Jonas Deichmann - Von Weltumrundungen, Rekorden und Wendepunkten
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Diese Podcastfolge ist mit dem grandiosen Jonas Deichmann. Früher war der 35-jährige Sales Manager bei einer IT-Firma, heute Exremsportler und Inhaber von mehreren Weltrekorden.
Letztes Jahr hat er mit 360 Langdistanz Triathlons die Welt umrundet und ist dabei 450 Kilometer an der Küste Kroatiens geschwommen, hat 21.000 Kilometer auf dem Bike verbracht und ist 5060 Kilometer gelaufen.
Wir sprechen über sein bisheriges Leben, wozu unter anderem eine Weltumrundung gehört, sowie über seine vielen aufregenden Stationen. Des Weiteren reflektieren wir Wendepunkte und was er schon alles erlebt hat. Außerdem erzählt er, wie er Erlebnisse wahrnimmt und die Entscheidungen trifft, sich auf neue Wege zu begeben.
Hier findest du Jonas:
Website: https://jonasdeichmann.com/
Viel Spaß bei dieser Folge.
Das Transkript zum Nachlesen
Maschinell erstellt und nicht redigiert — Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Sprecher automatisch getrennt; Gäste sind nicht namentlich zugeordnet. 9.100 Wörter, 57 Minuten Gespräch. Als Textdatei laden.
Torsten J. KoertingVom Nordkap bis zum Kap der guten Hoffnung. 18.000 Kilometer, 72 Tage. Einmal um die Welt mit 120 Long Distance Triathlons. Dazu gehören 21.000 Kilometer Radfahren, über 5.000 Kilometer Laufen und noch über 400 Kilometer Schwimmen. Und ich habe heute jemand ganz Besonderen in diesem Podcast, der mit seinen 35 Jahren schon deutlich mehr erlebt hat als manch anderer in seinem ganzen Leben. Und er ist nicht nur vom Nordkap bis zum Kap der guten Hoffnung geradelt und hat den Streckenrekord in Anführungszeichen aufgestellt. Er ist um die Welt mit 120 Triathlons in etwas mehr als einem Jahr geradelt, gelaufen, geschwommen. Und er war in früheren Jahren Sales Manager, hat an sechs Universitäten studiert und er ist jemand, der jetzt diese Erfahrungen und die Impulse in seinen Vorträgen, die sowohl öffentlich als auch für Unternehmen erlebbar sind, andere Menschen inspiriert. Und zwar nicht es ihm gleich zu tun, sondern um darüber nachzudenken, was es bedeutet zu leben. Seine Botschaften, die unter anderem lauten, einfach machen, fang einfach mal an, geh mal runter vom Sofa und freu dich auf die Startlinie.
Torsten J. KoertingUnd welche Botschaften in ihm sind, die er nun nach außen trägt. Und genau darüber werden wir sprechen. Und jetzt viel Spaß und ich freue mich riesig, dass du da bist. Jonas Deichmann Umsetzungsgiganten
GastUnd in that Perseverance I found new levels of strength Und dann habe ich angefangen, das zu machen.
Torsten J. KoertingWehigkeit weitergeben zu dürfen. Aber es hat was mit Geduldigsein zu tun. Also zu erfahren, was denn die jungen Menschen bewegt. Und heute hier bei uns im Podcast, ich freue mich riesig darauf, schön, dass du da bist. Jonas Deichmann Ja, hallo. Freut mich auch. Jonas, wir haben dich gesehen vor einigen Monaten im Mai in Frankfurt. Und wir haben begeistert deinem Vortrag zugehört. Triathlon um die Welt, das Limit bin nur ich. Das Buch hat mich magisch angezogen am Verkaufstisch. Und als jemand, der auch sehr stark im Sportlichen und in der Outdoor-Welt unterwegs ist, ist es natürlich großartig und eine Riesenehre, so jemanden wie dich hier im Podcast zu haben. Und damit die Menschen sich so ein bisschen einordnen können. Wir haben dich im Mai gesehen. Du wurdest von EOFT bzw. von anderen Formaten als so eine Art Leuchtturmfigur mit eingebracht. Du hast dort berichtet über den Triathlon um die Welt. Wie war die Zeit nach Mai? Was ist dir jetzt hier in Deutschland bzw. in Europa bis jetzt? Wir sind im Oktober. Was ist dir da so widerfahren, Jonas?
GastJa, seit Mai ging es praktisch nonstop so weiter mit Vorträgen. Nicht nur öffentliche bei der EOFT, sondern vor allen Dingen viele, viele Firmen-Events. Und ja, das ging im Dezember letzten Jahres los, wo ich von einem Triathlon um die Welt zurückgekommen bin. Und seitdem habe ich eine andere Art von Marathon, nämlich einen Vortragsmarathon. Auch sehr, sehr spannend kann man Einblicke auch in einfach große Firmen zu bekommen und da Vorträge zu halten. Ansonsten versuche ich so viel, jede freie Minute halt irgendwie auf dem Fahrrad oder in den Laufschulen zu verbringen, wieder zu trainieren, mich vorbereiten auf das nächste Projekt. Ich bin noch in Irland gewesen, zwei Wochen, jetzt war mein Fahrradurlaub und bin mitten in der Planung drin, auch für die nächsten großen Projekte, weil ich habe noch einiges vor.
Torsten J. KoertingDu sagst Fahrradurlaub in Irland, du radelst sonst tausende von Kilometern bei deinen Abenteuern und bei deinen Projekten. War das so gechillt, einfach 300 Kilometer am Tag oder wie darf man sich das vorstellen?
GastJa, das ist, auch im Urlaub, ich kann jetzt nicht am Strand liegen und da langweile ich mich sofort. Das heißt, auch im Urlaub gehe ich dann laufen oder Radfahren oder irgendeine andere Sportart, muss halt Abenteuer dabei sein. Aber ohne jetzt ein konkretes Ziel, dass ich jetzt sage, ich muss halt 300 Kilometer am Tag radeln. Das wären dann schon auch mal 200, aber einfach so, wie es sich gut anfühlt.
Torsten J. KoertingDu hast ja Cape to Cape und der Triathlon um die Welt. Das sind, glaube ich, zwei der auch sehr in der äußeren Welt präsenten Projekte erfolgreich beendet. Beide haben einen Rekordcharakter, Cape to Cape, 18.000 Kilometer, 72 Tage. Du wolltest den Rekord, also vom Nordkap bis zum Cup der guten Hoffnung in Kapstadt erradeln und auch der Triathlon um die Welt insofern Rekord, weil es vor dir noch keiner gemacht hat. Wie ist es zu diesen Projekten gekommen? Was hat dich angetrieben, damals Cape to Cape zu machen beziehungsweise Triathlon um die Welt? War es das der Rekord oder war es andere Dinge, die du dahinter für dich entdecken wolltest?
GastAlso ich mache das seit 2017 auch beruflich. Ich habe vorher im Softwarevertrieb gearbeitet und dann war eine Firmenfeier und mein Chef hat mich gesponsert. Also Timing ist wichtig. Und habe dann 2017 eben meinen ersten Weltrekorder aufgestellt, die schnellste Eurasien-Durchquerung mit dem Fahrrad. Das war für mich einfach ein Traum, mal Abenteuer und Leistungssport miteinander zu verbinden und schauen, wie schnell kann ich denn auf dem Fahrrad einen Kontinent dazu durchqueren. Und die Jahre darauf habe ich dann eben, da sind die Projekte gewachsen, 2018 Panamerika, 2019 Cape to Cape, immer mit dem Fahrrad. Und dann kam einfach so der Wunsch, ich möchte mal eine neue Disziplin ausprobieren. Ich bin einfach auf dem Fahrrad, habe jetzt über 100 Länder bereist, da habe ich so viel gesehen. Ich komme ja kaum noch aus der Komfortzone raus und da beginnt ja das Leben. Und daher bin ich mit Triathlon. Und einmal um die Welt ist einfach Kindheitstraum, ist irgendwie naheliegend als Abenteurer. Wobei es mir darum geht, ist nicht der Rekord an sich. Der ist für mich wie ein Bonus, ist schön ihn zu haben, aber der Weg dahin ist das Ziel. Also es sind einfach die Erlebnisse entlang der Strecke und die besonderen Begegnungen, Naturerlebnisse. Und ich fühle mich einfach lebendig auf so einer Reise.
