diese 29, bei der Lufthansa umtriebig gewesen ist und danach genau diesen sehr herausfordernden und auch sehr exklusiven und exquisiten Bereich geleitet hast. Und die Airline-Industrie selbst liegt ja aktuell am Boden. Ich glaube, 90 Prozent der Kapazitäten sind zurückgefahren, werden nicht gebucht. Das Terminal 2 am Frankfurter Flughafen ist komplett geschlossen. Ab und zu hebt nochmal ein Flieger ab, wahrscheinlich zu einem Drittel gefüllt. In der Mojave-Wüste irgendwo in Amerika stapeln sich die Flieger, teilweise nur zwei, drei Jahre alt. Der Airbus A380 ist komplett eingestellt und bei nahezu allen Flotten komplett ausgemustert. Das gleiche Schicksal hat die 747, eines der, wie sagt man, Leuchttürmer in der Luftfahrtindustrie ebenso ereilt. Und viele haben gedacht, dass dieses Jahr das Jahr der Erholung ist. Aber Lufthansa geht aktuell davon aus, dass es noch mindestens drei Jahre braucht, bis wir zur alten Kapazität wieder zurückgekommen sind. Jetzt gibt es ja auf der anderen Seite die Business und Private Jets. Die kleinen Flieger mit zwei, vier, vielleicht auch zehn oder auch mal 20 Sitzplätzen, bekannt natürlich von den Scheichs aus Dubai und anderen Moligarchen oder Oligarchen, die sich diese Jets in das Privatvermögen reingeholt haben. Aber natürlich ist das auch im Markt generell verfügbar. Und jetzt ist natürlich die Fragestellung, was passiert denn mit dieser Branche in Zeiten wie diesen? Und meine erste Frage an dich jetzt im Rahmen dieses Podcastes, lieber Stefan, ist, was sind denn die größten, vielleicht die fünf größten Herausforderungen der Airline, der Business und Private Jets Industrie aktuell und in der heutigen Zeit, Stefan?
GastJa, danke, dass ich hier bin und die Frage hier in dem Rahmen des Podcasts beantworten kann. Und in der Tat ist das so, dass die große Airline Industrie, die Commercial Airline Industrie gerade ganz schwer Zeit hinter sich hat. Und tatsächlich, die Kapazitäten in 2020, 60, 70 Prozent runtergefahren wurde, teilweise 20, 30 Prozent maximale Kapazitäten geflogen werden. Und das natürlich von dem Hintergrund, dass es auch in Zukunft, wie du gerade gesagt hast, erstmal wir nicht glauben, dass es sofort sich verbessern wird. Ich gehe nachher nochmal genauer darauf ein, zunächst einmal aber, warum ist es in der Business Aviation, also in der Private Jets Industrie, doch so viel signifikant besser? Erstens sind diese geprägt von einem kleinen mittelständischen Unternehmen. Diese Unternehmen sind kleiner, flexibler und können ihre Kapazitäten besser am Markt anpassen. Zweitens, der Coronavirus kommt tatsächlich ein wenig dieser Branche entgegen. Denn eine, ich sage mal Kokoning, ein Flug, der nur mit ihm besetzt ist oder seinen Leuten, die er kennt, seiner Familie, ist natürlich was ganz anderes, als in einem großen Flugzeug zu sitzen, wo einer 1,5 Meter Abstand überhaupt nicht gewährleistet ist. Auch wenn dort natürlich durch Klimatisierung und durch Masken und so weiter natürlich, sagen wir mal, eine Sicherheit gewährleistet werden kann, die wir aber nicht genau wissen, wo ist jetzt der Virus, wird der Filter aufgehalten, ja oder nein. Aber in der Private Jets Industrie ist wie mit dem Auto in der Industrie so, dass man dort alleine sitzt und eben seinen Flug nachgehen kann. Und dennoch, auch wenn hier die Kapazitäten deutlich weniger zurückgegangen sind, nämlich ungefähr 15 bis 20 Prozent in Deutschland und ungefähr 25 Prozent global, haben die natürlich auch in dieser Branche einige Herausforderungen zugegeben. Zum einen ist es so, dass die Auslastung auch hier runtergegangen ist. Ich sagte schon, 15 Prozent, das hört sich wenig an. Aber für kleine Maschinen ist das, oder für kleinere Airlines, die vielleicht 10, 15 Maschinen haben, ist das schon signifikant. Zwei, drei Flugzeuge am Boden zu haben und nicht in der Luft, um damit Geld zu verdienen. Heißt für kleine Firmen, dass sie hier doch, ich sage mal, anders wie große Konzerne, ich sage mal, näher an diesen Gewinnmargen vorbeischrammen könnten. Das heißt, auch sie haben das Problem oder die Auslastung, ihre Flugzeuge wieder zu erhöhen, um wieder in ihre Margen zu kommen. Denn wenn da plötzlich mal, ich sage mal, trotz Kosten, die sie haben durch die Flugzeuge, Leasingkosten, Anschaffungskosten, Abschreibungskosten, die natürlich tatsächlich immer noch da sind, aber nicht eben Erträge erwirtschaften, dadurch, dass sie oben sind, haben die natürlich auch jedes Problem. Nicht in dem Umfang wie die große Airline, aber sie haben es tatsächlich auch. Das ist zum einen.
