Yvonne de Bark - Über die Akzeptanz des Scheiterns, Autonomie und gute Wirkung
Folge anhören
Der Ton wird erst geladen, wenn Sie auf Play drücken — vorher geht kein Request zu Libsyn raus. Näheres in der Datenschutzerklärung.
Yvonne de Bark ist Autorin, Topspeakerin, Schauspielerin, Coach und Unternehmerin. Sie hat eine außergewöhnliche Karriere gemacht, hat 28 Jahre als Schauspielerin gearbeitet, 11 Bücher geschrieben und begeistert Menschen auf der Bühne. Sie hilft anderen, online wie auch offline, sich gut und professionell in Szene zu setzen und ihre Wirkung vor der Kamera zu verbessern.
In dieser Folge erfährst du:
- wie Yvonne entdeckt und Schauspielerin wurde und warum Schauspieler nicht spielen, sondern im Moment sind [09:00]
- wie man ins Gefühl kommt und dieses auch gut vermitteln kann [16:37]
- wie Improtheater allen, die auf der Bühne, im Vertrieb oder mit Menschen arbeiten helfen kann und warum man lernen darf die Angst vorm Scheitern zu überwinden [22:21]
- wie Yvonne ihre Schauspielzeit erlebt hat und warum sie diese im Nachhinein mehr hätte genießen wollen [26:57]
- warum Autonomie ein wichtiger Faktor für Zufriedenheit ist [29:29]
- wie wir uns ein Hamsterrad erschaffen [32:24]
- wieso es wichtig ist Verantwortung zu übernehmen, auch in sehr schweren Momenten des Lebens [36:34]
- warum Schicksalsschläge das Leben bereichern können [40:51]
- wie es dazu kam, dass Yvonne sich von der Schauspielerei löst, um einen neuen Lebensweg zu gehen [43:23]
- wie Yvonnes Anfänge in der Speakerszene waren [51:36]
- wie die Pandemie Yvonnes Welt auf den Kopf gestellt hat und wie sie die „neue Wirklichkeit" für sich genutzt hat [1:01:52]
- Yvonnes Erfolgsfaktoren, die sie für sich anwendet, um erfolgreich zu sein [1:10:20]
Hier findest du Yvonne:
Website: https://yvonnedebark.de/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/yvonnedebark/
Instagram: https://www.instagram.com/yvonnedebark/
Viel Spaß bei dieser Folge.
Das Transkript zum Nachlesen
Maschinell erstellt und nicht redigiert — Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Sprecher automatisch getrennt; Gäste sind nicht namentlich zugeordnet. 12.294 Wörter, 81 Minuten Gespräch. Als Textdatei laden.
Torsten J. KoertingHallo und herzlich willkommen zum Umsetzungsgiganten-Podcast und heute auch wieder mit einem ganz besonderen Gast, die ich schon vor mehreren Jahren kennenlernen durfte. Sie hat damals ein Impro- und Körpersprachen-Seminar oder Tagesworkshop im Rahmen unserer Mastermind- und Menti-Gruppe gehalten. Und das war so außergewöhnlich, dass ich ihr seitdem natürlich gefolgt bin. Und das, was in den letzten anderthalb Jahren im Rahmen ihres Businesses passiert ist. Denn sie kommt aus der Schauspielschule, sie ist Impro-Expertin, sie ist einer der bekanntesten Speakerinnen in Deutschland, steht auf den großen Bühnen und ist natürlich jemand, die sehr stark im Offline, also in der realen Welt zu erleben war. Und so wie es über all die Jahre und Jahrzehnte immer wieder Wendepunkte in ihrem Leben gegeben hat, gab es wieder einen Wendepunkt zum Anbeginn der Pandemie, was alles verändert hat. Und sie hat wieder bewiesen, dass diese Veränderung und diese Zuversicht auf sich selbst aufgrund der Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht hat, darin mündet, auch sich hier wieder neu zu erfinden beziehungsweise sich blitzartig auf die neue Situation einzustellen. Sie ist seit Anbeginn der Pandemie, hat sie einen Teil ihres Businessmodells komplett umgestellt und ist seit Tag 1 der Pandemie im Online unfassbar erfolgreich. Sie ist gestartet mit einem Online-Kurs zum Thema Wirken in der Online-Welt und ist seitdem mit vielen Seminaren, Workshops, die sie online sowohl für Einzelpersonen als auch für Corporates durchführt, unfassbar erfolgreich. Und im Rahmen dieses Interviews gehen wir genau auf diese Wendepunkte in ihrem Leben ein. Wir gehen da drauf ein, was sie in diesen einzelnen Phasen des Lebens immer wieder angetrieben hat, um zu dem Menschen zu werden, der sie heute ist und in die Lage versetzt, andere Menschen zu begeistern. Und wir reflektieren natürlich die letzten anderthalb Jahre speziell in dem Kontext, wie sie diese Wende geschafft hat und wie sie damit bis heute umgeht. Und dieses Interview ist auch wieder ein sehr tiefgehendes. Freut euch darauf und freut euch auf meinen heutigen Gast Yvonne de Barck.
Torsten J. KoertingUmsetzungsgegangen
GastHerzlich willkommen zum Umsetzungsgiganten-Podcast.
Torsten J. KoertingHerzlich willkommen, liebe Yvonne de Barck.
GastDankeschön.
Torsten J. KoertingJa, es ist Montagmorgen. Es ist halb zehn und wir grooven uns hier noch ein und starten mal einfach so in den Podcast rein. Aber auch Yvonne, du darfst dich nicht oder wirst der ersten Frage nicht ausweichen können. Stell dir vor, wir sind irgendwo in den Bergen unterwegs. Und wir kommen von zwei Seiten auf eine Berghütte zu, treffen uns dort abends, sitzen da lauschig zufällig am gleichen Tisch zusammen. Und nachdem wir den Abend oder den Tag reflektiert haben und auch schon wissen, wo der eine oder der andere am nächsten Tag hinwandern wird, kommt irgendwann vielleicht mal die Frage, was machst du sonst so, Yvonne? Was wäre deine Antwort?
GastAh, wir kennen uns noch nicht? Nein. Weil das hätte ich jetzt cool gefunden, wenn wir uns mal auf einer Hütte treffen und man endlich Ruhe hätten. Ganz, ganz in Ruhe zu quatschen und nicht immer so zwischen Tür und Angel und mal schnell, schnell.
Torsten J. KoertingDie Zeit haben wir dort.
GastDu, ich würde dich zuerst reden lassen, weil ich hasse es, über mich selber was zu erzählen. Ich hasse es. Und deswegen würde ich sagen, Mensch, du, Philipp, was machst du denn so?
Torsten J. KoertingPhilipp, bist du im falschen Podcast-Interview. Das ist der andere.
GastDas wäre schon mal das Erste. Dann würdest du fragen, wieso Philipp? Dann sage ich, ich kann mir keine Namen merken.
Torsten J. KoertingDann sage ich, ich habe mich doch noch gar nicht vorgestellt. Wer ist Philipp?
GastAlso, ich würde dich reden lassen. Ich würde mir anhören, wer du bist. Und dann würde ich daraus überlegen, was ich dann erzähle. Ob ich dann erzähle, dass ich Schauspielerin war, Klammer auf, manchmal selten bin, Klammer zu. Oder ob ich Trainerin, Coach, Speaker bin oder Unternehmerin. Das würde ich dann tatsächlich darauf abstimmen. Je nachdem, was du erzählst. Manche sind, also, ich müsste wissen, wo du bist und was du machst und wie du in dir selbst gefestigt bist und was du für ein Mensch bist. Manche reagieren tatsächlich komisch, wenn ich sage, ich bin Schauspielerin. Oh, du bist Schauspielerin. Wo habe ich dich gesehen? Ja, und dann fange ich an, dann fange ich an da und da und da und ich habe aber so viel mehr gemacht. Ich habe elf Bücher geschrieben, die ich auch selber geschrieben habe. Leidenschaftlich würde mich auch freuen, wenn ich jetzt endlich mal mein zwölftes schreiben kann. Ich liebe, ich liebe dieses Tippen auf der Tastatur. Ich liebe, liebe, liebe, liebe es. Nicht nur Bacon, ich liebe auch Tippen auf der Tastatur und mit Worten zu spielen. Für den Bacon können wir nachher noch kommen. Tut mir leid für alle Vegetarier. Es könnte auch veganer Bacon sein. Den gibt es übrigens auch.
Torsten J. KoertingGibt es ja mittlerweile auch.
GastHauptsache, es knuspert und ist salzig. Ja, das ist sehr schön.
Torsten J. KoertingIch glaube, ihr kopiert das alle irgendwie voneinander. Ich hatte letztens ein Interview mit Michael Rossier. Den kennst du sicherlich auch von der GSA. Ihr teilt euch ja Bühnen kontinuierlich miteinander. Und der hat das genauso gesagt. Ich will erst mal wissen, was du machst. Und aus dem Vorgespräch weich ist das ja. Und dann ist der da voll eingestiegen. Musst dir mal anhören. Umsetzungsgiganten-Podcast-Interview mit Michael Rossier. Und genau der Einstieg. Und seitdem er das gemacht hat, jedem unserer Mentees, jedem unserer Kunden sage ich, Mensch, Elevator-Pitch war gestern. Heute fragst du erst mal den anderen, was er tust. Und dann stimmst du dir da drauf ab.
GastAch, krass. Ja. Mit Michael Rossier war ich jetzt auf der Speakers-Excellence-Bühne. Und wir finden uns beide sehr gut und großartig, glaube ich. Das würde ich jetzt mal behaupten, Michael. Also ich finde dich großartig. Und ich glaube, du magst mich auch. Und findest das auch gut, was ich mache. Zumindest hast du das auf der Bühne gesagt. Und ja, wir haben, also ich habe es nicht von ihm und er hat es nicht von mir. Aber es ist wahrscheinlich so in den Sternen oder in den Genen bei euch. Dass man den anderen ein bisschen highlightet, weil diese es sich selber so wichtig machen. Ich glaube, das ist einfach passé. Also, oder? Ich weiß nicht, Torsten, was sagst du?
Torsten J. KoertingWir werden ja immer wichtig gemacht, gerade auf den Bühnen. Wenn du angefragt wirst, wenn du angefragt wirst, wenn du angefragt wirst für eine Bühne, gibt es ja meistens dahinter, diese, also da fühlt man, ist auf einmal so viel, was da gesagt wird. Und du hast ja selbst jetzt eben auch gesagt, Schauspielerin, Trainerin, Trainerin, Speakerin, Coach, Unternehmerin. Du hast ja natürlich Autorin mit elf Büchern, das zwölfte, kurz vor der Fertigstellung. Gedanklich. Yvonne, das ist, ich weiß nicht, wie du das beschreiben würdest. Reinhold Messner hat mal gesagt, er ist in der siebten Phase seines Lebens. Jede Phase hatte eine intrinsische Motivation, jede Phase hat einen Fokus gehabt. Ob das die 14 Achttausender gewesen sind, ob das das Durchqueren der Salz- und Eiswüsten gewesen ist, ob es die sechs Messner Mountain Museen sind, die er gebaut hat auf ganz außergewöhnlichen und in ganz außergewöhnlichen Orten in den Alpen. In welcher Phase des Lebens befindest du dich gerade?