Torsten J. KoertingWas ist das, was das ausgelöst hat in deiner Vergangenheit? Also dieses sich lebendig fühlen auf so einer Reise. Wo hast du das zum ersten Mal für dich wahrgenommen?
GastAlso praktisch seit meiner Kindheit. Ich komme aus einer Abenteurerfamilie. Mein Opa ist schon in die Welt gesegelt. Mein Opa war Schlangenfänger in Afrika. Mein Vater bereitet gerade auch eine Weltumsegelung vor. Also es ist schon auch ein bisschen so Familientradition. Und von klein auf, ich war immer draußen in der Natur, immer mit dem Feld unterwegs. Was dann sicherlich viel verändert hat. Ich bin im Studium, also ich habe nicht in Deutschland studiert, sondern in sechs verschiedenen Ländern. Inklusive Brasilien, Singapur, Indien. Also auch so Länder, die wirklich komplett anders sind, wo man raus aus der Komfortzone kommt. Und das verändert einen extrem.
Torsten J. KoertingWir werden dann nochmal so ein Stück weit reinschauen, auch diese Wendepunkte in deinem Leben. Denn ich denke, dass Cape to Cape und auch Triathlon um die Welt, da darf man einfach auf deine Vorträge gehen, die ja auch öffentlich stattfinden. Und du die Menschen dort grandios mitnimmst. Nur damit wir mal so ein Blitzlicht reinbekommen, damit Menschen überhaupt nachvollziehen können, was das bedeutet. Cape to Cape. Beschreib mal, was hat dich damals angetrieben, das zu tun? Und dann 18.000 Kilometer, 72 Tage auf dem Rad vom Nordkap bis zum Kap der guten Hoffnung. Wie darf man sich das vorstellen, Jonas? Vielleicht mal ein kurzer Abriss.
GastJa, also es war mein drittes großes Fahrradprojekt nach der Eurasienquerung und dann die Panamerika. Das Cape to Cape, so die letzte von den großen Kontinentalquerungen. Also es war schon sowas, was irgendwie auch naheliegend war. Und mich reizt es extrem, also geografisch gesehen, den Kontinent vom einem Ende zum anderen zu durchqueren. Und das ist einfach so auch, wo man, ja, es ist ja irgendwie naheliegend, man hat ein Ziel, ich möchte jetzt ans andere Ende kommen. Und gerade bei Cape to Cape ist es natürlich landschaftlich und vor allen Dingen aber kulturell und mit den Herausforderungen so extrem spannend, weil es halt einmal quer durch Afrika auch geht. Und man startet oben in der Nördlich des Polarkreises und dann geht es Richtung Sahara, wo es dann ein bisschen heiß wird. Und dann Hochland von Äthiopien und die ganzen Begegnungen und alles. Also es hat alles, was ein Abenteuer ausmacht.
Torsten J. KoertingDu hast dich ja sehr gut vorbereitet in deinem Buch, Das Limit bin nur ich, bist du in Norwegen und trainierst dort. Hat sicherlich was auch mit der Historie von Cape to Cape zu tun. Wie hast du dich damals auf Cape to Cape besonders vorbereitet? Und natürlich ist Ernährung, Equipment, Ausdauer, Mindset, gehört natürlich alles dazu. Und nach deinen anderen Projekten im Vorfeld sicherlich schon bekanntes Terrain. Was war so besonders an der Vorbereitung für Cape to Cape?
GastIch habe keinen Trainingsplan, sondern weil mir geht es 95 Prozent Kopfsache. Es geht darum, motiviert zu sein. Ich muss nicht jeden Tag, wenn ich ein Kmh schneller bin, am Ende, das bringt mir nicht so viel. Sondern es geht darum, einfach durchzuhalten. Einfach jeden Tag meine 10, 11 Stunden im Sattel zu bringen. Ganz egal, was die Bedingungen sind. Ganz egal, ob es schneit oder Hitze oder Lebensmittelvergiftung. Ich fahre immer weiter. Das heißt also, motiviert zu bleiben, heißt auch Spaß zu haben. Und ich habe während der Projekte so eine extreme Disziplin und Regeln für alles, die ich den Rest des Jahres auch gar nicht immer so habe. Wichtig ist von der Vorbereitung einfach Grundlagen. Das heißt, ich fahre so die letzten Jahre mal 50.000 Kilometer pro Jahr geradelt. Und war dieses Mal vor Cape to Cape noch in Anden zum Beispiel auf 5.000 Meter für sechs Wochen. Und bin da ein bisschen rumgeradelt. Habe so ein paar Ultra-Rennen gemacht.
GastUnd ja, dann war ich bereit. Thema Ernährung war ja gerade noch was. Ich habe keinen Ernährungsplan, sondern ich esse einfach viel und alles, auf was ich Lust habe.
Torsten J. KoertingIn deinem Vortrag bei Triathlon um die Welt hast du das gesagt, wie du da dir die Milchshakes reingezogen hast in den Burger-Restaurants. Und dich gesagt hast, das sind genau die Kalorien, die du jetzt brauchst. Spannend ist, kein Plan, sondern die Grundlagen und einfach zuzulassen. Du hast auch, glaube ich, berichtet, Mexiko, wo es dann doch ein bisschen heißer herging mit den kleinen Shots, die dann auch mal sein durften. Und du da gar nicht so großartig jetzt auf alles so geachtet hast, wo man sonst penibel drauf gucken darf. Der Triathlon in Hawaii ist ja gerade zu Ende gegangen. Und wenn man dort die Athleten sieht, die ganz akribisch die Jahre davor planen, ist das ein ganz anderer Ansatz. Und ich glaube, die Zuhörer und Zuhörer dürfen sich auch mal orientieren. 50.000 Kilometer Radfahren im Jahr, das sind 1.000 Kilometer pro Woche. Das sind dann irgendwie 150 Kilometer, wenn ich es grob rechne, am Tag. Das darf man auch erst mal alles so umsetzen.
Torsten J. KoertingAuf was warst du nicht vorbereitet bei dieser großen Tour? Was ist vorgefallen oder was ist passiert, wo du sagst, da hätte ich vielleicht noch mal im Vorfeld drauf schauen sollen?
GastAlso bei so einem Projekt, der funktioniert der beste Plan in der Praxis sowieso nicht. Das lief alles dann durch Skandinavien und auch durch Russland. Da hatten wir irgendwie zehn Tage Dauerregen und übelste Bedingungen. Aber das lief alles trotzdem noch relativ locker. Und dann kam Afrika und die Probleme gingen los. Also ich bin damals gemeinsam mit einem Fotografen gestartet. Und der ist dann in Ägypten mit Lebensmittelvergiftung ausgestiegen. Und dann bin ich alleine weitergefahren. Also es hat schon mal den ganzen Plan und alles natürlich durcheinander geworfen. Und ich hatte gerade in Afrika, ich würde sagen, die ersten, also von Ägypten bis Kenia, die ersten zweieinhalb Wochen, da war kein Tag, der nach Plan verlief. Da ist jeden Tag irgendwas total schief gelaufen. Ich hatte in Ägypten nonstop Probleme mit Polizei und Militär. Die haben mich einfach immer angehalten. Wollte mich nicht weiterfahren lassen. Habe dann auch eine Nacht in einer Gefängniszelle verbracht. Und dann Sahara hatte ich auch Lebensmittelvergiftung. Das ist ein ziemlich mieser Ort, um eine zu haben. Aber geht auch irgendwie weiter. Also auch eine Lebensmittelvergiftung ist in allererster Linie Kopfstache. Damit kann ich auch noch meine 250 Kilometer radeln. Und in Äthiopien hatte ich dann einen Bürgerkrieg. Also da haben wirklich die Straßen gebrannt. Sind über 100 Leute umgebracht worden in der Stadt, wo ich war an dem Tag. Und es war so in Afrika jeden Tag einfach eine neue, meist böse Überraschung.