GastZum Zweiten ist es, es ist häufig sehr unterschiedlich. Die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes als zweiten Punkt heißt hier, habe ich jetzt, sagen wir mal, manchmal habe ich alle Flugzeuge in der Luft und manchmal sind es vielleicht sogar alle Flugzeuge, nämlich wenn es fünf oder zehn sind, am Boden. Diese Imbalance, quasi die Auslastung zu gewähren und zwar auf einen Durchschnitt hin, das ist eine große Herausforderung. Manchmal braucht man alle, weil die Nachfrage plötzlich da ist und manchmal vielleicht gar keinen, weil plötzlich am Wochenende ist oder eben auch, sagen wir mal, durch die Regierung und Staaten, die Möglichkeit zu fliegen, heruntergeschaut wird. Und dann komme ich nämlich gleich zum dritten Punkt, nämlich die Reiserichtlinien-Devenda. Wenn man nicht fliegen kann, weil das Land nicht offen ist, dann hilft auch eine Private-Jet-Industrie nicht. Denn wenn man nicht landen kann oder wenn man landet, in Quarantäne kommt oder wenn man zurückkommt und in Quarantäne gesteckt wird, dann hilft auch das Fliegen nicht und viele entscheiden sich dann doch nicht zu fliegen, weil sie sich nicht leisten können, zwei Wochen lang irgendwo zu Hause zu bleiben oder eben isoliert zu bleiben, trotz aller Online-Themen, die wir mittlerweile haben und Zoom-Calls und dergleichen. Das heißt, es wird auch dort natürlich überlegt, überhaupt zu fliegen. Deshalb ist auch hier natürlich ein Rückgang zu verzeichnen. Und die Lösung ist natürlich auch hier, Schnelltests durchzuführen und natürlich der Impfstoff, der so schnell wie möglich kommen sollte. Obwohl ich davon ausgehe, dass, wie bei der großen Air-Industrie, diejenigen, die da geimpft werden, erst, sagen wir mal, relativ spät geimpft werden. Es ist nicht die Zielgruppe, die sofort geimpft wird. Das ist ja meistens eben die Risikogruppen und die fliegen in der Regel nicht mit Freibudget, obwohl wir, ich überlege es gerade, ich will das etwas relativieren. Denn es sind häufig doch Menschen, die es geschafft haben irgendwo, die sich das leisten können und wollen. Und das sind meistens nicht die ganz Jungen. Aber auch hier ist ein Trade-off. Man muss sehen, das ist in beiden Richtungen der Fall. Wichtig ist hier, dass man eben ein Abkommen mit den Ländern trifft, dass es hier wieder offen geht, dass die Grenzen wieder offen sind, durch entsprechende Maßnahmen wie Impfstoffe und Schnelltests. Und der vierte Punkt ist die Ungewissheit. Wir wissen es alle nicht. Und sagen wir, werden große Konzerne immer noch sagen, ja, pass auf, ich kann hier die Leute in Zeitzeit schicken, ich kann hier flexible Arbeitsplätze anbieten, ist es bei kleinen Unternehmen, die vielleicht 20, 50, 100 Menschen haben in ihrem Unternehmen, gar nicht so einfach, ich sage mal, im großen Stil, die Firma aufrechtzuerhalten. Es ist schon so, dass wir sagen, okay, wir sind jetzt gerade in so einen Low-Season, also auch innerhalb des Jahres gibt es eine High-Season und es gibt eine Low-Season. Die High-Season beginnt meistens so im April.