GastWenn ich es in Phasen einteilen würde, also ich habe Schauspielerei, also bis zur Schauspielerei eine Phase, dann die Schauspielerei zweite Phase oder erste Karriere, dann Autorin zweite Karriere. Also dritte Phase und dann die Trainer, Speaker, Coach und ich mache alles drei leidenschaftlich, wäre die vierte Phase beziehungsweise die dritte Karriere. So und da bin ich jetzt mit 48 Jahren. Ja, ja, vier, also dann bin ich jetzt in der vierten Phase.
Torsten J. KoertingFangen wir mal in der ersten Phase an oder in der zweiten. Die zweite war die, genau die erste Phase, die so dahingeschwabbelt ist, bis du dann Schauspielerin geworden bist. Gibt es den Moment in deinem Leben, wo du dich entschieden hast, Schauspielerin zu werden oder wie ist das gekommen?
GastNee, ich wurde ja entdeckt.
Torsten J. KoertingVon deinem Lehrer damals in der Schule oder?
GastNein, nein, nein.
Torsten J. KoertingWie wurdest du entdeckt?
GastIch versuche eine lange Geschichte kurz zu machen. Ich habe, also ich muss es doch ein bisschen ausholen. Also 1900, nein Schmaler. Damals. Von meiner Mutter wurde ich zu einem Schönheitswettbewerb angemeldet. Da habe ich mitgemacht und habe gedacht, ach, weißt du was, nimmst du mit? Den habe ich gewonnen und von da aus wurde ich dann immer auf irgendwelche Events eingeladen. Und da habe ich jemanden kennengelernt, der mich dann, jetzt wird es kürzer, der mich dann zu einer Veranstaltung gebracht hat, weil er gesagt hat, ich brauche dringend einen Personal Assistant für die Aufnahmeleitung. Aufnahmeleitung ist beim Film oder bei Shows ist immer jemand, der sich um die Gäste kümmert, der sich um die Schauspieler kümmert, der sich kümmert, dass alle immer rechtzeitig da sind, wo sie sein müssen. Und ich hatte die Aufgabe, mich um Thomas Gottschalk, Günther Jauch, den Busse, mich um diese ganzen Stars zu kümmern, dass die rechtzeitig von hinter der Bühne auf der Bühne sind. So, Schubs, du bist dran, Thomas. Schubs, sie sind dran, Herr Jauch.
GastUnd das habe ich dann gemacht und bei der Aftershow-Party konnte ich dann endlich dieses Headset ablegen, womit man dann da rumgelaufen ist, so, hey, Mayday, Mayday, wir haben ein Problem, Günther Jauch ist nicht aufzufinden. Und er hat sich verquatscht mit Gottschalk. Und dann habe ich bei der Aftershow-Party, durfte ich dann auch ein bisschen feiern, hatte ich mir ja auch verdient. Und stand dann mit Otto rum, Otto Walkes, wir haben uns gut verstanden, haben ein bisschen gequatscht und gelacht und geschäkert. Und dann kam ein etwas kleinerer, älterer Herr auf uns zu, mit so einem Rausche-Bad und der hat dann gesagt, wer bist denn du, was machst denn du zu mir? Und der Otto knufft mich so in die Seite und sagt, sag, du bist Schauspielerin. Und ich, ich bin Schauspielerin. Und ja, zwei Wochen später war ich in Rom beim Casting für einen internationalen Kinofilm mit den Filmsöhnen von Bud Spencer und Terrence Hill. Weil das war nämlich zufällig der Produzent von den Karl May-Filmen, Winnetou, von den L'Oreal-Filmen, von Ottos-Filmen, von Edgar Wallace, von all diesen Filmen. Und ja, den habe ich kennengelernt, war frech genug zu sagen, dass ich das kann. Und dann war ich da beim Casting und dann ging es los.
Torsten J. KoertingDas Casting, wahrscheinlich wie damals den Schönheitswettbewerb, auch gleich gewonnen.
GastAlso die Rolle bekommen. Ja, ich mochte das ja schon immer schon. Also auf der Straße auch, wenn ich als Teenager rumgelaufen bin, ich habe immer Leute imitiert. Ich habe die so Street-Comedy, sagt man da glaube ich, dazu. Ich fand es halt einfach lustig, die zu parodieren oder zu imitieren, wie die gegangen sind. Und die sich bewegt haben. Irgendwas, das fand ich toll.
Torsten J. KoertingDas heißt dann die Schauspielkarriere auf einem Fundament, wo die Ausbildung noch gar nicht da gewesen ist, sondern nur das Gefühl.
GastJa, das war dramatisch, weil ich habe gedreht und gespielt, ohne Ahnung davon zu haben, war aber wohl leicht talentiert, was ich in aller Bescheidenheit mal so sagen darf. Und habe dann danach eine Schauspielausbildung gemacht, nach dem Film, um dann eine fundierte Ausbildung zu haben. Und die habe ich gemacht, in München habe ich die angefangen, dann in Los Angeles war ich ein halbes Jahr und dann in Berlin fertig gemacht.
Torsten J. KoertingUnd die hast du gemacht, weil du musstest oder weil du das Fundament schaffen wolltest oder gab es eine andere Motivation, die du in dir entdeckt hast?
GastNee, weil ich Sicherheit haben wollte in dem, was ich tue. Und ich wollte auch mich nicht immer rechtfertigen bei Castingfirmen. Ja, so, wo haben sie denn ihre Ausbildung gemacht?
Torsten J. KoertingZertifikat gerade nicht da.
GastIch habe ein Film gedreht, reicht das? Das war mir dann zu wenig. Und ich wollte wissen, was dahinter steckt. Wie man auf diesem bisschen Talent, was ich da hatte, wie man aufbauen kann, wie man tatsächlich das Handwerkszeug erlernen kann, das dazugehört. Wie du Emotionen kreieren kannst und die dann transportieren kannst. Ohne zu übertreiben. Das ist ja auch das, was jetzt im Business, was ich ja auch teilweise schule. Ich schule ja die situationsadaptive Authentizität. Das heißt, ich sage nicht, du musst jetzt die Hand so halten oder du musst den Kopf so halten, dann wirkst du so und so. Sondern die Körpersprache kommt ja von innen. Also das, was du transportieren willst, kommt von innen. Und da muss man sich ein bisschen drauf einlassen und ein bisschen eingrooven. Die besten Vertriebler sind die besten Schauspieler. Warte, bevor jemand sagt, Schauspieler, die lügen ja, die spielen uns ja was vor. Nein, das stimmt überhaupt nicht. Schauspieler spielen nichts vor, sondern sie sind in dem Moment in der Rolle. Genauso wie ein guter Vertriebler oder ein Unternehmer in seiner Rolle ist und genau weiß, was er in dieser Rolle zu erfüllen hat. Genauso sind Schauspieler. Wenn ich verliebt spiele, dann bin ich in diesem Moment. Also ein großer Teil von mir ist verliebt. Das ist ja auch so eine, Brad Pitt und wie heißt die, Angelina Jolie. Die haben sechs, ich glaube zwei, drei Monate, da haben die ja für einen Film gedreht, keine Ahnung. Die haben die ganze Zeit verliebt spielen müssen und irgendwann passiert das. Irgendwann geht das dann auf deine Kerne.
Torsten J. KoertingDann waren sie wirklich verliebt und verheiratet.
GastUnd das ist mir auch schon passiert. Wenn ich über Monate verliebt spielen musste, da habe ich mich auch verliebt. Das habe ich einmal gemacht und dann habe ich kapiert, nee, warte mal, das stimmt ja irgendwas nicht. Und wenn man das weiß, dann kann man damit umgehen. Aber was wollte ich sagen? Ach ja, Schauspieler spielen nicht, sondern sie sind in dem Moment in der Rolle.
Torsten J. KoertingJetzt bist du ja, also das war jetzt die erste oder die zweite Phase in deinem Leben mit der Ausbildung, mit all den Erfahrungen im Rahmen der Schauspielerei. Ich glaube, ich habe jetzt jemanden hier, der uns so einen echten Insider-Tipp geben kann. Ja, unser gemeinsamer Speaker-Kollege, Tobi Beck, der in seinen Ausbildungen ja einen wesentlichen Aspekt vermittelt. Er sagt, das, was den außergewöhnlichen Speaker von allen anderen da draußen unterscheidet und an seinem schlechtesten Tag immer noch besser werden lässt als alle anderen, ist der, dass man ihn auf der Bühne spürt und wahrlich wahrnimmt, also ohne Maske wahrnimmt. Wenn du jetzt sagst, als Schauspielerin ist man in dem Moment oder ist man im Gefühl, was ist dein Tipp als Insiderin, ins Gefühl zu kommen? Ob als Speaker, ob als Unternehmer, ob als Trainer, ob als Berater oder als Coach, wie du sagst.
GastKlingt einfach, ist in der Umsetzung gar nicht so einfach. Man muss sich sein Ziel, also man muss sich klar sein, was will man in der Situation. Das ist wie, wenn du eine Szene spielst und der Zuschauer muss danach das Gefühl haben, Mensch, die hat doch die Bank ausgeraubt, jetzt weiß ich es. Das heißt, du musst wissen, was soll der andere empfunden haben, wie soll es dem anderen gehen und was ist dein Ziel, was ist dein Ziel dieser Szene? Szene ist immer jedes Gespräch, jede Kommunikation, jede Berührung, also nicht Berührung, aber jede, du weißt schon, jede zwischenmenschliche Kommunikation hat ein Ziel. Wenn man sich das Ziel klar macht, dann hat man das vor Augen und dann kann man das auch verfolgen. So, die Frage ist, was ist dazu notwendig? Wenn ich das Ziel habe, als Vertriebler, besonders bei Online-Verkaufsgesprächen zum Beispiel, besonders positiv einen positiven ersten Eindruck zu machen, dann weiß ich, welches Handwerkszeug ich dazu benutze, um dieses Ziel zu erreichen. Das heißt, ich habe ein gutes Setting, ich weiß, wie ich angezogen sein muss, ich fühle mich wohl, ich schalte die Kamera ein und ich bin, solange die Kamera an ist, bin ich auf der Bühne und der andere sieht mich. Und das ist Handwerkszeug, das muss man wissen. Das bringe ich den Leuten auch bei, vor der Kamera, dass man da so, Verzeihung, vor der Kamera, dass man da auch sich professionell darstellen kann, geben kann. Also Ziel, Handwerkszeug und die Hindernisse zu kennen. Das finde ich auch noch unglaublich wichtig, dass man…
Torsten J. KoertingWas ist ein Hindernis? Mach mal ein Beispiel. Was könnte ein Hindernis sein?
GastDie Argumente zu kennen, die das dein Gegenpart bringen könnte, damit man da vorbereitet ist. Und wenn du vorbereitet bist auf alles, dann kannst du aus deinem Fundament, kannst du improvisieren. Daraus heraus kannst du improvisieren. Ich weiß nicht, ob du das… Handling Shit, kennst du das Buch von Frederik Hümmerke?
Nee.