Torsten J. KoertingDas Spannende ist ja, wie wir damit umgehen. Wie wir uns vorbereiten. Es gibt ja so, ich komme aus dem Projektmanagement. 30 Jahre Projektmanagement gemacht. Programmmanagement. Da ist ja Risikomanagement so eine ganz wesentliche Disziplin. Und du kannst ja gar nicht alle Risiken absichern im Vorfeld. Sondern die Frage ist ja, wie geht man mit diesen ganzen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten um, die ohnehin einen auf diesem Weg begleiten. Wie hast du dich da drauf eingelassen? Du hast deine ganzen Vorträge gehen in Richtung auch Mindset für die Unternehmen und für die Mitarbeiter. Was ist so die Schlüsselbotschaft, die du daraus für dich als auch für andere abgeleitet hast?
GastAlso ich bin ja unterwegs in einem Umfeld von extremer Unsicherheit. Also ich weiß nicht, was morgen passiert. In Afrika war das extrem, noch viel extremer war es während dem Trianon um die Welt. Es war einfach die Pandemie. Ich habe nicht gewusst, ob die Grenze im nächsten Land offen ist oder nicht. Und ich konzentriere mich auf das, was ich beeinflussen kann. Also das heißt einfach, kann ich was machen, um es zu ändern? Und wenn nicht, dann verschwende ich damit auch keine negative Energie. Und ich schaue einfach nach den kleinen Schritten. Wie kann ich meinem großen Ziel nur ein kleines Stückchen näher kommen? Und wenn ich ganz viele kleine Schritte in die richtige Richtung mache, dann komme ich auch irgendwann an. Thema Risiko ist auch ein interessanter Punkt, weil Risiko ist etwas extrem Emotionales. Das heißt, es ist ein Empfinden, was extrem in den meisten Fällen einfach nur falsch ist. Heißt, wo ich durch die Art ja geschwommen bin, haben die Leute immer gesagt, hast du keine Angst vor Haifischen? Zehn tödliche Haieattacken weltweit pro Jahr. Die sind in Australien und Südafrika. Also die Wahrscheinlichkeit, im Mittelmeer vom Hai gefressen zu werden, die ist, also da sind Kokosnüsse, die vom Baum fallen, deutlich gefährlicher. Aber davor haben wir Angst. Vor Autoverkehr in der Großstadt haben wir keine Angst.
GastUnd das ist so das Verhältnis mit allem, was Risiko angeht. Ich mache vorher natürlich eine Risikoanalyse. Aber das, was ich mache, ist bei weitem nicht so gefährlich, wie es nach außen hin wird.
Torsten J. KoertingAlso spannend finde ich diese Botschaft, konzentrier dich auf das, was du beeinflussen kannst. Und das war sicherlich in der Atria, das Salzwasser und alles, was damit dazugehört hat. Und die vielen, vielen Kilometer jeden Tag, die du geschwommen bist, auf die wir gleich noch kommen. Du bist ja Cape to Cape, Nord bis Süd war der Antrieb ein Stück weit der Rekord. Zumindest ist es auch so beschrieben nach außen hin, als du dann da unten angekommen bist. War das wie so durch ein Ziel durchlaufen? Ist da wie eine Last runtergefallen oder sagst du, das viel geilere waren die 18.000 Kilometer davor?
GastDefinitiv das geilere waren die 18.000 Kilometer davor. Also für mich ist es auch vom Kopf her, vom Mindset. Ich visualisiere mir die Ankunft in Kapstadt schon Monate davor und ich weiß, wie ich es schaffen werde. Ich habe in mir, in dem Moment, wo ich losfahre, ist das Projekt für mich in meinem Kopf geschafft. Also ich habe keinen Zweifel. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich es auch ankomme. Und das ist, ja, es gibt Faktoren, die können mal, aus irgendeinem Grund kann mal was schief gehen. Aber ich glaube einfach zu 100 Prozent, dass ich ankomme. Und daher, wenn ich dann ankomme, ist es für mich wie Bestätigung für die harte Arbeit. Und klar, ich freue mich, es ist geschafft. Jetzt wird auch mal gefeiert, aber es ist bei mir nicht dieser Moment, wie jetzt, wenn ein Fußballspieler ein Tor schießt oder man eine Tour de France-Etappe gewinnt, wo man von einem Moment auf den nächsten das Gefühl hat, ich habe gewonnen, ich habe es geschafft. Ich weiß schon Monate vorher, ich werde gewinnen und Wert schaffen.
Torsten J. KoertingAlso auch wieder hier Visualisierung von Zielen, von Ergebnissen und den Weg dahin genießen. Es war 2019, als du das ermöglicht hast, dir ermöglicht hast, uns ermöglicht hast, dann im Nachgang auch mit deinen Berichten. Dann kam ja 2020 und 2020 für uns, die so im Business sind, war der 13., 14. März wie so ein Einschlag. Es hat sich alles verändert. Manche haben dann im April wieder gedacht, so, jetzt geht es wieder los. Man hat so die Trainer, Speaker, Autos gesehen, wo dann so das Flipchart und das Moderationskit dabei war mit dem Titel So, bin wieder auf dem Vortrag, bin wieder auf dem Workshop, es geht wieder los. Und ich glaube, es hat sich damals noch keiner vorstellen können, dass uns das bis heute beschäftigt. Du hast aber genau in der Zeit dann auch dein weiteres Projekt geplant und auch durchgezogen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich auf einer der EOFT oder Bandveranstaltungen war. Da warst du noch unterwegs und du warst geteasert. Es gab so einen Zwischenbericht und wir saßen da alle im Kino, Abstand und so mit der Maske. Auch einige Speaker-Kollegen bzw. Extremsportler, die ich kenne, die haben ihre Projekte abgebrochen aufgrund der Pandemie. Und du warst mittendrin und hast durchgezogen. Wie hast du das Projekt vorbereitet? Also wie kommt man überhaupt in dieser Zeit der Pandemie auf die Idee, jetzt ein Triathlon um die Welt zu machen, ohne zu wissen, wie die ganzen Länder, die Regularien ausziehen? Und wie war das dann währenddessen, Jonas?
GastAlso die Idee für das Projekt und die Routenplanung, das habe ich vor der Pandemie gemacht. Also die Idee kam mir während Cape to Cape, wo ich da durch Afrika geradelt bin. Und dann habe ich eine Route gehabt und alles und war auch schon im, ich war gerade im Gran Canaria im Trainingslager, Lauftrainingslager, als die Nachrichter im Fernsehen gesehen, okay, jetzt gibt es einen Lockdown. Also jetzt geht irgendwie alles, das wird jetzt ziemlich unangenehm. Und das heißt, ich habe natürlich dann auch erst mal nicht planen können, wie geht es jetzt mit der Welt im Rundung. Aber für mich war das wie für alle anderen auch, es gibt verschiedene Szenarien, aber gewusst hat es keiner, wie lange es geht. Und ich habe dann die Route ein bisschen angepasst, habe auch einen alten Plan B halt gehabt und einen Plan C. Ich wollte ursprünglich eine schöne warme Südroute nehmen auf dem Fahrrad von der Türkei in Iran, Pakistan, Indien, Südostasien und habe mich schon, bevor ich dann gestartet bin, darauf eingestellt, okay, wahrscheinlich geht es doch eher durch Russland, Weil es einfach ein Land ist, was groß ist, also weniger Grenzen.
GastUnd von der sportlichen Herausforderung, das war das Interessante in der Vorbereitung. Normalerweise konzentriere ich mich auf das Sportliche. Wenn ich das schaffe, dann komme ich auch irgendwann durch. Und dieses Mal war die größte Herausforderung mich, wie komme ich über die Grenzen? Wie schaffe ich das mit der Bürokratie? Und ich habe dann auch die Route einfach so angepasst, okay, so wenig Grenzen wie möglich. Und wie komme ich da irgendwie durch? Und das Interessante ist aber, irgendeine Lösung gibt es halt immer. Ich habe den Vorteil noch für mich, ich sehe zwar, wenn ich da jetzt irgendwie laufen bin oder radeln oder schwimmen, nicht aus wie ein Berufsreisender. Aber es ist ja mein Beruf. Also da ja viele Grenzen, die für Touristen zu sind, die waren aber für Berufsreisende auf.