GastIn den Sommermonaten wird deutlich mehr geflogen. Das geht dann Richtung Oktober wieder deutlich zurück. Im Winter stärkt es auf unterstem Niveau, außer vielleicht, sagen wir mal, um die Weihnachts-Neujahrszeit, wo die Leute in ihre Skigebiete kommen, ihre Verwandten besuchen wollen oder eben Neujahr feiern wollen. Auch das fällt dieses Jahr weg. Und wie geht es denn weiter? Kommt denn der Impfstoff? Und kommt die Schnelltests? Und werden die Länder wieder aufgemacht? Und das ist natürlich, sagen wir mal, für kleine Unternehmen, die nicht drei Jahre lang durchhalten können, um, sagen wir mal, in ihrer Wirtschaftlichkeit zu bleiben, sondern schon nach Monaten irgendwo ein Stück weit das Geld ausgeht, ein Faktor, den sie berüchtigten, wo wir sagen, also wir müssen relativ stark schnell in das Geldverdienen kommen und die Kapazitäten so steuern, dass wir hier keine Verluste machen oder zumindest break-even bleiben.
GastUnd zum Schluss muss man bei den ganzen Dingen, die jetzt gerade oben aufliegen, berücksichtigen, wie geht es denn in Zukunft mit anderen Themen weiter? Vertriebsthemen, Marketingthemen. Und bei Vertriebsthemen ist diese Branche sehr stark, nein, ich will es so formulieren, sie hat einen Nachholbedarf. Sie sind nicht so digital aufgestellt wie die großen Airlines oder vielleicht für andere Branchen. Da darf noch viel passieren. Viele, sagen wir mal, Strukturen basieren auf rudimentären Software, auf Excel-Tabellen, auf diesen Dingen. Da dürfen neue, moderne CRM-Systeme Einzug halten, auf der einen Seite, aber auch, wo bin ich vertreten? Gibt es bereits Plattformen, wo ich meine Kapazität einstellen kann, wo ich mich darstellen kann, wo ich präsent bin? Da gibt es das eine oder andere und sie sind, lass mich das so ausdrücken, nicht immer so richtig händelbar. Wir sind anders gewohnt von so einen sehr guten Oberflächen, wo wir einfach mit zwei, drei Klicks unsere Bestellungen machen. Ja, einige Plattformen bieten das schon, aber meistens nur für seine eigene Airline, wie zum Beispiel NetJets oder XO, aber wo sehr viele verschiedene Anbieter drauf sind. Das gibt es so in der Form noch nicht. Und ich denke mir, das wird in Zukunft ein Asset sein, so eine Plattform zu entwickeln und dann möglichst viele Kunden drauf zu ziehen, um eben einen Marktplatz zu bieten und zu bilden, um dort, dort erfolgreich zu sein.
GastDas sind meine fünf Herausforderungen, die sich 2020, 2021 stellen. Und sicherlich gibt es darüber hinaus viel mehr noch Punkte, aber ich denke mir, das sind die Key Facts, die derzeit oben aufstehen.
Torsten J. KoertingGroßartig, Stefan. Dann fass doch nochmal die fünf Herausforderungen für uns zusammen.
GastAlso, zunächst einmal ist es die Auslastung, die kurzfristig auch für diese Branche wichtig ist, um Geld zu generieren. Das Zweite ist, dass sie nämlich damit auch ihren Flugbetrieb aufrechterhalten und ihren Break-Even erreichen. Das Dritte ist, dass so schnell wie möglich die Reiserichtlinien auch deren Struktur bedienen, damit durch Impfstoffe oder Schnelltests auch die Möglichkeit des Reisens wieder geschaffen werden können. Viertens, ja, die Ungewissheit der Zukunft ist für diese Branche aktuell extrem nah. Und viertens, dass sie trotz diese ganzen Stressfaktoren sehen, wie können die zukünftigen Vertriebswege aussehen und bin ich bei beispielsweise verschiedenen Vertriebs- Online-Plattformen vertreten und wie komme ich da rein?