GastFrederik Hümmerke hat eine Strategie entwickelt, die ich jetzt auch anwende. Und das ist eine Beziehungsebene und Inhaltsebene, sich vorzubereiten. Beziehungsebene, was kommen für Argumente? Inhaltsebene, was kommen für Argumente? Und da schon die Antworten vorzubereiten. Das sind Hindernisse, die kann ich vorbereiten und dann bin ich safe. Dann weiß ich, wie ich reagieren muss.
Torsten J. KoertingUnd wenn ich alles drei, ich will mal sagen, beherzige, also vom Ziel, vom Handwerk und von den Hindernissen, dann gelingt mir das als Unternehmer oder auch als Speaker in das Gefühl zu gehen?
GastJa, also es ist einfacher als Vertriebler, als Schauspieler, weil als Schauspieler musst du auch in negative Gefühle reingehen. Oder solltest du als Vertriebler… Vertriebler, oh, sie haben nicht gekauft, sie haben nicht gekauft. Und wenn du mit mit Mitarbeitergesprächen solltest du auch nicht in negative Gefühle reingehen. Das heißt, du kannst das schon mal alles weglassen. Du kannst die ganzen negativen Emotionen schon mal weglassen und kannst dich auf die Positiven konzentrieren. Dass du dich vorher einkitschst. Womit hat man Probleme? Lampenfieber vor einem wichtigen Auftrag. Zweites Problem ist, du hast vorher ist dir irgendwie eine Laus über die Leber gelaufen. Du bist geblitzt worden, während du zum Termin fährst. Und solche Sachen sind im Vorhinein Hinderungsgründe und die solltest du im Griff haben. Das heißt, du solltest auf jeden Fall wissen, wie du Lampenfieber beherrschst oder beziehungsweise benutzen kannst für dich. Oder du solltest wissen, wie du dich in gute Stimmung bringst. Schon vorher.
GastUnd das dann eben nur die Positiven und nicht die Negativen. Ich habe immer bei der Schauspielerei, ganz kurz, bei der Schauspielerei, wenn ich eine traurige Geschichte zu spielen hatte, Irgendjemand hat irgendwas getan und dann musste ich heulen. Oder eine Freundin ist krank geworden und dann musste ich weinen vor der Kamera. Ich habe mich immer hinter die Bühne, also hinter die Zimmer sind ja so aufgebaut. Die Kulissen, so heißt es. Hinter die Kulisse habe ich mich verkrochen in ein Eck rein, in ein dunkles Eck und habe mich zusammengekauert. Embryostellung, weil Rückkopplungseffekt, das, was wir im Körper machen, wirkt ja auf das Gehirn. Embryostellung und habe mich eingekitscht. Also habe mich so eingegroovt, dass ich jetzt ein bisschen trauriger werde, dass ich nicht mehr high live und hi, hi, hi, hi. Und sitzt dann da so, mache ich immer. Und dann kam eine Kostümbildnerin vorbei und die sieht mich da sitzen, kauernd, kurz vor meiner dramatischen Szene. Und sie kommt zu mir, was ist denn los? Was ist denn, Yvonne, ist was passiert? Kann ich dir helfen?
GastPetra, komm mal, der Yvonne geht es nicht gut. Und er so, ja, ich bin im State, ja. Genau so, genau so darf es sein.
Torsten J. KoertingJa, krass. Würdest du gerade jetzt Unternehmern, Beratern, Trainern empfehlen, eine Schauspielausbildung zu machen? Um besser in ihren Rollen zu sein?
GastNö. Nö, ich würde eher Impro-Theater empfehlen. Weil das Impro-Theater, ich bin ja ein großer Freund von Nuggets, von schnell viel rausholen. Du kennst mich ein bisschen, meine Persönlichkeitsstruktur ist, wenn wir denn jetzt mal davon ausgehen, dass es sowas ähnliches gibt. Also ich bin von der Persönlichkeitsstruktur her rot, gelb. Bei mir muss alles schnell gehen, ich muss möglichst schnell, möglichst viel rausholen. Details langweilen mich zu Tode, Zahlen langweilen mich zu Tode. Und Impro-Theater, da kann man viel schneller, viel mehr rausholen als von der Schauspielausbildung, ist meine Meinung. Weil beim Impro-Theater lernst du scheitern. Das Scheitern zu lieben. Die Leute fragen mich immer, warum bist du denn so cool vor der Kamera? Warum bist du denn bei Vorträgen? Ihr habt Vorträge, die um die ganze Welt gingen. Vorträge hier greater oder was. Mein Lampenfieber hält sich da tatsächlich in Grenzen und ich mache mich da zum Horst. Ich mache mich so zum Affen. Aber warum? Weil ich so Bock aufs Scheitern habe. Ich bin, wie ich bin. Und ich habe mich oft genug vor der Kamera gesehen und ich weiß, was blöd wirkt. Und ich weiß, was gut wirkt. Das heißt, ich habe grundsätzlich mal eine Haltung, mit der ich mich selber auch sehen will.
Torsten J. KoertingVielleicht hast du ja ein, zwei Tipps, wo das in Deutschland deiner Meinung nach gut vermittelt wird und für einen Berater. Es gibt ja den großartigen Ralf Schmidt, den wir beide sehr gut kennen, der mit seinem Impro-Hotel in Mallorca, glaube ich, letztes Jahr nicht so viel machen konnte, wie er eigentlich wollte. Aber dieses Jahr, glaube ich, wieder das ein oder andere Format anbietet. Aber es gibt sicherlich auch noch andere großartige in Deutschland, wo man vielleicht zwei Tage oder eine Woche mal das Scheitern lernen kann. Ohne gleich zu Sascha Lobo zu gehen.
GastIch weiß nicht, ob das wirklich ein, zwei Wochen sein muss. Das ist einmal den Schalter im Gehirn umzuschalten, umzuklicken und dass man versteht, wenn du das Fundament hast, dann kannst du daraus alles machen. Und Scheitern macht Spaß. Also nicht scheitern, ihr wisst schon, was ich meine. Nicht versagen, aber die Angst vorm Scheitern, die sollte fallen. Ich bin ja echt mittlerweile, denke ich, naja, dann ist das halt so. Und mir ist jedes Mal passiert mir irgendwas vor irgendeiner Präsentation. Irgendwas passiert mir. Dann platzt mir dann mein Rockknopf weg. So, dann weiß ich nicht, soll ich jetzt so auf die Bühne gehen, während ich das halte? Oder dann renne ich halt zum Hotelier und sage, hast du mal eine Sicherheitsnahe? Irgendwas passiert immer oder meine Präsentation ist nicht da oder irgendwas passiert immer. Und ich denke, okay, wenn was passiert ist, dann ist das halt so. Ich habe mich, ich bin ich auf der Bühne, ich weiß, was ich kann. Ich mache das ja nicht zum ersten Mal und dann kann ich immer noch alles Mögliche erzählen. Dann ist das halt so.
GastOder ich bin hier neulich durchgestolpert hier vor der Kamera. Bin ich durchgestolpert, weil ich hier immer Sachen rumliegen habe, die ich demonstrieren will. Irgendwelche Laptop-Stände oder sowas. Dann bin ich halt drüber geflogen. Ja, und? Ja, und?
Torsten J. KoertingDer Kopf bleibt dran, das Leben geht weiter.
GastOder irgendjemand sagt dann, ich habe ja lange Haare und dann, Frauen mit langen Haaren, die können mir das nachempfinden. Dann sitzt die Locke nicht richtig. Ja, und? Dann sitzt sie halt nicht richtig. Mir hat ernsthaft mal jemand gesagt, du siehst manchmal aus, als wärst du gerade aufgestanden. Ja, und? Ja, und? Also wenn ich das mit meiner Leidenschaft wieder wettmachen kann, dann ist das doch alles gut. Ich liebe das, was ich tue und das sollte sich übertragen. Und nicht die Haarlocke. Ey, sorry. Nicht die Haarlocke.
Torsten J. KoertingAlso wenn wir Phase 2 deines Lebens, ich will nicht sagen mal zusammenfassen, aber dieses Phase 2 des Lebens, da gucken vielleicht andere drauf, sagen, oh Mann, was die Yvonne da alles schon gerade so am Anfang mit Gottschalk, mit Jauch. Damals waren sie vielleicht, ich weiß nicht, wie bekannt sie damals schon gewesen sind, aber ich glaube, sie waren schon nur mal im deutschen Fernsehen. Und mit denen da Backstage zu stehen und in den After-Partys da noch rumzuschawenzeln. Ja, da ist so viel schon dabei, ja, auch mit deinen Produktionen und mit deinen Filmen. Was war in der Phase der für dich größte Erfolg und was war dein Rezept oder deine, ja, wie soll man sagen, deine Erfolgsfaktoren, die den haben möglich werden lassen?
GastIn der Schauspielerei, meinst du?
Torsten J. KoertingJa, Phase 2 deines Lebens.
GastPhase 2, naja, Phase 2 fand ich jetzt im Nachhinein, fand ich gar nicht so toll, weil ich konnte es in dem Moment nicht, ich habe ja wirklich viel gearbeitet, ich habe alles Mögliche gedreht, Küstenbach, Rosenheim, Kops, der Lehrer, der Alte, ich habe sogar Edgar Wolle gedreht, ich habe Kinofilme gedreht, ich habe Marienhof unter uns, Cobra 11, Motorrad, Kops, ich habe alles Mögliche gedreht, 28 Jahre lang vor der Kamera, da kommt was zusammen. Aber im Nachhinein konnte ich es gar nicht so genießen, das alles. Ich kann jetzt, kann ich es viel mehr genießen, weil ich jetzt auch mir das selber erarbeite. Du wirst als Schauspieler gehypt. So, als Schauspieler bist du der Star einer Serie. Ich hatte auch meine eigene Serie, Motorradkops hieß das, da war ich einer von drei Protagonisten und ich war die einzige Frau. Und es wird ja alles für mich, ich bin in Jogginghose, bin ich zum Set, müsst ihr euch mal vorstellen, ihr geht in Jogginghose ins Büro und zieht euch da erst um. Aber nein, ihr zieht euch nicht um, sondern es zieht euch jemand an. Es schminkt euch jemand. Es macht euch jemand die Haare. Stellt euch das mal vor, wie skurril das wäre. Aber das war bei mir jeden Tag so. Ich bin aufgestanden, habe geduscht, Jogginghose an, noch mit nassen Haaren, bin zum Set gefahren und dann wurde ich erst mal schick gemacht. Und das ist natürlich, und dann, ich habe Durst, kenne ich mal ein Glas Wasser, wupp, dann kommt das Glas Wasser. Weil du musst ja funktionieren vor der Kamera. Du wirst gesehen. Dass da ein riesen Team dahinter steckt, das spürt man ja nicht. So, und das hätte ich mehr genossen, glaube ich, hätte ich mehr genießen sollen, das alles. Nur bist du auch wahnsinnig unter Stress. Der Sender, der guckt, ist die Einschaltquote okay, der Regisseur ist nervös, wenn eine Szene nicht so gelaufen ist, die Emotion richtig rübergekommen ist und so weiter und so weiter. Das ist ja ein Riesendruck dahinter.
GastUnd mein Lieblingsprojekt war immer das Letzte, was ich gemacht habe, weil ich mich immer in alles reingesteigert habe. Volle Kanne. Aber so der Klassiker, wenn mich, also wenn mich das jemand fragt, was war das Wichtigste, würde ich sagen, das war schon Motorrad Cops.