Torsten J. KoertingDu hast das auch sehr intensiv berichtet in deinem Vortrag. Der eine Grenzübergang, wo es dir fast gar nicht möglich gewesen wäre, durchzukommen. Ich glaube, in Richtung Russland, also nach Russland rein. Du bist ja damals, und es ist ja nicht nur die Pandemie jetzt passiert, sondern zwei, drei Monate, nachdem du zurückgekommen bist, der Krieg von Russland in der Ukraine oder mit der Ukraine. Und du bist ja damals auch genau durch die Ukraine, durch Kharkiv und dann dort auch über die Grenze. Frage eins. Hast du damals schon irgendwas wahrgenommen? Also diese Spannungen. Ich war damals auch in Kharkiv, habe dort Vorträge gehalten. Super junges Publikum, tolle Menschen, neugierig, wissenaufsaugend, in die Zukunft blickend. 2018, 2019 waren wir noch da. Und die Grenze war 60 Kilometer oder was sie dort entfernt ist. Wie hast du das damals wahrgenommen, als du da durch bist? Und wie denkst du heute darüber, wenn du die Bilder aus Kharkiv und aus der Ukraine siehst?
GastIch bin das erste Mal, ich bin schon voll mal in Kiew gewesen. 2017 bin ich beim Eurasien-Rekord auch quer durch die Ukraine geradelt. Und was mir dort aufgefallen ist, 2017 war definitiv jetzt kein extremer, also da haben sie sich noch verstanden. 2017, da gab es den Krieg auch schon, also einen kleineren Krieg im Donbass. Aber da hatte ich noch nicht das Gefühl, dass jetzt in der Ukraine in wirklicher Feindseligkeiten gegenüber Russland so in der Bevölkerung präsent sind. Und wo ich jetzt im Februar, im Februar in der Ukraine war, also kurz vor einem, ein Jahr bevor der Krieg losging, da habe ich schon gemerkt in Kharkiv, okay, man versteht sich überhaupt nicht mehr. Also Russland hat da wohl schon mit der Grimm und in Donbass schon so viel angerichtet, dass in der Ukraine, in der Bevölkerung bereits da die Stimmung komplett gegen Russland umgekippt ist. Was Putin immer gesagt hat, er kommt, um die russische Bevölkerung der Ukraine zu befreien, das habe ich komplett anders wahrgenommen. Die haben bereits damals Russlands überhaupt nicht leiden können, nach allem, was auch vorher vorgefallen ist.
GastIch habe schon so ein bisschen, also dass dann so ein Einmarsch kommt und Krieg hat mich natürlich auch überrascht, aber die Spannung, die waren, hat man überall sofort gesehen. Das ging so weit, ich wurde dann auch vom Radteam, von einem lokalen Radclub mal eingeladen, war mit dem zum Essen und so weiter. In Kharkiv sind ja alle russische Muttersprachler. Und die haben teilweise wirklich dann auch, nee, nee, wir sprechen kein Russisch, wir sprechen Ukrainisch. Also wirklich so, ja, sind eben stolz in Ukrainer und kein Russen.
Torsten J. KoertingWie schaust du da heute drauf, wenn du die Bilder siehst?
GastJa, für mich persönlich ist es wirklich schockierend, das zu sehen, was eben auch mich persönlich betrifft. Ich habe doch zwei Wochen dort verbracht, in Kharkiv wurde da ja jemandem gewohnt, die Leute haben mich zum Essen eingeladen, mit mir rangegangen, super nette und razzische Leute. Und jetzt wird die Stadt täglich beschossen. Das trifft mich persönlich auch wirklich hart. Aber ich muss auch sagen, ich bin auch durch Russland geradet, habe auch überall nette Leute getroffen, genauso wie auch in der Ukraine und allen anderen Ländern, wo ich war. Also es ist einfach Politik.
Torsten J. KoertingDanke fürs Teilen, Jonas. Und ich glaube, intensive Erlebnisse, gerade jetzt auch im Rückblick mit der Ukraine und Russland, durch die du die Länder, durch die du ja auch durchgekommen bist mit dem Fahrrad. Dieser gesamte Triathlon ist ja sehr stark auch in der Presse gewürdigt worden. Es ist ja eine herausragende Leistung, darf man sagen, und hat sich auch nochmal deutlich abgegrenzt von deinen anderen Projekten, die du im Vorfeld hattest. Hat dich das überrascht? War das etwas, was du auch bewusst initiiert hast? Du warst früher Sales Manager, da kommen wir noch nachher drauf zu sprechen. Aber ist das etwas, was dein Ansinnen war, auch gelernt vielleicht aus den ersten Projekten? Oder warst du selbst beeindruckt und überwältigt von dem, was da dann im Nachgang auf dich und währenddessen vielleicht schon auf dich hereingeprasselt ist?
GastAlso klar, ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ich habe das nie des Geldes wegen gemacht, sondern weil es für mich einfach die beste Sache der Welt ist. Aber ich muss auch schauen, wie ich damit Geld verdiene, klar. Deshalb habe ich natürlich auch alles Mögliche getan, um eine tolle Story zu haben und das in die Medien zu bringen. Ich habe schon vorher gewusst, dass das mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ziemlich große Story wird, deutlich größer als die Radprojekte vorher, einfach aus verschiedenen Gründen. Ein Triathlon, die Welt ist viel, viel greifbarer. Da versteht ihr ja sofort, was ist das? Und noch dazu, während der Pandemie, man steht ja immer irgendwie in Konkurrenz, auch was Medienaufmerksamkeit angeht. Und du hast es vorhin schon gesagt, alle anderen Abenteurer haben ihre Projekte abgesagt. Ich war einfach der Einzige. Also ich hatte sozusagen, was große Expeditionen angeht, den News-Charakter hatte ich praktisch einen Monopol. Ich war einfach der Einzige, der etwas Cooles gemacht hat. Ganz einfach. Und daher habe ich schon erwartet, dass es etwas Größeres wird. Es ist auch immer stetig, stetig gewachsen. Und dann kam Mexiko. Und Mexiko war in keinster Art und Weise geplant. Also ich habe ein bisschen vielleicht nachgeholfen. Ich habe mir so eine Barbara-Gamp-Mütze bestellt auf Amazon und hatte einen langen Bart, damit auch so ein bisschen nicht schon wie Forrest Gump aussehen. Aber am Ende, dass mir da eine Straßenthüge hinterher rennt und es dann die nationale Cool-Story wird. Und ich für drei Monate, ich war ja täglich im Fernsehen in Mexiko, also wir haben es mal ausgerechnet in der Agentur. Ich hatte eine Medienreichweite von 300 Millionen.
GastUnd es kam praktisch über Nacht. Und das ist dann auch nach Deutschland übergeschwappt. Das war in keinster Art und Weise in diesem Ausmaß natürlich vorhersehbar. Also es hat meine künstlichen Erwartungen einfach mal um das Zehnfache übertroffen. Und ja, man weiß nicht, wann die Möglichkeit kommt, aber man kann seine Trefferquote erhöhen, indem man einfach coole Dinge macht und dafür bereit ist. Und wenn die Gelegenheit kommt, muss man sie auch packen.
Torsten J. KoertingJa, du sagst gerade, du hattest ein Monopol. Ich glaube, keinem war es hier so gewahr, dass da gerade jemand aus Deutschland in der Welt irgendwie so ein Projekt angeht. Und war ja damals auch oder kurz davor noch die Zeit, wo man über die Luftbrücken sozusagen deutsche Staatsbürger wieder nach Deutschland geholt hat und alle versucht haben, hier wieder zurückzukommen. Und dann macht sich da so ein Abenteurer auf den Weg. Und spannend auch die Geschichte aus Mexiko, wo du beschrieben hast, dass dieser Bulli neben dir angehalten hat. Und du hast gedacht, jetzt werde ich hier überfallen. Und dann kommen die da raus. Und dann ist es eine Band, die dir dann das Liedchen spielt und ihr einfach auf der Straße richtig Spaß habt zusammen. Und das ist natürlich dann völlig eskaliert. Also nicht der Tag nur, sondern was du auch beschrieben hast mit Mexiko. Ich würde auf eine Sache nochmal schauen. Du hast gesagt, du wolltest eine neue Sportart ausprobieren. Gerade das Schwimmen vor der Küste von Kroatien, was ein wesentlicher Teil, 430 oder 420 Kilometer. Was hatte ich mir aufgeschrieben? 450 Kilometer Schwimmen vor Kroatien. Du ja vorher so das Wasser, auch wenn dein Vater jetzt eine Segeltour noch plant, möglicherweise noch nicht so verinnerlicht hast. Vorher das Radfahren so intensiv war. Was hat dich angetrieben, das Laufen und besonders das Schwimmen zu integrieren?