Torsten J. KoertingGroßartig, Stefan. Danke schon mal für diese Einblicke und auch deine Sicht auf die aktuellen Herausforderungen der Business und Private Jet Industrie mit den fünf, die du gerade auch nochmal zusammengefasst hast. Du hast es eben schon bei der letzten Fragestellung mit eingewebt. Es ist immer mal wieder so durchgeblitzt. Jetzt klingt das natürlich nicht wie die großen Herausforderungen der großen Airlines und dennoch ist es eine, glaube ich, wie du immer sagst, eine grandiose Chance auch für die Business und Private Jet Industrie, sich maßgeblich weiterzuentwickeln. Was glaubst du, mit welchen innovativen Konzepten diese Industrie, diesen Herausforderungen, die du eben gerade skizziert hast, begegnen kann?
GastNatürlich können wir die Politik nicht beeinflussen. Wenn die verschiedenen Länder beschließen, bestimmte Lockdowns zu machen oder eben Ausgangssperren zu verhängen oder der ähnlichen, dem müssen wir uns stellen, da können wir nicht viel ändern. Wir dürfen uns darauf vorbereiten, jetzt schon Dinge zu tun, die darauf hinwirken, nachdem das geschehen ist, nachdem wir wieder offene Grenzen haben, wirklich sofort zu starten und nicht erst dann zu überlegen, wenn wir quasi diese Hürde hinter uns haben. Und hier hatte ich zu meinem letzten Punkt eben den Vertriebsweg angesprochen. Zu einem die Digitalisierung einzelner Unternehmen, die, ich denke mir, deutlich, ich sage mal mal, innovativer gestaltet werden kann durch entsprechende CRM-Tools, die zum Teil da sind, zum Teil Einzellösungen sind und dann möglicherweise mit anderen nicht kompatiblen Softwaren eben nicht sprechen. Da kann man sich am Markt sicherlich das eine oder andere einkaufen und zum anderen zu gucken, okay, wie vertreibe ich den wirklich? Mein Key Account Team.
GastEs ist tatsächlich im Augenblick so, dass sehr viel Mund-zu-Mund-Propaganda ist. Jeder Key Account in so einem kleinen Unternehmen, das sind vielleicht zwei, drei nur, die haben ihre Kunden und häufig kommen die Kunden, neue Kunden dazu, indem sie Mund-zu-Mund-Propaganda machen. Ist das denn heute noch, ich sage mal adäquat? Ja, man kann damit überleben sicherlich und es ist nach wie vor ein wichtiger Aspekt, denn die Persönlichkeit oder die persönliche Beziehung zum Kunden wird in diesem Segment ist einfach unheimlich wichtig. Also alles zu automatisieren geht dort nicht. Nur, man darf das eine tun und das andere nicht lassen. Und das andere ist, wo bin ich denn noch präsent? Wo kann ich denn online in dieser heutigen Welt noch sehr viel präsenter sein? Und da kommt eben, wie gesagt, die Plattform ins Gespräch. Die großen Airline-Industrie haben in den 70er Jahren diese Plattforms generiert. GDSer, wie Amadeus, Sabre und Galileo und der gleichen. und heute in abgewanderte Formen durch die sogenannten OTAs, das heißt Online-Traffic-Plattformen, die quasi, wo man wir selber hingehen und sagen, Booking.com oder Expedia, wo wir unsere Flüge buchen. So was gibt es für die Private-Industrie nicht. Vereinzelte Ansätze. Was passiert heute? Es gibt eine Plattform, die heißt zum Beispiel Avinode. Und Avinode ist, ich darf es mal etwas despektierlich sagen, eher eine Marketing-Plattform. Man hat da ein Bild seines Zugzeuges, da steht dann das Datum drin, was gebaut wurde, wie viel Sitz es hat, es hat noch ein Bild innen und außen, man kann sich ungefähr vorstellen, was es ist. Toll. Und dann heißt es, ich gebe ein, ich fliege von A nach B und dann kommt da ein Preis und du sagst dir, super, der Preis hört sich gut an, ich klicke mal auf Buchen. Dann bucht er das und da steht er, wir werden uns bei Ihnen melden.