Torsten J. KoertingDeine eigene Serie.
GastJa, also meine eigene Serie klingt blöd, aber da war ich Protagonistin und nicht Episodenrolle oder so.
Torsten J. KoertingWenn du jetzt auf die 28 Jahre schaust, gibt es da etwas, wenn du jetzt zurückblickst, was du anders machen würdest, um es anders, vielleicht auch intensiver oder bewusster wahrzunehmen?
GastIch glaube, manche Sachen kommen einfach mit dem Alter. Ich weiß nicht, du bist ein bisschen jünger als ich, glaube ich.
Torsten J. Koerting49. Ah, wir sind gleich alt. Ja, 50.
GastJa, also wir sind fast gleich alt. Ich bin nächstes Jahr 50.
Oh Gott.
Torsten J. KoertingDas ist krass, ne? Da haben wir beide die 5 da vorne stehen.
GastDann kann man wirklich sagen, Alter.
Torsten J. KoertingGeh auf ein erfülltes Leben zurück.
GastJa.
Torsten J. KoertingWas würdest du anders machen? Also du sagst ja gerade, das war Stress, das Bewusste.
GastIch weiß, was ich anders machen würde und ich glaube, das ist was für deine Zuhörer, für euch. Ich würde mir mehr Autonomie erarbeiten, auch wenn mir alles zufällt. Oder wenn ich an die Hand, also als Schauspieler wirst du an die Hand genommen und wirst zu Castings gebracht und wirst dann zum Set gefahren und du musst nichts mehr selber machen, außer deinen Text abliefern beziehungsweise du musst dann spielen. Du musst das auch noch gut spielen. Okay, ja. Aber du hast nichts selbst zu entscheiden. So, und ich hätte jetzt mit dem, was ich mache, ich kann alles selbst entscheiden. Ich kann mein Marketing selbst entscheiden. Ich kann entscheiden, wie viel ich arbeite. Ich kann entscheiden, ob ich arbeite. Ich kann entscheiden, mit wem ich arbeite. Ich habe auch schon Unternehmen gesagt, nö, ich glaube, das funktioniert nicht. Wir beide passen einfach nicht zusammen, auch wenn das im fünfstelligen Bereich war. Quatsch, das waren nicht vierstellige Bereiche. Also fünfstellige, davon reden wir noch nicht. Aber da sage ich dann auch mal nein. Aber diese Autonomie und diese Freiheit zu haben, selbst entscheiden zu können, das ist sexy.
GastWenn ich das damals gewusst hätte, hätte ich damals schon mehr an meinen eigenen Sachen gearbeitet. So bin ich aber auch reingerutscht. Ich habe mein Buch geschrieben, während ich bei Unter uns gedreht habe. Das heißt, ich bin hingefahren um sechs, um sieben war ich in der Maske, um acht habe ich gedreht. Dann hatte ich Pause, da habe ich ein Buch geschrieben. Dann war ich wieder am Set, was weiß ich, elf Uhr, nächste Szene. Dann wieder in die Garderobe. Mich kannte keiner mehr da, wochenlang, weil ich immer in meiner Garderobe war und mein Buch geschrieben habe. Ich war nicht an der Cafeteria, ich war nicht draußen.
Torsten J. KoertingIch bin an jede freie Minute getippt.
GastGenau. Und das finde ich toll. Also Freiheit, Autonomie finde ich ganz toll.
Torsten J. KoertingWenn du jetzt mal auf alle Phasen draufblickst, auch mit all der Erfahrung und mit der Intensität, wie du diese Phasen durchlebt hast. Was braucht es aus deiner Sicht, um diese Autonomie nicht nur zu wollen, sondern auch zu ermöglichen? Weißt du so, man spricht ja heute von diesem Gefühl der Fülle. Man spricht von finanzieller, naja, ich will nicht sagen Freiheit, aber zumindest Stabilität. Wir sprechen von dem Hamsterrad, wir sprechen vom Hasseln, wir sprechen von Work-Life-Balance. Und immer wieder diese Herausforderung, doch mal selbst die eigenen Entscheidungen zu treffen und das Leben so zu gestalten, wie man es vielleicht möchte. Was braucht es dazu?
GastDas ist eine sehr gute Frage. Ich hing jetzt gerade noch bei dem Hamsterrad, weil ich da gerade auch sehr drüber nachdenke. Das Hamsterrad, gerade mit den Online-Trainings. Wenn ich kurz auf das Hamsterrad eingehen möchte, war das jetzt sehr, es wird jetzt privat. Ich hoffe, das ist okay. Ich stehe auf, ich gehe duschen, ich onduliere mir die Haare, Wimperntusche, Puder und dann gehe ich vor die Kamera. Sechs bis acht Stunden vor der Kamera. Ich mache Trainings im Auftreten, digital Auftreten, also vor der Webcam, wie man das einrichten muss, Körpersprache, Etikette, so dass man das Analoge ins Digitale übertragen kann. Das mache ich jeden Tag. Da gebe ich ein bis drei Seminare plus Keynotes zwischendurch, mittags, abends. Und ich mache das jeden Tag, seit zwölf Monaten. Und so langsam ist auch bei mir eine gewisse, ha, Fleischwelt, ich will dich wieder anlecken, Stimmung gekommen. Schön gesagt. Ja, ist doch so.
GastUnd dieses Hamsterrad, ich fühle mich tatsächlich auch wie im Hamsterrad, weil wenn ich überlege, was mache ich? Aufstehen, duschen, vor die Kamera, Fernsehen, dann wieder schlafen, essen zwischendurch. Und ich habe mir die ganzen letzten Wochen, ja, die letzten Wochen, habe ich mir mein Hamsterrad mit Blümchen geschmückt. Das heißt, Blümchen, ich verdiene viel Geld. Ich mache es mir einfach bunt. Ich rede es mir einfach schön. Und ich habe Angst davor, weil es gerade so schön läuft, ja, es wird immer goldener, dieses Hamsterrad. Es glitzert immer mehr um mich rum. Und ich habe Angst davor, rauszuhüpfen. Und das Hamsterrad dreht sich ohne mich. Da habe ich gerade, ja, Angst würde ich, ja, ich würde sagen, ich habe keinen, nicht den Mut, da rauszuhüpfen. Es läuft gerade so gut, ne.
Torsten J. KoertingIst das so eine Zeit für dich, wo du dir sagen könntest, das nehme ich jetzt mit, mal gucken, was kommt? Oder sagst, ja?
GastJa, ja, na klar nehme ich das mit. Es macht ja auch Spaß, es macht tierisch Spaß. Ich habe jeden Tag 10 bis 30 Leute in meinem Büro virtuell. Und das macht Spaß, weil ich weiß, was ganz anderes ist. Es ist was ganz, ganz anderes, wenn ich den Leuten was mitgeben kann. Die schreiben mir dann Referenzen, bestes Seminar seit zehn Jahren. Die Leute reden heute noch davon, wenn sie an dein Seminar von vor ein paar Monaten zurückdenken. Das ist das, was ich will. Das ist das, was ich immer wollte. Und ich will keine Autogrammkarten unterschreiben. Das bringt mir nichts. Ich will, ich brauche das Feedback. Ich will wissen, ich habe jemandem geholfen. Ich habe den vorangebracht. Ja? Also darum geht es gar nicht. Nur es dreht sich. Es dreht sich und dreht sich und dreht sich. Auf jeden Fall, das war die Frage jetzt noch.
Torsten J. KoertingDie Frage der Autonomie und rückblickend auf all die Erfahrungen, die du gemacht hast, gerade auch in Bezug auf die Phase 1, was du dir wünschen würdest, anders zu tun, wäre ein Stück weit die Autonomie wieder zurück zu bekommen oder dir damals zu ermöglichen, jetzt in einem ähnlichen Muster. Was ist der Rat an dich selbst in der aktuellen Zeit, damit du nicht in fünf Jahren drauf guckst und bei der Frage, wenn wir wieder einen Podcast machen, Mensch, wie war das damals für dich inmitten von Corona? Ja, ich hätte mir vielleicht ein Stück mehr Autonomie gewünscht.
GastIch habe meinem Mitarbeiter, Lukas, die Freiheit gegeben, Bremsen für mich reinzuhauen, weil er ein sehr gutes Gespür hat für mich, also das ist der Hüter meines Kalenders, der mir immer alles zuballert und ich sehe immer nur, es kommt was rein, es kommt was rein, es kommt was rein und der hat jetzt die Freiheit, mir freie Tage reinzuballern und ich vertraue ihm da, dass die auch funktionieren. Und dann kriege ich die freien Tage, was mache ich denn mit den freien Tagen, Torsten, rate mal.
Torsten J. KoertingBuch schreiben.
GastJa, irgendwas, ich mache wieder irgendwas. Videokurse aufnehmen. Wieder einen neuen Online-Kurs.
Torsten J. KoertingGenau, weiter hasseln, das Schwungrad weiter am Laufen halten.
GastJa.
Torsten J. KoertingBereit sein für das, was kommt, was man noch nicht umgesetzt hat.
GastJa, ich war schon immer so verantwortungsbewusst. Ich habe damals, als ich gedreht habe, meine erste große Serie, Drei zum Verlieben am Wörthersee, da kam ein Anruf von meinem Bruder morgens ins Hotel, da gab es noch kein Handy, am Portier und ich wollte gerade rausgehen zu meinem Fahrer. Und das war meine Riesenchance, meine Chance, dass ich eine Serie habe, wo ich zwar nur die Nebenrolle, aber eine durchgehende Nebenrolle hatte. Mit Otto Retzer und weiß nicht, wer den noch kennt, dieser Film. Und dann hat der Portier gesagt, warten Sie mal, Frau de Barck, Sie haben noch einen Anruf. Und dann bin ich drangegangen, mein Bruder war am Telefon und der hat gesagt, ob ich sitze. Ja, ich muss jetzt los, ich drehe gleich, die warten alles, sind 30 Leute, die warten da. Und dann hat er gesagt, nee, es ist jetzt wichtig. Ja, okay, was ist denn los? Dein Freund ist tot. Mein Bruder wohnte nämlich in dem gleichen Haus, wo mein Freund damals eine Wohnung hatte. Und der hat ihn auf der, im Flur gefunden. Der hatte einen epileptischen Anfall, mein Freund, mein damaliger Freund. Und ja, mein Bruder hat ihn gefunden und hat mir dann Bescheid gesagt oder hat mich dann informiert. Ja, und dann bin ich paralysiert ins Auto eingestiegen, bin mit dem Fahrer zum Set gefahren.