GastAlso ich bin mein ganzes Leben lang Radfahrer gewesen. Ich bin früher Radrennen gefahren, habe dann die Fahrrad-Weltrekorde aufgestellt. Das wird auch immer meine Lieblingsdisziplin bleiben. Aber es war einfach so, ich war bereit für eine neue Herausforderung. Und habe überlegt, okay, was kann man machen? Was liegt irgendwie nahe? Ich wollte Fahrradfahren auch so ein bisschen dabei haben. Aber ich meine jetzt auch keine Sachen, die einfach so nur des Rekordes wegen hergezogen sind. Also dass man jetzt auf dem Einrad irgendwas macht oder so oder Sackhüpfen oder wie auch immer, gibt es ja für alles Rekorde. Ich wollte jetzt auch nichts machen, was so ganz aus der Welt hergezogen ist. Und dann muss schon was Festes sein. Und Triathlon daher, ich bin ein guter Läufer gewesen. Ich bin ein ganzes Leben lang auch im Training, einfach viel Trailrunning, ETC gemacht. Und Schwimmen war für mich der Punkt, es ist ja nicht weit. Also 450 Kilometer, das sind zwei Monate, dann bin ich da durch. Das klingt jetzt zu viel weit, aber im Verhältnis zu dem, was ich sonst mache, ist es nicht so weit. Es ist absehbar. Einfach mal zwei Monate lang halt jeden Tag aufstehen und schwimmen.
GastJa, und dann ist man irgendwann da. Und ich fand diese Herausforderung auf, das anzugehen, unglaublich spannend, weil ich war kein Schwimmer, ich habe Seepferdchen gehabt und dann auch noch zusätzlich mit Kloß. Ich habe ja kein Beiboot gehabt. Das ist eine ganz neue Disziplin, die auch vorher so, soweit ich weiß, dass eine andere Person vor mir gemacht hat. Also es war für mich wirklich ein absolutes Neuland. Beim Laufen auch, aber beim Laufen ist es mehr so wie, wenn man sagt, ich mache 120 Marathons, 120 Tagen, da kommt erstmal einfach Ablehnung. Geht nicht. Aber das Interessante ist, die Ablehnung, die kommt von 99 Prozent der Leuten. Das sind 99 Prozent der Leute, die aber noch nie einen Ultralauf gemacht haben. Das ist einfach für mich unqualifizierte Meinungen. Beim Schwimmen war es was ganz anderes. Beim Schwimmen war ich der Unqualifizierte. Und jetzt haben die ganzen Schwimmer und Triathleten alles und ich gesagt habe, das geht nicht.
GastUnd ich muss trotzdem der festen Überzeugung sein, ich habe alle Unrechte, das geht, ich kann das. Und ich breche mir das einfach von meinem Kopf herunter. Und Distanzen, große Distanzen, die schrecken erstmal ab. Aber in meinem Kopf, ich muss ja keine 460 Kilometer schwimmen. Sondern ich schaue das Ganze in kleinen Stückchen an. Ich schwimme jetzt mal einen Kilometer. Wenn ich einen Kilometer schwimmen kann, dann kann ich auch 450 Kilometer schwimmen. Aber ich komme irgendwann an. Es ist ja kein Geschwindigkeitsrekord.
Torsten J. KoertingJa, großartig. Dieses Runterbrechen, ich glaube, so für uns Normalbürger in Anführungszeichen. Wenn man dann Marathon läuft, sagt man, ich laufe keinen Marathon, sondern ich laufe 42 mal einen Kilometer. Und das im Kopf sich einfach kleinzurechnen. Ich glaube, du hast allen bewiesen, dass es geht. Also du hattest die unqualifizierte Meinung und wie man so fast sagen könnte, so im inneren Kind, der Sturkopf. Nee, ich mache das jetzt. Ich schaffe das jetzt und ich kriege das hin. Und die Bilder, die du uns gezeigt hast im Rahmen des Vortrages, glaube ich, zeigen, wie du da dann von der Küste weg bist und dann wieder zur Küste hin. Und die Strömung und so weiter. glaube ich, auch ganz besondere Erfahrungen dann deinerseits. Was war das so ganz Besondere an diesem Projekt? Also neben dem, natürlich das, was uns da durch den Kopf geht, Triathlon 360 mal oder 420 mal oder wie oft da der 120 mal der Triathlon gewesen ist. Was war das, wenn du jetzt darauf zurückblickst, wo du sagst, wenn ich eine Seite im Buch hervorheben dürfte, welche wäre das?
GastSchwierig zu sagen, weil so unglaublich viel passiert ist, gerade weil alle drei Disziplinen auch komplett unterschiedlich sind. Auch von der Herausforderung her mit Schwimmen. Für mich das Komplette in Neuland, wo ich auch, ja, einfach eine Riesenherausforderung. Die Radstrecke war letztendlich vom Grund vom Wetter im sibirischen Winter ein bisschen anspruchsvoll und dann Mexiko halt die Dauerbelastung mit den Marathons. Was aber mir trotzdem so vorne in den Kopf kommt, wenn ich daran denke, ist einfach Mexiko und wie verrückt das alles wurde. Ich wurde da als deutscher Forrest Gump eben zur nationalen Berühmtheit, habe dann meine Polizeiskorde gehabt und tausende von Leuten, die mitgerannt sind. Da sind dann die Drogenkartelle gekommen und meine Straßenhündin und alles weiter. Es wurde einfach jeden Tag was Neues komplett unerwartet ist. Das ist, wo ich am meisten sofort dran denke.
Torsten J. KoertingUnd das war gar nicht geplant. Das darf man auch dazu sagen. Also das ist ja das, was Mike Tyson hat mal gesagt. Der Plan hält so lange, bis du den ersten Schlag in die Fresse kriegst. Und da könnte man auch sagen, sinnbildlich was in die Fresse gekriegt, was dann dafür gesorgt hat, dass du die geilste Zeit hattest in New York, in New York, sage ich schon, in Mexiko. Erstmal danke dafür. Ich habe vorher mal so unsere Community, unsere Kunden gefragt, was ich fragen sollte. Und natürlich geht das alles in Richtung deiner Abenteuer. Und ich würde das mit den Fragen mal so ein Stück weit abbinden, weil es so viele sind. Sag einfach mal eine Zahl zwischen 1 und 10 und wir picken uns drei raus. Und du gibst einfach eine kurze oder mittelfristige, mittellange Antwort, wie du magst. Na, dem war die Nummer 8. Die Nummer 8. Gab es Tage, an denen dein innerer Schweinehund schwer zu überwinden war?
GastDas Überwindung kostet, das ist irgendwo naheliegend, aber ich habe ihn immer überfunden. Also es gibt keinen einzigen Tag, an dem ich jetzt im Zelt liegen geblieben bin, wo ich nicht meine Stunden gebracht habe. Den gab es nicht. Ist einfach so, wenn ich weiß, heute wird, also ich habe immer so ein Spiel von Disziplin und ein bisschen lockerer sein. Das heißt, ich trinke abends auch mal ein Bier oder ein Tequila, aber nicht in jeder Situation. Wenn ich weiß, der nächste Morgen, der wird extrem schwierig. Heißt, wenn ich in Sibirien zelte und habe minus 15 Grad und alles ist nass und Schneesturm ist draußen. Oder wenn ich in der Athea bin und ich weiß, es ist ein unruhiger Tag mit Wind und Wetter und allem, dann bin ich extrem diszipliniert. Da habe ich ja immer geregelt, du shit first. Das heißt, mein Wecker klingelt und wenn er klingelt, dann bin ich sofort in meinem Modus. Das heißt, ich springe auf, ich ziehe meinen Neoprenanzug an oder ich ziehe meine steif gefrorenen Schuhe an und schwimme daran los. Und da gibt es, da führe ich einfach aus. Und der interessante Punkt ist, wenn man das oft genug gemacht hat, wenn man das einfach so eine Regel gemacht hat, den inneren Schweinehund sofort anzugreifen und sich zu überwinden, dann ist es irgendwann auch nicht mehr so schwer.