GastNichts mit Buchen. Was dahinter passiert ist, alles, was dahinter passiert, die Anfrage, die Checkung, wo das Flugzeug ist, ob das vollgetankt ist, ob die Maintenance gemacht wurde, ob die Piloten da sind, das wissen wir nicht. Das muss alles nochmal gecheckt werden, mit Telefonaten und so weiter. Und dann wird natürlich zurückgefragt, ja, also das Flugzeug ist verfügbar, aber nicht am Dienstag, sondern am Mittwoch und auch nicht um 10 Uhr, sondern um 8.30 Uhr. Wollen Sie das dann noch buchen? Und der Kunde sagt, naja, eigentlich nicht, ich wollte am Dienstag fliegen und nicht am Mittwoch. Sagt er, ja, dann ist das nicht der Fall. Ja gut, dann muss ich ihm ein anderes nehmen. So, und jetzt probiert er fünf Flugzeuge durch und stellt sich fest, naja, also von den fünf sind vier nicht richtig oder nicht da und der fünfte ist eigentlich nicht in meinem Zeitfenster, was ich haben möchte. Hey, was ist das denn? So, und hier darf man antreten, etwas Neues zu entwickeln, wo er der Kunde sieht, er hat das Flugzeug von A nach B und zu der Zeit, in dem Zeitshorizont, zu dem Slot für den Preis. Buchen, fertig, Abrechnung, Abwicklung,
Gastdie ganze, auch Zahlungsabwicklung ist dahinter, dann schreibt er noch rein, was er haben möchte, veganes Essen oder sonst irgendwas, ob er ein Champagner dazu haben möchte oder nicht und dann ist das fertig und alles wird im Hintergrund technisch automatisiert gemacht und nicht per Hand oder wie auch immer und das ist die Zukunft und da müssen die rein und da dürfen die mithelfen, quasi diese Dinge zu entwickeln. Es ist nicht so trivial wie bei den großen Airlines. Warum? Bei den großen Airlines ist ein Spreadsheet dahinter. Da steht dann, ich fliege von A nach B am Donnerstag um 8 und am Mittwoch um 8 und am Freitag um 8 und komme dann immer um 10 Uhr an. Es gibt es ja nicht bei der Privacy-Industrie, die ist ja bedarfsorientiert. Immer dann, wenn ein Bedarf entsteht, ich will morgens um 10 Uhr von Frankfurt nach Nizza fliegen, dann fliegt er da fliegen. Er will nicht um 11 Uhr fliegen, er will nicht um halb 10 fliegen. Er will um 10 Uhr fliegen. So, und das einzusteuern ist deutlich komplexer als ein Flugplan dahinter abzubilden, wo man einfach sagen kann, Flugplan 747, 400 Sitzplätze, 200 in Eco, 100 in Business und der Rest in First und dann kann man da einfach buchen. Das ist tatsächlich einfacher. Deshalb hat man bislang noch keine so große Lösung gefunden, zum Ersten. Und zum Zweiten ist die Branche natürlich auch vom Volumen her, auch vom Vertriebsvolumen her, vom Geldvolumen her, deutlich kleiner. Ja, so ein Galileo Amadeus zu programmieren, hat schon zig Millionen gekostet. Zig Millionen für so ein Tool,
Gastdas verträgt die Branche am Anfang nicht. Das heißt, man muss halt überlegen, wo fängt man an und wo baut man ein kleines Modul auf, um dann verschiedene andere Module dranzusetzen. Und das sollte, müsste, könnte, wird in dem Augenblick entwickelt durch verschiedene Möglichkeiten, durch verschiedene Ansätze, die ja heute erst durch die Technologie möglich gemacht wird. Vor 10, 20 Jahren war das einfach noch nicht möglich.
Torsten J. KoertingDu warst ja jetzt lange Jahre in der Verantwortung für die Business und Private Jet-Bereich bei der Lufthansa und kannst dich somit, glaube ich, auch ganz gut in die Perspektive eines CEOs, eines Verantwortlichen für einen Business und Private Jet-Anbieter, ob jetzt Operator, Broker oder Provider, im Markt hineinversetzen. Wenn du mal auf die aktuellen Herausforderungen schaust beziehungsweise die innovativen Impulse, auf die du gerade eingegangen bist, wenn du die mal reflektierst, welche Botschaft würdest du auch aus deiner eigenen Erfahrung den CEOs, der Anbieter in diesem Marktsegment zurufen und mit welchen Impulsen würdest du diese Botschaft untermauern, Stefan? Und da,
bis zum nächsten Mal.