GastUnd der Regisseur hat, das war Peter Kraus damals, weiß ich nicht, wer den kennt, ein Sänger, ein Schlagersänger, ganz toller Mann, ganz toller Mann. Peter Kraus war das und der hat mich schon empfangen aus dem Auto. Ja, hallo, schön, dass du da bist. Und dann hat er schon gesehen, dass ich tränenüberströmt war. Das ist ja schon mal scheiße, als Schauspieler tränenüberströmt zum Set zu kommen. Und dann habe ich kurz mit ihm gesprochen, habe ihm gesagt, was los ist. Das war mir aber wichtig, dass die anderen das nicht mitbekommen, sondern da habe ich das unter vier Augen mit ihm besprochen. Und dann hat er gesagt, das ist jetzt deine Entscheidung, was du machst. Willst du drehen? Ansonsten, wir schmeißen den ganzen Drehtag um. Alles okay, ich kriege das irgendwie hin. Wer vom Drehen ein bisschen Ahnung hat, der weiß, dass ein 30-köpfiges Team, das ist nicht einfach und die Location ist gebucht. Es ist ein Schweinegeld, was dahinter steckt. Es ist eine Schweineverantwortung, die du hast als Schauspieler, wenn du den Drehtag zugesagt hast. Die anderen Schauspieler waren noch nicht da, die am morgigen Tag hätten drehen sollen. Also es war eine unglaublich große Entscheidung, die ich treffen musste. Und ich habe damals gesagt, wir machen das. Wir drehen das jetzt. Ich habe vier Szenen, die kriege ich hin. Und es war dann auch so, ich habe gedreht, dann habe ich mich in die Maske gesetzt. Habe mich wieder zurechtflicken lassen von der Maskenbildnerin, weil ich dann immer wieder zusammengebrochen bin zwischendurch. Aber in diesen Momenten, in diesen Momenten, wo ich die lustige Sekretärin spielen musste, habe ich die lustige Sekretärin gespielt. Jemand, der mich kennt, hat mir es angesehen.
GastUnd da musste ich mir eine Maske aufziehen, da konnte ich nicht in der Rolle sein. Da musste ich mir die Maske überziehen und musste so tun, als ob. Und das ging auch für die vier Szenen. Und deswegen, ich war schon immer so, wenn ich eine Verantwortung hatte, habe ich die, so gut es ging, umgesetzt. Und bin dafür eingestanden.
Torsten J. KoertingBraucht es solche, ich will sagen, Schicksalsschläge oder solche Einschläge, dass man anfängt, sich selbst mal zu reflektieren bezüglich des Hamsterrades? Und was man da eigentlich für ein Leben lebt?
GastJa, das glaube ich auf jeden Fall. Gerade mit den vergangenen Monaten, die für viele sauschwer waren, das ist einmal durchsortieren. Einmal das Gehirn durchpusten und überlegen, was ist denn wirklich wichtig?
Torsten J. KoertingAlso, wir waren beim Thema Autonomie. Ja, jetzt. Und die Entscheidung oder Selbstentscheidungen zu treffen für sein Leben und für die aktuelle Situation. Jetzt hast du damals, trotz dieses Einschlags durchgezogen, wissentlich, dass du jetzt nicht 30 am Set einfach im Stich lassen kannst, sondern nicht nur die Loyalität, sondern eben auch dieses Commitment, was du dem ganzen Rahmen gegeben hast, auch einzuhalten. Nochmal die Frage, was leitest du aus deiner aktuellen Situation und dessen, was du aus all diesen Jahren gelernt hast, für dich ab, beziehungsweise kannst du als Impuls mitgeben für alle anderen hier, sich ein Stück weit diese Autonomie zu bewahren?
GastOh, sich dessen bewusst zu sein, dass man, wenn es die Persönlichkeitsstruktur verlangt, sich dessen bewusst zu sein, dass man diese Autonomie sich erhalten muss oder sich erarbeiten muss. Aber es sind ja, seid ihr ja alle. Ihr alle, die zuhören, zusehen, ihr seid ja schon den Weg gegangen. Sonst wärt ihr jetzt nicht bei den Curtings.
Torsten J. KoertingOder zumindest im Umsetzungsgiganten-Podcast, ganz genau. Ja, weil es alles Umsetzungsgiganten sind, aber auf der anderen Seite auch Umsetzungsgiganten, so wie du ja auch eine bist, sonst wärst du nicht hier im Podcast, Zeitbrauch für Reflexion, Zeit zum Atmen, diesen freien Tag, den Lukas dir im Kalender ermöglicht und vielleicht dann auch mal zuzulassen, nicht gleich noch den nächsten Online-Kurs zu drehen, sondern einfach mal den Tag wirklich.
GastNaja, ich mag es ja.
Torsten J. KoertingEin Tag sein zu lassen. Lass uns mal rausgehen aus der Schauspielerei. 28 Jahre lang auf den Bühnen oder vor den Kameras zu stehen und währenddessen schon die Bücher zu schreiben. Was war für dich der Wendepunkt? Raus oder ich will nicht sagen raus aus der Schauspielerei, weil so ganz natürlich sie weg ja auch nicht ist aus deinem Leben, aber sich etwas anderem zuzuwenden?
GastIch bin, also ich hatte Kinder, ich habe die immer noch. Da waren die, ja, das Alter hatte ich. Also die waren da drei und fünf Jahre alt, Dorian und Lara. Und ich bin morgens in die, zu unter uns gefahren. Um sechs Uhr habe ich das Haus verlassen. Und dann stand immer mein Sohn, der war drei Jahre alt, Dorian war drei Jahre alt und so ein kleiner, drei Jahre alter Pupsi. Der war so goldig. Und er stand dann da und hat fast jeden Morgen eine Träne vergossen. So, Mama, geh nicht. Boah, das war schlimm, ne? Dreieinhalb Jahre. Gut, er ist dann auch älter geworden dann. Aber ganz am Anfang, das war schlimm. Und dann habe ich immer seine Träne von der Wange so abgenommen und habe gesagt, so, die Träne, die nimmt die Mama jetzt mit in ihre Hosentasche und dann bist du immer bei mir. So, und das war für ihn okay. Da habe ich gesagt, ja, gut. Ja, und dann, irgendwann habe ich nach dreieinhalb Jahren gesagt, nee, das ist, ich sehe die Kinder nicht. Ich habe jetzt die schönste Zeit fast verpasst mit den Kindern.
GastIch höre jetzt auf. Und dann, nachdem ich da aufgehört habe, habe ich mir auch gedacht, was machst du denn jetzt? Also, es ist ja schön und gut, ne? Schauspielerei, es lief ja auch alles ganz gut. Aber was machst du denn jetzt? Und da, weil ich ja schon geschrieben hatte, parallel, hat mein Literaturagent, ist irgendwann auf mich zugekommen und hat gesagt, da ist ein Verlag, der möchte, dass du ein Körpersprachebuch schreibst. Ey, was? Nein, ich kann auch kein Körpersprachebuch schreiben.
Torsten J. KoertingSchauspielerei, gerne. Ökonomie kann ich auch was, aber Körpersprache, ja.
GastJa, Körpersprache ist ja ein großer Teil der Ausbildung in der Schauspielerei. Und das hat mir dann wiederum, meine Schauspielausbildung, hat mir dann wieder in die Karten gespielt. So eine Ausbildung ist immer gut. Man weiß zwar in dem Moment nicht wofür, aber im Nachhinein wusste ich es. So, und dann habe ich mich eineinhalb Jahre geziert. Ich kann nicht, ich weiß nicht, ich will nicht. Und irgendwann hatte ich mich dann so mit dem Thema beschäftigt. Ja, komm, jetzt überlegst du mal. Und dann habe ich dem Verlag gesagt, ja, ich könnte ja, ich weiß es aber noch nicht so richtig. Und dann meinten die, doch, super. Weil du als Schauspielerin weißt genau, was Körpersprache nach außen bewirken kann bei dem Empfänger. Und außerdem, was deinen Schreibstil betrifft, wir finden den toll. Du schreibst so schön RTL-ich. Ich will nicht RTL-ich schreiben. Das war, Torsten, das war ein Kompliment. Das habe ich dann auch erst verstanden. Weil die haben gesagt, wir haben genug Diplom-Psychologen, die da schwurbeln da was runter. Die Bücher verkaufen sich nicht. Wir brauchen jemanden, der aus dem Leben schreibt. Und der es so schreibt, dass es jeder versteht. Dass es jeder versteht und mit Umsetzungshacks und so weiter. Und dann habe ich angefangen zu schreiben. Und da auf der Recherche zu Körpersprache, wie das auch mit Lesen. Und da muss man ja so ein bisschen reinleben in das Ganze. Wirkung war mir völlig klar. Wusste ich genau, wie es funktioniert. Aber mit dem Lesen war ich noch nicht zu firmen. Und bei der autodidaktischen Ausbildung bin ich dann auf Michael Ehlers gekommen, der Rhetoriktrainer. Und der hat mich dann eingeladen auf ein Rhetorik-Seminar, nach Mallorca. Das kann ich nur jedem empfehlen. Das ist der Hammer. Das sind vier Tage, glaube ich. Und danach kannst du es. Oder glaubst es zu können. Auf jeden Fall bist du dann sicher auf der Bühne. Und der hat dann gesagt, wenn du das mit dem Körpersprache und so weiter, wenn du das nicht machst in Unternehmen, für Menschen, die wirken wollen, die da was wissen wollen drüber, dann bist du selber schuld. Ja, und so ging es dann los.
Torsten J. KoertingAlso jemand von außen, der, ich will mal sagen, ein Talent,
Gastein Arschtritt, sag's ruhig, wie es ist.
Torsten J. KoertingEntweder ein Arschtritt oder ein Talent erkannt hat, was man sich als solches so vielleicht gar nicht, ja, was man so vielleicht gar nicht wahrnimmt. Kann man das so sagen? Also du sagst, ein Arschtritt von außen. Ich habe jetzt nicht gesagt,
Gastwie du gequasselt hast, deswegen habe ich nicht verstanden, was du gesagt hast.
Torsten J. KoertingIch sage, du sagst, das ist der Arschtritt von außen. Ich würde in dem Fall das vielleicht eine andere Perspektive drauf werfen, nämlich jemand, der diese Kombination von Talenten, die dich zu etwas machen, was außergewöhnlich ist, in dir erkannt hat.
GastOh, das hast du jetzt schön gesagt. Ich lasse das mal so stehen. Weiß ich nicht. Er hat gesagt, wenn du nicht auf die Bühne gehst, bist du selber schuld. Das, was du kannst, das kann ja nicht jeder, dass du vormachen kannst, wie bestimmte Körpersprache wirkt. Und zwar so, dass es sofort verständlich ist. Und du kannst auch, und das mache ich auch bei meinen Coachings oder Trainings, ich imitiere oder ich kopiere die, ich halte denen einen Spiegel vor. Ja, so ist es besser. Ich halte den Leuten, die mich fragen, wie wirke ich denn, dann spiegle ich die. Und sage, ja, so wirkst du. Und dann mache ich die, dann lasse ich die Fußspitzen zusammen zeigen und knick ein in der Hüfte und lasse dann hängen. Und dann sagen die, so wirke ich? Äh, ja. Gut. Und dann schon ist es erledigt. Coaching Ende. Das reicht manchmal schon. Aber das kannst du halt nur, wenn du eine Kontrolle über deinen eigenen Körper hast und weißt, wie du selber wirkst und weißt, wie du was bewirkst bei dem anderen. Das ist wohl auch eins meiner Pfunde und auch eins meiner Alleinstellungsmerkmale, dass ich Körpersprache auch zeigen kann. So, also richtig zeigen kann.