Torsten J. KoertingAlso ich finde das großartig, weil wir das gleich noch aufs Business übertragen können. Du selbst kommst ja aus dem Business, gibst Vorträge im Business und da sicherlich eine großartige Botschaft dahinter ist, dass es Momente geben darf, wo du dich auch mal ein bisschen gehen lassen darfst, um es mal so zu sagen. Und dann gibt es Momente, wo klare Disziplinen, Regeln und Prinzipien zu befolgen sind, ohne daraus eine gesamte Lebensphilosophie zu machen, sondern dann auch wieder zu den Momenten zurückzukommen, wo es mal wieder fließen darf. Danke. Acht haben wir, also die Nummer acht haben wir. Was wäre die nächste Zahl, die du dir wünschst? Dann nehmen wir auf die Nummer fünf. Die Nummer fünf. Erzähl uns etwas von deinen lustigsten Erlebnissen. Wow, das hatten wir noch nicht. Jonas, was war das lustigste Erlebnis?
GastIch glaube, die Frage habe ich noch nie bekommen. Super, also die lustigsten Erlebnissen, ich muss sofort an Mexiko denken und da ist es gut. Was unglaublich lustig war für mich, sind die ganzen Geschenke, die ich bekommen habe. Und da war, für mich war es nicht immer lustig, weil ich musste das Ganze hinter mir herschleppen und ich habe teilweise an einem Tag mal innerhalb von zehn Minuten irgendwie 30 Liter Getränke bekommen und 20 Semperros und ich habe auch Steine geschenkt bekommen tatsächlich von den Mexikanern. Also fünf Kilo schwere Steine. Und das ist eigentlich noch einmal gelandet, weil man darf das Schenke in Mexiko nicht ablehnen. Das war meine größte Herausforderung in Mexiko. Das war nicht die Hitze, sondern es war tatsächlich die ganzen Geschenke irgendwie wieder loszuwerden, weil mein Anhänger wurde so schwer, dass ich einfach nicht mehr die Berge hochgekommen bin.
Torsten J. KoertingWie hast du dich dann den Geschenken entledigt? Ich weiß nicht, ob jetzt ein Mexikaner hier zuhört, aber wie hast du dich den entledigt? Hast du eins auch weiter verschenkt?
GastJa, immer wenn jetzt gerade keiner geguckt hat und ich ein bisschen weniger Leute dabei hatte, dann habe ich die normalerweise an Mitläufer oder an Polizeieskorte irgendwie weiter verschenkt. Großartig.
Torsten J. KoertingDas wird denjenigen freuen, der die Frage gestellt hat. Ich werde es ihm sagen, dass da eine Frage drüber, die noch keiner gestellt hat und es dich auch gleich das Lächeln auf die Lippen gezaubert hat. Großartig. Einen nehmen wir noch. Die fünf hatten wir und die acht. Welche nimmst du jetzt von den zehn?
GastDann nehmen wir die Nummer drei.
Torsten J. KoertingDie Nummer drei. Auch schön. Was war dein schönstes Erlebnis?
GastAuch eine schwierige Frage. Das schönste Erlebnis war für mich der Moment des Losfahrens in München. Einfach weil das ist ein Jahr der Vorbereitung und vorher auch Anspannung und alles. Und vorher, es war Pandemie. Also es waren so viele Unsicherheiten drinne und jeder hat gesagt, du spinnst doch, das geht nicht. Und in dem Moment, wo ich dann gestartet bin, das ist einfach nur befreiend. Jetzt geht es einmal um die Welt und irgendwie schaffe ich das auch. Also jetzt gibt es keine Zweifel mehr. Der Moment des Losfahrens ist einfach so diese Vorfreude. Jetzt kommt ein Jahr Abenteuer und all die Erlebnisse. Das ist für mich das Allerschönste.
Torsten J. KoertingGroßartig und möglicherweise eine Botschaft an alle da draußen, die sich, ob kleine oder große Projekte vornehmen, sich auf den Moment zu freuen, wo es dann endlich losgeht, weil dann alles von einem abfällt. Und man weiß, man ist gut vorbereitet hoffentlich und kann es durchziehen. Danke erstmal für die Beantwortung der Fragen. Jonas, du bist im November zurückgekommen und seitdem, wer dir so folgt, sieht, dass du sehr viel unterwegs bist. Jetzt mal abgesehen von Irland und Italien bist du auf vielen Vorträgen unterwegs, sowohl öffentlich als auch für Unternehmen und sozusagen in between projects. Das Ganze fing ja irgendwo an. Du hast eingangs gesagt, du kommst aus einer Abenteuerfamilie. Dein Vater plant gerade die Welt um oder eine Weltumsegelung. Du warst eigentlich von Kindesbeinen an in der Natur unterwegs. Was hat dich damals bewogen, abgesehen in sechs verschiedenen Universitäten zu studieren, überhaupt zu considern und es dann auch wahrzumachen in irgendeine Key Account Managing Role, in der du ja nicht lange gewesen bist, aber dann doch Sales Manager für ein paar Jahre zu werden, dich auf diesen mehr oder weniger fast schon klassischen Pfad einzulassen?
GastAlso ein klassischer Pfad war es jetzt nicht aus der Perspektive, dass ich schon immer gewusst habe, ich will mal meinen eigenen Weg gehen. Ich will auch mal selbstständig sein und habe noch nicht gewusst, in welche Richtung. Aber ich habe schon irgendwie gewusst, ja, ich will meine eigenen Sachen machen und meine eigenen Projekte. Und Vertrieb ist das Allerwichtigste, muss man ganz klar sagen. Also mein Ziel, wo ich dann mein Master fertig hatte, habe ich auch überlegt, klar, ich könnte jetzt auch irgendwie, wäre alle Möglichkeiten offen gehabt. Und ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, ich mache Softwarevertrieb, einfach weil Software fand ich eine spannende Branche. Man verdient auch ganz gut, also ich konnte mal ein bisschen Geld auf die Seite legen für dann später Projekte oder Selbstständigkeit. Und ich wollte einfach den Vertrieb erlernen, weil letztendlich ist, was ich jetzt mache, klar, ich muss die Abenteuer machen, aber um ein erfolgreicher, also auch kommerziell erfolgreicher Abenteurer zu sein, da ist es, ja, auf der einen Seite des Projekts, aber noch viel wichtiger wahrscheinlich ist, ob man es auch verkaufen kann.
Torsten J. KoertingDamals, als du in den Vertrieb gegangen bist und diese Vertriebsstärke erlernen wolltest und möglicherweise auch durch deine Art ein gewisses Talent dafür und auch sicherlich nicht unerfolgreich, war es geplant für dich dann nach den, nach den paar Jahren, in Anführungszeichen, dann dich aufzumachen und das nur als Zwischeninstanz zu sehen oder ist das entstanden?
GastDa muss ich sagen, so beides ein bisschen. Ich habe immer gewusst, ich möchte mal eine Weltreise machen, ich möchte mal was Eigenes probieren und ich habe immer nicht gewusst, was es ist, wo ich angefangen habe und habe vor allen Dingen nicht, natürlich nicht geahnt, also ich muss jetzt sagen, wie das jetzt bei mir ist als Abenteurer, da bin ich einer von wahrscheinlich Hunderttausenden, die den Traum haben und davon auch so gut leben kann. Also es war in meines der Art und Weise, das ist wie, wenn wir als kleiner Junge davon träumen, Fußballnationalspieler zu werden, die Chancen sind nicht allzu groß, muss man auch sagen. Und daher, ja, ich hatte meine Vision, ich habe so gewusst, in welche Richtung das Ganze gehen könnte und ja, ich kann jetzt dafür die Grundlagen bauen, aber es war für mich definitiv klar, ich werde da jetzt den Job auch nicht alt werden.
Torsten J. KoertingDu sagst, du kommst aus einer Abenteuerfamilie und ich gucke gerne auch in diesen Gesprächen, ob jetzt mit Martin Fry, der im Guinness Buch steht, weil er die Seven Summits bestiegen hat und zusätzlich noch die sieben Weltmeere durchsegelt hat oder mit Hans Kammerlander, der jetzt 65, 66 Jahre alt ist und immer noch Rekordhalter ist für die schnellste Besteigung des Everest vom Basislager und auf der anderen Seite dann mit Skiern abzufahren und das alles an einem Stück sozusagen. Nach diesem magischen Moment, nach dem Moment, wo der oder diejenige diese Entscheidung getroffen hat, mein Leben wird ein Stück weit anders aussehen. Dieses Bewusstsein, ja, ich bin in einer Abenteuerfamilie aufgewachsen, ja, ich habe das irgendwie im Blut, ja, das kommt irgendwie von außen auch auf mich rein und prägt mich. Aber diesen Moment, wo du entschieden hast, mein Leben wird anders aussehen und es gibt für mich eine Richtung, die ich zwar jetzt vielleicht noch nicht ganz greifen kann, aber die anders aussieht als die, mit denen ich da auf sechs Universitäten vielleicht gerade studiere. Gab es bei dir diesen Moment im Leben, Jonas?
GastAlso gewissermaßen war es schon von klein auf so, dass ich Dinge anders gemacht habe. Das Studium hat mich sicherlich sehr verändert. Also ich habe, ja, eben in sehr vielen verschiedenen Ländern studiert und interessanterweise, ich bin im vierten Semester von meinem Bachelor, habe ich in Singapur ein Auslandssemester gemacht. Und ich habe dann aber nicht in Singapur gelebt, sondern ich habe am Strand auf einer kleinen paradiesischen Insel in Malaysia so eine Strandhütte gemietet, habe von da aus studiert und bin immer gependelt nach Singapur alle drei Wochen. Und das Ganze, davor hat auch jeder zu mir gesagt, wenn man versucht, so eine Lerngruppe im Paradies zu rekrutieren, und meine Mitstudenten haben alle gesagt, das geht doch nicht, du spinnst. Wie soll das funktionieren? Hat ja noch keiner gemacht. Aber was mir aufgefallen ist, die haben überhaupt keine Argumente gehabt. Das Argument war, das geht nicht, hat noch keiner gemacht.
GastAber es ist ja kein Argument. Und am Ende, ich habe dann vom Strand aus studiert und ich war am Ende von dem Semester der beste von allen Austauschstudenten, habe irgendwie weniger als die Hälfte von dem Geld ausgegeben, habe gut gespart und habe praktisch Urlaub, also eine super Zeit. Aber ich habe auch effizient natürlich studiert in der Hängeband, also man braucht Disziplin dafür. Aber das hat viel bei mir verändert, Weil, das hat mir nochmal wirklich so ganz klar gezeigt, die meisten Leute sagen, wenn man ins Risiko geht, wenn man was anders macht, erst mal sagen wir, das geht ja nicht. Und ich finde die Frage immer, wo ist das Argument dahinter? Ist es einfach nur so, weil es außergewöhnlich ist, weil es ungewöhnlich ist, oder gibt es dahinter wirklich ein Argument? Und mein Master habe ich dann jetzt mal an der Copenhagen Business School gemacht, aber ich bin nur insgesamt gleich zwei Wochen in Kopenhagen gewesen. Ansonsten habe ich von Tenarifa Brasilien und Indien aus studiert, habe eine super Studienzeit gehabt und bin unter den Top 10 Prozent bei einer Elite-Uni. Also auch hier, das System hat wieder funktioniert. Und mir war, ja, das verändert einfach extrem viel, weil seitdem ist, wenn jemand zu mir sagt, hat noch keiner gemacht, dann ist es, es geht nicht. Dann ist es für mich einfach ein extra Grund, das zu wieder fragen und geht wahrscheinlich doch.
Torsten J. KoertingEs gibt ja diesen Spruch, alle sagen, es geht nicht, und dann kommt einer und der hat es einfach gemacht.
GastGenau, genau. Also ich stelle bei Vorträgen auch immer gerne so die Frage, wer von euch kann heute Abend einen Marathon rennen? Und dann gehen meistens so zwei, drei Hände hoch, erstaunlich wenige. Ich habe überhaupt nicht gefragt, kann jemand von euch in drei Stunden einen Marathon rennen. Ich habe nur gefragt, wer kann einen Marathon rennen. Und ich behaupte, jeder, der gesunde Mensch, der jetzt nicht im Rollstuhl sitzt oder irgendeine andere körperliche Beeinträchtigung hat, der kann heute Abend einen Marathon rennen. Vielleicht nicht in drei Stunden, aber dann in fünf oder sechs Stunden. Wenn er das will, dann geht es auch. Es ist überhaupt nicht schwer. Aber die erste, wenn man so fragt, oh Marathon rennen, dann kommt erst mal dieser Mechanismus, nee, kann ich nicht. Und das ist einfach komplett falsch, weil klar kann man das.
Torsten J. KoertingDu bist viel auf Bühnen unterwegs, du hast Unternehmen vor der Brust, du hast die Abenteurer vor der Brust oder vor den Augen in der Audience, du hast sicherlich ganz unterschiedliche Berufsgruppen dann immer wieder da. Und wir sind ja, helfen Selbstständigen und Unternehmern zu wachsen, ihr Business nach vorne zu bringen. Und bei dir blitzt immer wieder das Thema Mindset und so ein paar Botschaften raus. Welche Botschaften könntest du Selbstständigen und Unternehmern geben, die so ein Stück weit sagen, Jonas, 120 Triathlons, was soll ich damit jetzt? Ist das meins? Nee, wahrscheinlich nicht. Ja, ich könnte mal einen Marathon probieren, nehme ich mir eh mal vor. Aber so diese Transferleistung in, was du gelernt hast, jetzt mal auf eine Selbstständigkeit oder auf ein Business zu übertragen. Was wären so zwei, drei Botschaften, wo du sagst, die sind die Essenz oder die kann ich rauslösen aus dem, wie mein Leben so entstanden ist und was meine Projekte und Abenteuer ausmacht, hineingebend in Menschen, die halt in anderen Matrixen, in Anführungszeichen, unterwegs sind?
GastDa gibt es extrem viel. Also ich komme aus dem Betrieb, habe viel mit Startups zu tun und es ist praktisch eins zu eins, was im Mindset im Extremsport erfolgreich ist und auch im Business-Kontext. Wir hatten es eben von den kleinen Zielen. Wenn man einen Marathon läuft, dann läuft man keine 42 Kilometer, sondern man läuft mit einem. Wo ich durch Mexiko gerannt bin, da bin ich in meinem Kopf keine 120 Marathons gerannt. Das ist viel zu weit weg, das Ziel. Sondern ich schaue, okay, wo kommt das nächste Restaurant? Nächste Tankstelle, da gibt es einen Schokoriegel und das ist nicht weit weg und dann geht es weiter. Und 400 Schokoriegel später bin ich dann in Cancun gewesen. Und das ist eben im Business-Kontext, wenn man gerade im Selbstständigen-Nehmer für Startups, wo die Ziellinie weit weg ist und es vielleicht auch unklar ist, wie ich da hinkomme, kleine Ziele setzen. Klar, eine große Vision haben, sich auch zu visualisieren, das ist immer positiv. Aber im Tagesgeschäft kleine Ziele haben, herunterbrechen, sich mit etwas belohnen. Und das ist so eine unglaublich wichtige Message.