Torsten J. KoertingJa, also jemanden, wie sagt man, modellieren, oder jemanden kopieren jetzt mal. Also zumindest mal zeigen, spiegeln, spiegeln ist viel besser. Das Wort habe ich gesucht. Danke, spiegeln. Ja, und damit natürlich auch verschiedene Aspekte von deinen Stärken und Talenten so zusammenbringst, dass daraus etwas entsteht, was halt nur die wenigsten da draußen können.
GastZumindest nicht, ja genau. Und jetzt ist das, jetzt ist es alles ja, jetzt ist es ja noch besser geworden, weil jetzt ist es ja online, also digital, weil ich mich zufällig, zufällig durch 28 Jahre vor der Kamera, ich weiß, was dieser Bildausschnitt mit einem macht. Ich weiß, was ein Objektiv mit einem macht, in das man hineinsprechen soll und man soll trotzdem locker wirken. Und ich weiß, was du mit Licht erreichen kannst und ich weiß, was die Webcam für Proportionsveränderungen mit sich bringt oder wie Farben wirken vor der Webcam oder wie Ton, Mikrofon, das ist ja alles, womit ich mich auskenne. Klar kriegt man das alles mit als Schauspieler und das habe ich jetzt verheiratet. Ich habe das Auftreten vor der Kamera verheiratet mit dem Wirken im analogen Leben und das ist, was mir unglaublich viel Spaß macht.
Torsten J. KoertingJa, und da lass uns gleich drauf schauen. Ich würde gerne das eine Kapitel deines Lebens noch ein bisschen rund machen, weil das, was natürlich, wo du dich jetzt in den letzten 15 Monaten, kann man fast sagen, neu erfunden hast, dich ja auch auszeichnet und zu jemandem macht, der sich auch in der Lage ist, auf neue Situationen einzulassen und sich nicht in die Ecke stellt und weint, bis es irgendwie vorbei ist, sondern das auch als eine Chance begreift, die vielleicht aus einem, ich will nicht sagen Mangel, aber aus einer Herausforderung heraus entsteht und dann das Heft in die Hand zu nehmen und eine andere Richtung zu gehen beziehungsweise das, was das Umfeld auf, die Herausforderung, die das Umfeld schafft, denen zu begegnen und wieder ein Stück weit zu wachsen. Gehen wir trotzdem noch mal zurück zu den, zu den, zum Arschtritt, wie du gesagt hast, deine Sprache, zum Arschtritt. Das hat halt resoniert, weil ich sage halt, das waren Talente, die in dir entdeckt wurden. Also Talente, die in dir entdeckt wurden, die dir eine neue, die dir eine neue Richtung gegeben haben. Was ist dann passiert? Welche Entscheidung hast du dann getroffen? nach dem Vier-Tage-Mallorca?
GastDass ich auf Bühnen gehe, dass ich das mal ausprobiere. Und ich bin noch die erste Bühne gegangen, das war eine Katastrophe. Es ist völlig nach hinten losgegangen. Die zweite Bühne hat auch nicht funktioniert. Ich wollte, also das größte Problem war, oder das kann mir jeder Schauspieler sagen, wenn ein Schauspieler in eine Talkshow geht, dann geht ihm so die Düse, weil er dann selber, er muss dann, er selbst sein. Und als Schauspieler bist du in der unglaublich komfortablen Situation, dass du eine Rolle hast, die dich schützt, in Anführungszeichen. Und wenn du als Speaker auf die Bühne gehst, dann darfst du keine schützende Rolle vor dir her tragen. Klar bist du dann anders. Du bist dann in einer Speaker-Situation, aber nicht so sehr in der Rolle, wie ein Schauspieler das ist. weil du selbst du bist. Also ich bin dann als Yvonne de Barck vor die Leute getreten und ich bin nicht mehr als Sibylle Müller, die Anwältin, oder Lieselotte Schmitz, die Verwaltungsfachangestellte, die im Büro eine Rolle, also ich bin nicht mehr, oder die Motorrad, die Polizistin, sondern ich bin als Yvonne de Barck dahin gegangen und war wesentlich verletzlicher, weil angreifbar dadurch, dass ich ich war. Und um sicher zu gehen, bin ich bei meinem ersten Vortrag, habe ich Turnschuhe angezogen, Jeans und ein T-Shirt, habe mir die Haare zum Zopf gemacht, um ja nicht anzuecken, um möglichst mit allen eine zu zeigen, ich bin Teil eures Stamms, ich bin ja nur einer von euch, bitte tut mir nichts. Ich habe so Schiss gehabt, da vor diese Leute zu gehen und es ist so nach hinten losgegangen, weil ich mir nicht dieser Situation als Speaker bewusst war, dass ich für mein Publikum da sein soll, sondern ich habe gedacht, naja komm, ich erzähle denen jetzt mal ein bisschen was über Körpersprache, wir sind ja alle eine Gruppe. Das ist aber nicht so, sondern du bist ja jemand, der was gibt als Speaker und nicht Gruppenkuscheln machst. und deswegen ging es nach hinten los. Dann habe ich mich nochmal mit Michael Ehlers zusammengesetzt und habe gesagt, irgendwas stimmt da nicht, ich kann das nicht.
Torsten J. KoertingSo hast du das nicht gemeint.
GastJa, genau.
Torsten J. KoertingMichael, das war das.
GastIch habe verstanden, was du meinst, ich soll das mit den Leuten teilen. Und er hat gesagt, er hat mir meine, jetzt sage ich doch, Rolle als Speaker mal bewusst gemacht, dass ich etwas geben muss und hat gesagt, so pass auf, nächstes Mal, hohe Schuhe, Bluse, lange, offene Haare, top geschminkt. Nichts mehr Gruppenkuscheln, sondern du Chef und erzählst und gibst. So, das habe ich dann gemacht, ging viel besser. Ich habe mich auch gerade durch die höheren Schuhe, habe ich mich auch viel bewusst, selbstbewusster gefühlt. Nicht mehr so, hä, ja, und mal Triathlon gemacht und dies und das und Schauspielerin. Nee, nee, nee, das war dann Bäm. Ich bin da. Das ist Bühne. Das ist aber ein Prozess gewesen, der dann mit diesen, mit dieser Verkleidung oder dieser anderen Yvonne, dieser situationsadaptiven, authentischen Yvonne, sich dann entwickelt hat. Einer meiner nächsten Auftritte beziehungsweise Sachen war dann tatsächlich schon bei Gedankentanken in der Management-Dings, da waren die noch bei Steinbeiß. Ich hatte 24 Leute vor mir und das war einer meiner ersten Auftritte, die ich als Seminar hatte. Ich habe zwei Wochen lang, habe ich dieses Seminar ausgearbeitet. Zwei Wochen. 24-7 habe ich rum mit kleinen Karteikärtchen. Wann mache ich welche Übungen? Wo lasse ich welchen Gag? Wo mache ich? Das war ja ein Tagesseminar, beziehungsweise zwei Tagesseminar. Und wie kriege ich das hin? So, ich war so aufgeregt vor diesem Seminar. Das sind ja alles gestandene Leute. Also die haben ja nicht zum ersten Mal was über Körpersprache gehört und jetzt soll ich da kommen und soll denen was erzählen. Und an dem Morgen, als ich da mit Riesenschweißflecken unter den Achseln das Haus verlassen wollte. Ich hatte so Schiss, Torsten, das kannst du dir nicht vorstellen. Saß mein kleiner Sohn mit seiner, mit seinem Tee, Teeflasche da, saß der da auf dem, Quatsch, nee, Teeflasche, aber es war irgendwie, irgendwas Süßes war es da, nicht irgendwas Süßes, der saß da auf dem Sofa. Ich kann mich an das Bild erinnern. Er saß da auf dem Sofa, der kleine Pupsi und hat, und ich habe gesagt, Dorian, ich habe so Schiss jetzt da hinzufahren. Mir geht so die Muffe. Und da hat er gesagt, weißt du was, wenn du da jetzt hinfährst, du gibst den Teilnehmern mit deinem Wissen ein Geschenk.
GastPause, Pause, Pause. Das sagt so, mein kleiner Sohn sagt das zu mir.
Torsten J. KoertingWie alt war er da?
GastIrgendwas zwischen acht und elf. Ich weiß es nicht mehr genau. Ich glaube, er war acht. Grundschule war er auf jeden Fall. Also muss er acht gewesen sein. So. Ja, das hat er gesagt und dann bin ich losgefahren und ich bin in den Raum rein und jetzt macht sich der Sack wieder zu. Du musst dir das Ziel bewusst machen. Mein Ziel war, ich gebe meinen Teilnehmern ein Geschenk und schon bevor ich den Raum betreten habe, bin ich mit dieser Stimmung, ich habe mich in diese Stimmung gebracht, bin ich durch die Tür und rate mal, was das Feedback war. Das Feedback einer der Teilnehmer war, das war unglaublich. Du hast den Raum betreten und wir hatten das Gefühl, dass du einer von uns bist und wir trotzdem was von dir lernen können. Das war sofort eine Wellenlänge da. Jetzt kann man sagen, ja, das ist ja künstlich hervorgerufen. Ja und? Situationsadaptiv authentisch. Ich hatte mein Ziel in der Situation.
Torsten J. KoertingUnd auch wieder jemanden, der das in dir ausgelöst hat, in dem Fall Dorian, dein Sohn. Wie schön ist das? Und diesmal ohne Tränchen, was du in deine Tasche gepackt hast, sondern einfach mit dem Geschenk, was er dir gemacht hat, mit diesem knackigen Impuls, dass du den Menschen ein Geschenk gibst und das warst du dann an dem Tag. Hast du jemals wieder ein Seminar so lange vorbereitet?
GastNein.
Torsten J. KoertingWie bereitest du sie heute vor? Hast du Post-its oder gehst du einfach rein?
GastWie du weißt, Torsten, arbeite ich ausschließlich mit Flipchart-Folien.
Torsten J. KoertingWir sehen eins hinter dir. Augenhöhe, Haltung, Blickkontakt.
GastIch arbeite nie mit PowerPoint. Und alles, was ich mache, ist, je nachdem, für wen das ist oder was das für ein Seminar ist, sortiere ich die Flipchart-Folien und gehe dann mit der Flipchart-Folie mein Seminar durch. Aber ich habe jetzt nach der langen Erfahrung, das Schöne ist, dass ich so sehr auf die Teilnehmer eingehen kann. Das heißt, ich kann, es ist nicht mehr dieses, ich ziehe jetzt mein Programm durch, sondern ich sage, okay, was erwartet ihr von diesem? Dann kann ich, ich kann ad hoc improvisieren und kann sagen, okay, pass auf, dann nehme ich jetzt deine, deinen Bedarf und wir sprechen mal darüber. Die Freiheit nehme ich mir raus. Das kommt nicht bei jedem Auftraggeber gut an, weil die haben ja ihre Vorstellungen. Manche sind da sehr, sagen wir mal, die wissen sehr genau, was sie wollen. Ich sage aber immer, jeder Mensch ist ja unterschiedlich. Das heißt, jeder hat auch von fünf Teilnehmern oder von acht Teilnehmern in der Gruppe. Jeder hat andere Bedürfnisse. Und wenn ich auf die Bedürfnisse eingehe und dessen situationsadaptive Authentizität verbessere, individuell, dann hat der mehr davon, als wenn ich einmal sage, so musst du auftreten, so musst du sprechen, so musst du modulieren, so musst du dies, so musst du das.