GastGenauso wir hatten es eben von Do Shit First. Also wenn man weiß, okay, jetzt ist es für mich da, ich liege im Zelt in Sibirien bei minus 15 Grad und draußen im Schneesturm, da bleibe ich nicht liegen, sondern da stelle ich mir den Wecker und wenn der kommt, dann führe ich einfach aus. Das heißt, ich springe jetzt auf und rade los und bleibe nicht da liegen. Das ist genau dasselbe, wenn ich jetzt einen unangenehmen Kundenanruf habe. Wie viele Kaffee trinken wir vorher, bevor wir ans Telefon greifen? Das ändert ja überhaupt nichts. Im Gegenteil, es ist Zeitverschwendung und man hat diese negative Grundhaltung, negative Energie noch vor sich. Daher, ich beginne meinen Tag mit den unangenehmsten Aufgaben. Und wenn ich weiß, dass ich jetzt einen Kundenanruf oder irgendwas, wo ich wirklich keine Lust drauf habe, dann mache ich das jetzt sofort. Und dann ist es abgehakt, dann kann ich mich auf die schönen Dinge konzentrieren.
GastDie allerwichtigste Botschaft, die ich aber gerade Unternehmern, Selbstständigen, ETC geben möchte, ist einfach machen. Also das Schwerste ist immer, an die Startlinien zu kommen. Und die meisten großen Projekte, die scheitern vorher. Weil den perfekten Zeitpunkt für Dinge, den gibt es nicht. Aber er ist meistens nicht so weit weg. Und für mich ein Scheitern ist nicht, wenn ich einen großen Traum habe, ein großes Projekt. Ich gebe mein Bestes und probiere es. Und wenn ich mal nicht ankomme, dann bin ich stolz drauf und lerne aus meinen Fehlern und probiere es nochmal. Das wirkliche Scheitern ist, wenn ich nicht probiere. Und ein selbstständiger Unternehmer, der wird auch mal mit irgendwas nicht klappen. Aber das wirkliche Scheitern ist, wenn man sich probiert.
Torsten J. KoertingGroßartig. Danke, Jonas, für die Zusammenfassung der Punkte, die wir auch in den letzten knapp 50 Minuten mittlerweile schon gestriffen haben. Du bist jetzt 35, Jonas. Gerade in between projects. Und da wartet ja noch einiges auf dich. Und es ist schon so viel hinter dir. Mich erinnert das manchmal so an diese Dokumentation, The Last Man on the Moon. Die das dokumentiert, was so die letzten Astronauten gefühlt haben. Und wie es ihnen ging, die da oben auf dem Mond gestanden haben. und jetzt hier wieder in das Weltliche zurückkommen und sich dann fragen, what's next? Und du machst das, what's next dran ist, nämlich Menschen wie uns, zu inspirieren durch deine Geschichten, durch deine Erfahrungen, durch die Botschaften, die daraus so ein Stück weit die Essenz sind. What's next for you? Was ist das, was jetzt bei dir noch kommt, Jonas?
GastJa, also ich brauche immer ein neues, großes Projekt, auch um die Zwischenzeit in between projects zu genießen. Weil für mich war das ja jetzt die Weltumrundung, das war ja mit Vorbereitung zwei Jahre mein Leben. Und dann komme ich nach Hause, was mache ich denn jetzt? Also man braucht ja irgendwie eine neue Herausforderung. Ich finde die aktuelle Phase auch unglaublich spannend. Ich bin ja gewissermaßen mit auch Unternehmer, was jetzt gerade einfach extrem wächst und durch die Decke geht. Das ist eine unglaublich spannende Zeit. Aber in meinem Herzen bin ich natürlich auch Abenteurer und brauche da auch was. Und ich habe noch eine lange Bucketlist mit zukünftigen Projekten. Fahrradfahren wird immer meine Lieblingsdisziplin bleiben, ist auch bei manchen Projekten natürlich auch mit dabei. Aber nicht nur. Ich mache gerne Dinge, die so noch nicht gemacht wurden. Da geht es mal um Atlantikrudern oder mal in den Südpol oder mal meine eigene Hütte auf einer einsamen Insel bauen und so Sachen.
GastAlso es geht nicht nur um die reine körperliche Leistung. Ich habe kein Interesse daran, einfach irgendwie im Kreis rumzufahren und ein bisschen schneller zu sein, sondern ich möchte was Neues machen. Ich habe nächstes Jahr ein Größeresprojekt geplant. Da bin ich vier Monate unterwegs und dann geht es wieder einmal um die Welt. auf eine neue Art und Weise. Das hat es noch keiner gemacht. Ich kann nur so viel verraten, es wird sehr, sehr kalt. Und ansonsten streng geheim.
Torsten J. KoertingOkay, dann machen wir jetzt auch keine Vermutungen. Ja, ich durfte Sarah Uten mal treffen, persönlich mit meiner Tochter. Das war für sie ein einschneidendes Erlebnis, die mit London to London ihr Projekt vollzogen hat. Da ist sie gerudert und Rad gefahren und sowohl Rudern im Kajak als auch Rudern über den Atlantik und dann mit dem Fahrrad da, wo halt Land dazwischen gewesen ist. Und einige andere, die mir da so einfallen mit dem Ballon um die Welt, mit Picard und Richard Branson. Da wird es sicherlich auch kalt. Ich bin gespannt, was es bei dir wird. Und wir werden dich dann sicherlich in dem einen oder anderen Vortrag erleben dürfen, wo du das dann auch wieder mit nach außen trägst. Vielleicht kommt dann auch wieder so ein wunderbares Buch bei raus wie Cape to Cape oder Das Limit bin nur ich. Und wir freuen uns riesig darauf, dass du uns weiter mit deinen Geschichten und mit deinen Erfahrungen inspirierst, Jonas. Und ich darf erst mal Danke sagen, dass du hier im Podcast gewesen bist und dich auf die Fragen eingelassen hast. Wir hatten kein großes Vorgespräch. Wir hatten keinen Plan, weil wie wir schon feststellen, der Plan hält eh nur so lange, bis er auf die reale Welt trifft. Danke für deine Ehrlichkeit, für deine Offenheit und auch das Vertrauen mir und allen Zuhörern gegenüber. Und bei uns ist es so, die Art, dass der Gast das letzte Wort haben darf. Und zwar im Sinne der Botschaft, die vielleicht nochmal in die Welt zu senden ist. Und es waren so viele grandiose Botschaften jetzt hier schon dabei, Jonas. Aber wenn du, ich sag mal so, eine Botschaft an die Zuhörerinnen und Zuhörer senden dürftest, auf Basis 35 Jahre Lebenserfahrung mit magischen Momenten, die du dir und auch anderen ermöglicht, hast, welche ist das?
GastJa, dann auch dir erstmal danke, hat es super Spaß gemacht. Und ich habe meine allerwichtigste Botschaft eben schon gesagt, es gibt viele Dinge, die wichtig sind, aber für mich das Allerwichtigste ist, wenn man einen großen Traum hat, den perfekten Zeitraum gibt es nicht, einfach machen.
Torsten J. KoertingSuper Schlusswort. Jonas, danke. Es war ein Traum. Hat viel Spaß gemacht. Toll, dich lächeln zu sehen und dich in deiner Energie zu spüren. Ich wünsche dir noch viele, viele magische Momente auf den Bühnen. Wir haben gesagt, eine Stunde. Ich hoffe, das haben wir gut getroffen. schon gefrühstückt hast. Wahrscheinlich hast du schon 100 Kilometer gefahren. Weiß nicht, was jetzt kommt in Berlin.
GastGenau, ich bin vorhin schon gefrühstückt und jetzt kommt so ein kleiner 25 Kilometer Lauf. Und am Abend habe ich hier noch einen Vortrag in Berlin und dann geht es wieder in die Schweiz. Also bin nahe vor dem Mund unterwegs.
Torsten J. KoertingSehr geil. Ich freue mich, dich irgendwann zu sehen und dann stelle ich mich in die Schlange an, um dich dann mal zu herzen, wenn ich darf. Danke, Jonas. Viel Spaß beim 25 Kilometer Lauf bei deinem Vortrag. Viel Spaß in der Schweiz und was alles noch kommt, besonders das Projekt nächstes Jahr.
GastDanke dir. Mach's gut.
Torsten J. KoertingEs war eine Freude. Dankeschön. Bis dahin, Jonas. Ciao, ciao. Tschüss.
Tschüss.