Torsten J. KoertingIst das so die hohe Kunst, dass man mit dem arbeitet, was der Raum einem schenkt, weil man selbst in dieser Leichtigkeit und in dem Bewusstsein ist, dass alles in einem ist?
GastAch, da fällt mir ein. Ja, genau. Du musst das Ziel wissen, die Hindernisse und so weiter und du musst natürlich wissen, was du kannst.
Torsten J. KoertingDas Handwerk.
GastJa, habe ich doch gesagt. Du musst wissen, was du kannst. Genau. Und du musst, ah, und noch was, ich gebe auch zu, wenn ich was nicht kann. Ich sage dann dazu, was oft falsch verstanden wird, ich sage es trotzdem, sorry, ich bin inselbegabt, habe ich nicht verstanden. Ja, und? Also ich bin wirklich inselbegabt. Ich bin, das, was das auftreten, Wirkung, analog, digital, das ist was, was ich richtig gut kann. Buchhaltung? Nein. Ist nicht auf meiner Insel.
Torsten J. KoertingWird auf der Insel, auf der Insel, wo Yvonne lebt, nicht gebraucht. Oder da macht das jemand anderes.
GastJa. Ja, das ist eine andere Insel. Da ist höchstens eine Brücke, eine ganz dünne, wackelige Brücke zu der Buchhaltungsinsel. Aber das ist nicht meine Insel.
Torsten J. KoertingJetzt hast du 28 Jahre lang Schauspielkunst hinter dir, elf Bücher geschrieben, das zwölfte, kurz vor Fertigstellung oder mitten im Werden oder als Idee geboren, wo auch immer da der Stand ist. Aber es ist sicherlich bald ein zwölftes von dir zu sehen. Und du dich ja auch in all dieser Zeit immer wieder neu erfunden hast. Entweder, weil dich jemand entdeckt hat oder dir den in den Hintern gegeben hat beziehungsweise Talente identifiziert hat und zusammengebracht hat, die dich alles machen außergewöhnlich. Und du hast dich vor 15, 16, 17 Monaten auch wieder neu erfunden. Die Welt hat sich verändert. Das Offline ist ins Online gekommen. Ich will gar nicht sagen, nicht mehr als die Hälfte. Vielleicht 70, 80 Prozent der gesamten Speaker-Szene hat sich verändert und ist in andere Bereiche gegangen. Und du hast, ich will nicht sagen, die Not zur Zugend gemacht, aber die Veränderung nicht nur antizipiert, sondern so verinnerlicht, dass daraus was völlig Neues entstanden ist. Nimm uns da mal mit, Yvonne.
GastDer 12. März 2020.
Torsten J. KoertingAls wäre es gestern gewesen, als ein magischer Moment, an den du dich dein Leben lang erinnern wirst.
GastJa, weil die darauffolgenden zwei Wochen waren geprägt von, wir müssen diesen Termin leider absagen, wir wissen noch nicht, wann er fortgesetzt werden kann. Wir müssen diese Keynote leider absagen, wir wissen noch nicht, wann sie stattfinden kann. Wir müssen, das tut mir leid, Frau de Barg, bla bla bla bla bla. Also zwei Wochen lang jeden Tag absagen. So, nachdem, nach dem 12. März es anfing, die nächsten paar Tage mit Absagen zu hageln und ich war darauf angewiesen, auf diese Seminare, hier WIRT, Allianz, wie sie nicht alle heißen. So, wenige Tage danach, also Ende der darauffolgenden Woche hatte ich meinen Online-Kurs Souverän auftreten in Videokonferenzen. gelauncht, beworben und der ist durch die Decke gegangen. Ich hatte den günstig gemacht, ich hatte den für 50 Euro angeboten und habe gedacht, na, die Leute haben jetzt eh nicht so viel Geld, die müssen wir ein bisschen gucken und deswegen 50 Euro Kurs und dann habe ich die Kontakte und dann bin ich in Unternehmen drin, dann habe ich den Kurs tatsächlich auch lizenziert, an Unternehmen verkauft, weil die, die es gerafft haben, die waren ganz vorne dabei. Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob du die Kamera einfach einschaltest oder ob du dich darum kümmerst, wie du professionell auftrittst vor der Videokonferenz, also vor der Webcam. Ja, und dann ging es los und seitdem mache ich das und seitdem sind das jetzt, ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, 17.000 Menschen waren es im Februar, als ich mal gezählt habe, ich habe sie nicht einzeln gezählt, aber ich habe sie so grob überschlagen und ich habe so 480 Trainings gegeben in den letzten zwölf Monaten.
Torsten J. KoertingAlso es ist krass, ja, also du hast ja, ich will nicht sagen allen bewiesen, aber gerade so dieses ganze Thema Online-Training irgendwie günstig die Online-Kurse verkaufen, dann irgendwie versuchen, das als ein Zugpferd für ein anderes, hochpreisigeres Produkt zu nutzen und du hast es da wirklich dir selbst und allen bewiesen, dass sowas auch gut funktionieren kann und eine grandiose Einstiegskarte gewesen ist für Unternehmen, die gesagt haben, die holen wir uns jetzt nicht nur mit einem Online-Kurs, sondern die macht das mit Trainings und 480 über zwölf Monate, wer das mal ausrechnet, das sind zwei bis drei Trainings am Tag.
GastJa, das ist krass. Ja, das war brutal. Ich muss jetzt auch, ich muss ein bisschen kürzer weniger machen, ein bisschen oder die Preise anheben, keine Ahnung. Was ich noch sagen wollte, dieser Moment, den jeder von uns hatte letzten März, also im März 2020, dieser Moment, dieser Schockstarre, der war für mich genauso. Ich weiß es noch, es kamen die ersten Absagen und ich lag eine Nacht wach. Jeder von euch kennt das Gefühl oder vielleicht kennt ihr das sogar aus letztem Jahr öfter, dass man nachts wach liegt und denkt, wie geht es jetzt weiter? Was mache ich? Und ich habe dann ganz strategisch angefangen, ich bin nicht so der Stratege, ist nicht auf meiner Insel, aber ich habe dann mich zusammengerissen und habe gedacht, was kann ich und was kann ich daraus machen? Klammer auf, was braucht denn die Welt? Und habe ganz strategisch überlegt, was kann ich jetzt mit dem, was ich kann und das, was die Welt braucht, die Welt, die Menschen, was kann ich daraus machen? Das allererste, was ich gemacht habe, ist, bevor ich diesen Videokurs aufgenommen habe, war, dass ich mein Büro die Rauchfasertapete abgemacht habe, weil ich gedacht habe, okay, wenn ich jetzt Online-Videos verkaufe, will ich keine Rauchfasertapete im Hintergrund haben. Oder im Dachsitz
Torsten J. Koertingsitzen oder so.
GastIch stand da mit meinen Hausschuhen und meiner Jogginghose, stand ich kratzenderweise hier in meinem Büro und habe erst mal neu renoviert, ein ganzes Wochenende lang.
Torsten J. KoertingUnd damit dich mal wieder neu erfunden und ich glaube, dass dieses Modell, was du gerade skizzierst in meiner Welt, Modelle sind auf meiner Insel, dieses Modell zu überlegen, was passiert da jetzt gerade draußen? Was sind die Herausforderungen, vor denen jetzt Menschen oder auch Unternehmen stehen und was kann ich tun mit meinen Verlenden und Stärken um das Problem der Zielgruppe, in denen ich ohnehin vielleicht früher auch unterwegs war, mit Keynotes und mit anderen Aspekten, wie kann ich das Problem mit dem, was ich kann, lösen? Was hat dich damals, also das hört sich so lang an, aber es 15, 16 Monate, der 12. März, wenn du, jetzt muss ich rechnen, 14 Monate, was hat dich in die Lage versetzt, das für dich zu durchdringen, was für viele da draußen zu der Zeit und auch teilweise heute noch ein Buch mit sieben Siegeln ist? Also aus dem Offline komplett fast, also nicht nur fast, sondern komplett ins Online zu gehen.
GastDas ist eine sehr gute Frage. Die Not, Absagen, Ablehnung, ich konnte noch nie gut mit Ablehnung umgehen, auch als Schauspielerin, wenn ich zum Casting gegangen bin, ich habe das immer gewonnen, für mich, für mein Gefühl. Es kann auch keine bessere geben als mich. Ja, Frau DeBag, es tut uns leider leid, Sie sind nicht im Hauptcast. Oh, scheiße. Ich kam mit Nein nicht um und diese Ablehnung Keynote abgesagt, Trainings abgesagt, Trainings, Seminare abgesagt, können wir nicht. Er so, nee, nee, mit mir nicht. So, und das war für mich der Grund, ich glaube, das war für mich der Grund zu sagen, nee, das muss irgendwie anders gehen. Jetzt können Sie ja, bitte. Ja, ich hatte die letzten Jahre ja schon immer versucht, ich hatte so ein kleines Programm für Auftritt in Videokonferenzen und in jedem Seminar habe ich gesagt, wollt ihr jetzt noch eine längere Feedbackrunde oder wollt ihr noch wissen, wie ihr in Videokonferenzen auftreten könnt, also vor 2019, 2018 und alle immer so, ach nee, das setzt sich nicht durch.
Torsten J. KoertingDie Videokonferenzsysteme, die verstauben hier bei uns im Meetingraum, weil wir wissen gar nicht, wie wir die bedienen sollen, da brauchen wir einen Techniker und bis der hier ist, ist die Zeit schon um. Ja, so war das früher. Ich habe ja auch lange in Großunternehmen gearbeitet, da brauchtest du immer einen, der irgendwie die Verbindung nach London hergestellt hat, hat immer eine Plus-4-4-Nummer gewählt, das können wir nie alleine, weißt du, heute drückst einen Knopf und auf einmal bist du mit 100, 200 oder mit Tausenden von Menschen im gleichen Raum und feierst eine Party auf Deutsch gesagt. Ja, und alle können das, also von der Hausfrau bis zur Unternehmerin. Wenn du jetzt mal auf diese drei Phasen zurückblickst, ja, ich bin ja gerne jemand, der Muster demaskiert, nicht nur für einen selber, sondern für die Zuhörerinnen und Zuhörer und zwar, wie geht Umsetzung, wie kann man Erfolg, wie auch immer Definition von Erfolg ist für jeden Einzelnen, wie kann man das erreichen, wenn du jetzt mal auf diese drei Lebensphasen, die wir so ein bisschen durchschritten sind, dass die Schauspielerei, dass Autoren und Trainer, Speaker, Berater, Unternehmerinnen tun, bis hin jetzt zur Zeit, wo wir online komplett unterwegs sind und du 480 Trainingstage gegeben hast in den letzten zwölf Monaten. Was würdest du sagen, sind deine Muster, wie du immer wieder dich neu erfindest und auf die Gipfel immer wieder drauf kommst, weil du warst ja in allen drei Lebensphasen unfassbar erfolgreich, und wenn man das erfolgreich jetzt mal als einen Gipfel betrachtet, was sind für dich die Muster, die dich immer wieder auf diese Gipfel kommen lassen und diese erklimmen lassen?
GastPuh, ist das nicht, ist es nicht das, was jedem Unternehmer oder jedem Selbstständigen innewohnt? Dieses Feuer, das brennt, das die Freude am Erschaffen, die Freude am Weiterkommen und meine Vergangenheit als Sportlerin, ich habe ja Triathlon gemacht tatsächlich, ich habe auch da habe ich ziemlich schnell ziemlich große Erfolge gehabt, ich war bei der deutschen Juniorenmeisterschaft, die bayerische Juniorenmeisterschaft habe ich gewonnen, bei der Juniorenmeisterschaft Deutschland war ich achte dann letztendlich, bin aber als Dritte aus dem Wasser, ich habe einfach trainiert, ich habe einfach jeden Tag trainiert, jeden Tag, jeden Tag habe ich trainiert und habe nicht drüber nachgedacht, ich habe einfach gemacht und durch dieses Training habe ich mir eine gute Substanz antrainiert und habe es dann abgerufen während des Wettkampfs und ich glaube, das hat mir geholfen, machen, machen, nicht so viel nachdenken, machen, machen, nicht abwägen, dieses abwägen, wenn ich jedes Mal nachgedacht hätte, ob ich jetzt das Radtraining machen soll oder nicht, dann hätte ich keine Muskulatur aufgebaut, ich habe es einfach gemacht.
Torsten J. KoertingUnd nach draußen schaust und sagst, es ist jetzt aber ein bisschen kalt und es auch wolkig und es regnet auch ein bisschen, jetzt gehe ich nicht aufs Rad.
GastMit dem Videokurs?
Torsten J. KoertingJa.
GastIch habe es einfach, mit dem souveränen Auftreten in Videokonferenzen, ich habe es einfach gemacht. Ich habe nicht abgewägt, abgewogen, ich habe die Kamera aufgestellt, mir die Haare onduliert, mir mein System zusammengebastelt und habe einfach gedreht. Weil der Tag hat ja 27 Stunden.
Torsten J. KoertingDann können wir noch die Nacht dazu nehmen, wie manche schlaue Menschen da draußen noch sagen würden. Du hast von dem Feuer gesprochen, von dem Feuer, was entfacht sein darf. Was hat immer deine Feuer entfachen lassen, also diesen Zug zum Gipfel, um es mal in meiner Sprache zu sagen. Was hat das ausgelöst, was hat dieses Feuer richtig zum Lodern gebracht bei dir?
GastJetzt wird es schon wieder privat. Wir hatten
Torsten J. Koertingja schon ein paar private Momente heute.
GastIch kann irgendwas anderes sagen, wenn ich nichts Privates sagen.
Torsten J. KoertingEs liegt an dir, ist deine Entscheidung.
GastEs ist immer eine Frage, woraus ist etwas motiviert. Und bei mir war es so, dass ich auch immer gestrampelt habe, um nach vorne zu kommen. Und ich habe das mal in Los Angeles in der Schauspielschule hat mich mal jemand zur Seite genommen, die sich mit pränataler Erfahrung beschäftigt hat. Und die hat zu mir gesagt, so wie ich dich in meiner Class in meinem Unterricht wahrnehme, würde ich gerne mal fragen, was war denn eigentlich bei deiner Geburt? Und ich so, hä, wieso? Na, ich würde gerne mal wissen, was da war. Und ich habe gesagt, naja, ich habe eine Zwillingsschwester und ich bin als zweites rausgekommen. Und dann hat sie gebohrt und hat gefragt, was genau ist da passiert? Gibt es da irgendwas Besonderes? Und ich so, Schippchen, ja, Unterlippenzitterer, ja, ich wäre, also die Hebamme ist alles schon raus, meine Schwester ist rausgekommen aus meiner Mutter und die Hebamme ist schon weg, der Arzt ist schon weggegangen und dann die Hebamme, die sich um die Nachgeburt kümmert und dann meine Mutter versorgt hat, die hat gesagt, da kommt noch was.
GastUnd das war ich.
Torsten J. KoertingDu willst mir jetzt nicht erzählen, dass deine Mutter nicht wusste, dass da Zwillinge
Gastdrin sind. Schätzelein, das ist fast 50 Jahre her.
Ich
Torsten J. Koertingweiß nicht, wie das ist, ich habe mit meiner Mutter darüber nicht sprechen können und ich war auch allein da drin. War das damals nicht möglich?
GastNein. Krass. Es war immer so, dass ich verdeckt war, also die haben das nicht gewusst, meine Mutter wusste nicht, dass wir zu zweit im Bauch waren. Wir waren ja auch relativ klein. Da kommt
Torsten J. Koertingnoch was.
GastDa kommt noch was.
Torsten J. KoertingDas Beste kommt zum Schluss.
GastOh, das hast du jetzt schön gesagt, das wusste ich damals nicht, weil ich habe um mein Leben gekämpft. Damals. Diese Frau aus Los Angeles hat mir das erzählt und plötzlich ist es mir so klar gewesen, warum ich immer laut war in der Klasse, warum ich immer vorne dran sein wollte in der Klasse, in der Schule, in meinem Leben, wo dieser Drive herkommt. Und das ist vielleicht die Erklärung, dass ich immer versuche, diesen Moment wettzumachen. Also dieses ich muss mich beeilen, sonst komme ich nicht zum Leben.
Torsten J. KoertingSonst werde ich nicht gesehen.
GastJa, genau. Also das könnte ich mir vorstellen.
Torsten J. KoertingIch darf darum kämpfen, gesehen zu werden.
GastGenau.
Torsten J. KoertingJa, sehr spannend, was du beschreibst. Großartig. Und das Tolle ist, dass in all diesen Phasen du gesehen wurdest von anderen Menschen, die dich dann, wie du immer, wie du gesagt hast, gerade in der Schauspielerei dich entdeckt haben. Und nach vier Tagen Mallorca jemand da war, der gesagt hat, wenn du das und das zusammenbringst, du musst auf die Bühne.
GastDas ist ja geil, das stimmt. Ich hatte immer irgendwo irgendeine Hebamme von außen, die sich eigentlich um die Nachgebot gemacht, die gesagt hat, da kommt noch was.
Torsten J. KoertingDas Beste kommt zum Schluss.
GastSehr schön,
Torsten J. KoertingYvonne, es ist großartig. Danke für das Demaskieren dieser Muster, die dich dahin haben immer wieder bringen lassen. Und ich glaube über die weiteren Phasen, ob es eine Phase 5, 6 und 7 gibt, wie bei Reinhold Messner gehen wir mal ganz fest von aus und du diese Phase auch so wunderbar beleben wirst wie die letzten Phasen deines Lebens, weil das Beste kommt ja zum Schluss, ist ja auch ein ganz bekannter Film. Ey, das wäre ein Buch,
Gastda kommt noch was.
Torsten J. KoertingJa.
GastCool.
Torsten J. KoertingWäre was für das zwölfte Buch dann, da kommt noch was. Noch ist nicht fertig.
GastDa kommt noch eine Nachgeburt.
Torsten J. KoertingMit 49 Jahren, da fängt das Leben an.
GastOch nee.
Torsten J. KoertingNein.
GastJa, ich danke dir, Torsten. Danke dir. Und ich danke euch für die Zuhörer, die es bis hierhin geschafft haben.
Torsten J. KoertingFür alle diejenigen, die mit dir in Kontakt treten möchten, die sich vielleicht den Online-Kurs für 50 Euro mal jetzt nach 14 Monaten hat sich ja was verändert. Vielleicht wäre es ja ganz gut to look great on Kamera sich zugänglich machen möchten beziehungsweise mit dir in Kontakt treten möchten. Was ist dir der beste Weg, Yvonne?
GastGerne über meine Homepage yvonne-de-barg.de oder über LinkedIn, Instagram, Facebook bin ich nicht so oft oder wenn ihr sagt, Mensch, da hätte ich gerne mal so ein Training, ihr kriegt den Kurs vorab geschickt und bereitet euch vor und dann gehen wir in ein zweistündiges Training in einer Fünfer Gruppe. Das heißt, ihr müsstet fünf Teilnehmer mindestens zusammenbringen, dann gehen wir in ein Training und danach seid ihr fit und richtig professionell vor der Kamera.
Torsten J. KoertingUnd ich darf das jedem empfehlen, nämlich so sind wir auch auf Yvonne aufmerksam geworden, die nämlich im Rahmen meiner Mastermind, ich glaube es mittlerweile drei, vier Jahre her, den ganzen Tag in Frankfurt belebt hat. Ich weiß noch, wie wir so viel Spaß hatten, du, Birgit, und ich in einem Auto sitzend. Ich weiß nicht, was wir gesungen haben, aber es gibt ein grandioses Foto davon, wie wir so richtig auf dem Weg dorthin sind, um dann, ich weiß nicht, ich glaube wir waren so 12, 13, 14 Menschen aus unserem Umfeld, wo wir mal so richtig mit dir ein bisschen tiefer reingegangen sind, was Körpersprache angeht. Wir haben Hochstatus, Tiefstatus und viele andere Bereiche gemacht, auch teilweise aus dem Impro abgeleitet und der Tag ja auch ein Stück weit sehr wunderbar improvisiert war, weil natürlich auch andere Dinge entstanden sind als ursprünglich geplant. Ich erinnere mich noch an die eine Live-Intervention, die wir hatten, die gar nicht geplant war, stand in keiner Agenda, die war großartig und darf ich nur jedem empfehlen. Yvonne ist zwar mittlerweile am 12. März war der Kalender erst mal frei, aber wie wir gerade gehört haben, hat der sich natürlich auch mit vielen kleinen Kacheln belegt, sodass es eine Herausforderung sein wird, diesen Moment mit dir zu bekommen und vielleicht gelingt das auch noch, bevor du dann anfängst, deine Preise zu erhöhen. Es war großartig, dich hier dabei zu haben.
GastFür alle
Torsten J. Koertingdiejenigen, die dann sagen, ich war im Umwelzungsgiganten Podcast, die kriegen die alten Preise. Yvonne, es ist so die Usos hier bei uns im Podcast, dass das letzte Wort der Gast hat und zwar nicht an mich gerichtet, sondern an die Menschen dort draußen. Was ist deine Botschaft? Was ist dein letztes Wort an die Menschen, die uns hier zuhören?
Gasthat jeder Angst davor, dass man zum Schluss noch was Schlaues und Kluges sagen muss.
Torsten J. KoertingAber du hast ja Lust zu scheitern und du hast Lust zu improvisieren, von daher fail hard, fail now.
GastJa, gerne, ich feile mal. Normalerweise vor der Kamera, sage ich, wenn die Kamera an ist, ist Bühne. Aber es ist auch nicht nur vor der Kamera so, wenn die Kamera an ist, Kamera ist ja immer an, sobald ihr irgendwo auftretet, sobald ihr in Interaktion tretet. Und sich da mit einem Gerüst von Körpersprache zu helfen, finde ich in Ordnung, aber es sollte nicht das Hauptaugenmerk sein, sondern das Hauptaugenmerk sollte darin liegen, dass ihr euren State klar habt, dass ihr eure Haltung klar habt, dass ihr wisst, wer ihr seid und was ihr könnt. Und deswegen ist mein Lieblingsspruch in diesem Bezug ist Don't train your smile, train your heart.